Mehr Chancen geben

Dieser Auszubildende zum Zweiradmechaniker ist geistig behindert: Seine Ausbildung wird von der Agentur für Arbeit mitgefördert. Foto: Volker Speckenwirth
Dieser Auszubildende zum Zweiradmechaniker ist geistig behindert: Seine Ausbildung wird von der Agentur für Arbeit mitgefördert. Foto: Volker Speckenwirth
Foto: WAZ FotoPool
Der Arbeitsmarkt im Hochsauerlandkreis blieb 2014 solide. MIt durchschnittlich 7500 Arbeitslosen blieb er auf dem Niveau des Vorjahres.

Meschede/Hochsauerlandkreis..  Die Arbeitslosigkeit im Hochsauerlandkreis hielt sich im letzten Jahr mit durchschnittlich 7549 Arbeitslosen auf einem insgesamt niedrigen Gesamtniveau. Das sind 52 mehr als 2013. Die Arbeitslosenquote blieb bei 5,2 Prozent. „Das ist ein Halten der sehr guten Zahlen“, so die Einschätzung von Oliver Schmale, Chef der Arbeitsagenturen im Kreis, im Pressegespräch.

96 962Diesen Höchststand gab es bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dieser hätte noch höher sein können, sagt Oliver Schmale, „aber die Dynamik hat sich nicht so entwickelt“. Denn die Unternehmen seien 2014 zurückhaltend gewesen, noch weitere neue Beschäftigung zu schaffen. Verantwortlich dafür seien Unsicherheiten in der Wirtschaft, unter anderem nach der späten Regierungsbildung in Deutschland, und die Krisen in Osteuropa gewesen.

2547So viele Arbeitslose über 50 Jahren gab es. Die Arbeitslosigkeit unter Älteren im Hochsauerlandkreis (plus 71 gegenüber dem Vorjahr) stieg damit stärker als insgesamt. Die Beobachtung des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Meschede-Soest: „Wenn es im Betrieb nicht ganz rund läuft, sind am ehesten Ältere betroffen.“ Schmale appelliert eindringlich an Firmen, die Fachkräfte suchen: „Liebe Unternehmer: Wir haben über 2500 Menschen mit viel Potenzial!“ Es gebe Eingliederungserfolge, „aber es könnten mehr sein“.

541Das ist die Zahl der Schwerbehinderten gewesen, plus 39 gegenüber 2013. Sie profitierten nicht vom soliden Arbeitsmarkt. Die Arbeitsagentur will sich weiter verstärkt um sie kümmern. Auch für sie gilt: „Da ist so viel Potenzial dabei, das eine Gesellschaft nicht links liegen lassen darf.“ Größtes Vorurteil noch immer: Schwerbehinderte hätten nicht die gleiche Leistungsfähigkeit. Dazu komme die Befürchtung von Betrieben, einmal eingestellten Schwerbehinderten nicht mehr kündigen zu können: Was nicht stimmt, denn sie können auch entlassen werden, wenn es dem Betrieb wirtschaftlich schlecht geht. Die Agentur unterstützt weiter Betriebe, die Behinderte einstellen, etwa bei der Qualifizierung oder der Einrichtung von Arbeitsplätzen.

2963Diese Menschen sind langzeitarbeitslos, also länger als ein Jahr arbeitslos. Das sind 78 mehr. Auch ihnen macht Oliver Schmale aber Hoffnung. Denn allmählich setzt, angesichts des beginnenden demographischen Wandels, bei Betrieben ein Umdenken ein, nicht mehr nur nach den am besten geeigneten Bewerbern zu schauen: „Arbeitgeber sind inzwischen auch bereit, zum Beispiel Ältere mit Vermittlungshemmnissen zu nehmen oder Ältere in Ausbildung zu übernehmen.“ Schmale ermuntert ausdrücklich dazu: „Denn man wird sich nicht mehr darauf verlassen können, das der 100-Prozent-Bewerber über die Straße spaziert.“

2015Für das neue Jahr geht Schmale davon aus, dass sich die Arbeitslosenzahl halten wird. Hintergrund dafür seien weiterhin Unsicherheiten: Im produzierenden Gewerbe etwa im Bereich der Energie, bei exportorientierten Unternehmen weiter durch die ungelösten Osteuropa-Konflikte.