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Martinrea will Löhne kürzen

13.10.2011 | 18:34 Uhr
Martinrea will Löhne kürzen

Meschede. „Ich kann es gar nicht fassen und glauben, dass Martinrea mit einem so dreisten und frechen Forderungskatalog um die Ecke kommt“: Die Wut kocht hoch bei Honsel. Der Satz stammt von einem Mitarbeiter, der aber nicht genannt werden möchte.

Der Anlass: Der neue Eigentümer aus Kanada möchte, dass die Mitarbeiter mehr arbeiten und weniger Geld erhalten. In der Belegschaft rumort es. Seit dieser Woche machen die Forderungen die Runde: „Ich denke mal, dass ab spätestens jetzt die Motivation aller Mitarbeiter, worauf die Amerikaner ja eigentlich großen Wert legen, so was von im Keller ist und dies auch nicht den momentanen Qualitätsproblemen förderlich ist“, schreibt einer der Betroffenen in einer E-Mail an unsere Zeitung.

Dabei wird der Ton auch bitter und höhnisch: „Vielleicht sollte man Martinrea den Vorschlag machen wie es früher in der Weimarer Republik üblich war: Vor Schichtbeginn stehen die Meister, Vorarbeiter und Koordinatoren am Tor und lassen nur die für heute benötigte Menge an Arbeitern aufs Werksgelände - für ca. drei Euro die Stunde, versteht sich.“ Der Betriebsrat möchte sich nicht zu dem Thema äußern, er hat die Angelegenheit an die IG Metall übergeben.

Denn der kanadische Zulieferer-Konzern Martinrea macht Druck. Die Beschäftigten sollen fünf Stunden pro Woche mehr ohne Lohnausgleich arbeiten und auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld ebenso verzichten wie auf den Akkordlohn. Das bestätigte der erste Bevollmächtigte der IG Metall, Wolfgang Werth. Dies würde für einen Arbeitnehmer mit 3000 Euro Bruttogehalt jährlich 13 000 Euro Einbuße bedeuten, sagt er. Umsetzen kann Martinrea seine Pläne aber nicht ohne Weiteres. Da ist die Tarifbindung vor. Deshalb hat die IG Metall Werth zufolge zunächst einmal die wirtschaftliche Begutachtung von Honsel in Auftrag gegeben. Danach werde die IG Metall über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Ganz im Kontrast zu den geforderten Kürzungen versucht sich Martinrea derweil auch kumpelig zu geben: Für den heutigen Freitag ist die Belegschaft in die Schützenhalle zum „Barbecue“ eingeladen - so wird das Grillen in Amerika und Kanada, der Heimat des Investors, bezeichnet. An allen Standorten lädt Martinrea die Mitarbeiter regelmäßig zu solchen Veranstaltungen mit Fleisch, Beilagen und Getränken ein - es ist allerdings offen, wie sehr den Honselanern die Forderungen des Konzerns auf den Magen geschlagen haben.

Oliver Eickhoff und Stefan Pohl


Kommentare
15.10.2011
14:14
Martinrea will Löhne kürzen
von Miroslav | #4

Die Liste der Grausamkeiten, die der neue Eigentümer Martinrea aus Kanada den Honsel-Mitarbeitern zumutet, ist lang und schwer verdaulich: 5 Std./Woche umsonst arbeiten, Verzicht auf Akkordlohn und Zuschläge bzw. Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Das macht summa summarum bei einem Monatslohn von € 3.000 brutto eine reale Lohnkürzung von € 13.000/Jahr aus.

Diese Praktiken erinnern mich stark an die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens aus dem Jahr 1843, der damit auf die Not der Armen in der Gesellschaft Englands aufmerksam machen wollte. Im Mittelpunkt seiner Erzählung steht der geizige, rücksichtslose und menschenverachtende Geschäftsmann und Raubtierkapitalist Ebenezer Scrooge, der seine Mitarbeiter äußerst schlecht bezahlt und sogar an Heiligabend bis zuletzt durcharbeiten lässt. Erst als Scrooge mit dem Geist der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht konfrontiert wird, der ihm das Leid seiner Mitarbeiter vor Augen führt und ihm ein Schrecken ohne Ende nach seinem kurz bevorstehenden Tod prophezeit, erfährt er die entscheidende Wendung seines Lebens. Im Angesicht des Todes kommt Scrooge nämlich zur folgenden Erkenntnis: Die Wege der Menschen deuten ein bestimmtes Ende voraus, auf das sie hinführen, wenn man auf ihnen beharrt. Aber wenn man von den Wegen abweicht, ändert sich auch das Ende. Daraufhin läutert sich Scrooge und wird fortan zu einem besseren und liebenswerten Menschen.

Genau diese Einsicht des Ebenezer Scrooge wünsche ich dem neuen Eigentümer Martinrea bei den bevorstehenden Verhandlungen mit dem Honsel-Betriebsrat und der IG Metall. Betrachten Sie den Menschen und Mitarbeiter nicht ausschließlich als Kostenfaktor, sondern als Menschen, der von seiner Hände Arbeit eine Familie ernähren und menschenwürdig leben muss und der es in jedem Fall wert ist, in den Mittelpunkt allen Wirtschaftens und Handelns gestellt zu werden. Denn, auch die Geschäftsleitung von Martinrea muss eines Tages vor Gott Rechenschaft über seine unverantwortlichen Entscheidungen ablegen. In genau sechs Wochen begehen wir den 1. Advent. Wäre es da nicht der denkbar ungünstigste Zeitpunkt und die fatalste Entscheidung überhaupt, gerade das Weihnachtsgeld ersatzlos zu streichen? Oder will der Arbeitgeber Martinrea etwa bewusst die Massenkaufkraft schwächen und nicht mehr vom Weihnachtsgeschäft an sich profitieren?

14.10.2011
20:13
Martinrea will Löhne kürzen
von Danton | #3

Hallo an alle Honselaner!Was ist das für ein Betriebsrat fragt zu Recht westphalian-observer.Aber auch dort hat man erst einmal Angst um den eigenen *****.Und wer verbirgt sich hinter MaRa?Wohl jemand der den Orlandos und Orlandis soweit hinten reingekrochen ist das sein hirn von dem vielen Methan umnebelt zu sein scheint!Wie sonst kann man das was gerade bei Honsel abläuft stöhnen auf hohem Niveau nennen.Jetzt heißt die Parole zusammenstehen und denen mal zeigen was geht und was nicht...

14.10.2011
10:47
Martinrea will Löhne kürzen
von MaRa | #2

Das es für die AN zu Kürzungen kommt war doch klar, und schließlich ist das nur der Anfang. Ich denke, daß man sich in der Mitte trifft. Und mal nebei, 3000€ brutto sind 1800€ netto in Stk 1, und etwas über 2100€ in Stk 3. Erzählen Sie das mal einem Leiharbeiter mit 9,05€/Std (1450€ brutto).
Selbst wenn es zu den vollen Kürzungen kommt, dann ist das immer noch Klagen auf hohen Niveau, wobei 13.000€ minus schon ein heftiger Schlag ist, man hat sich ja schließlich auch an das hohe Lohnniveau gewöhnt.

13.10.2011
20:55
Martinrea will Löhne kürzen
von westphalian-observer | #1

Der Betriebsrat möchte sich nicht zu dem Thema äußern, (...)

Was ist denn das für ein Betriebsrat?

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