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Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen

29.10.2012 | 06:00 Uhr
Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen
Martinrea-Honsel hatte im Sommer seinem kompletten Ausbildungsjahrgang gekündigt. Hier im Bild sind vier der Betroffenen.Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Das Mescheder Unternehmen Martinrea-Honsel soll Schadensersatz an einen der 37 jungen Leute zahlen, die zum 1. September ihre Berufsausbildung beginnen sollten. Doch noch bevor die Jugendlichen ihre Lehre antreten konnten, wurde ihnen gekündigt.

Martinrea-Honsel soll Schadensersatz an einen der 37 jungen Leute zahlen, die zum 1. September ihre Berufsausbildung bei dem Unternehmen beginnen sollten, denen aber alle vor Antritt der Lehre gekündigt wurde.

Diesen Vergleich haben Vertreter der IG Metall und des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte vor dem Arnsberger Arbeitsgericht geschlossen. Demnach muss Martinrea 393 Euro zahlen, ein halbes Lehrlingsgehalt: Es ist der Schadensersatz für die Aufwendungen, die der 17-Jährige hatte, um nach der Kündigung des Lehrvertrages noch kurzfristig einen neuen Ausbildungsplatz zu finden.

Der 17-Jährige (der inzwischen eine andere Lehrstelle gefunden hat) war der einzige des gesamten Jahrganges, der auch juristisch gegen seine Kündigung geklagt hatte. Sowohl er als auch sein Vater sind Mitglieder der IG Metall, die beide auch vor Gericht vertrat. Martinrea ließ sich nur von einem Juristen des Unternehmensverbandes vertreten.

Ein kleiner Erfolg für einen Auszubildenden

Die Gewerkschaft hat dem Vergleich bereits zugestimmt: „Der Vergleich ist ein kleiner Erfolg für den Auszubildenden“, so IG-Metall-Jurist Thomas Kircher. Martinrea hat noch bis Anfang November Zeit, sich zu erklären. Die anderen 36 Ex-Azubis gehen leer aus.

Zwei Positionen (die in einem Verfahren dann gründlich hätten geklärt werden müssen) standen sich gegenüber, so Thomas Kircher. Zum einen deutete das Gericht ein, dass es für das Unternehmen durchaus möglich sein könne, den Auszubildenden vor Antritt der Lehre zu kündigen – da ja diese Möglichkeit auch innerhalb einer Probezeit besteht. Zum anderen unterstrich das Gericht auch die Haltung der Gewerkschaft, wonach Martinrea möglicherweise einen Interessenausgleich, sprich Sozialplan, hätte vornehmen müssen. Zwar wurde der dafür erforderliche Schwellenwert, der bei rund 60 Kündigungen liegt, nur allein durch die 36 Azubis unterschritten. Andererseits habe sich Martinrea fast zeitgleich von seinen 270 Leiharbeitern getrennt und einen generellen Stellenabbau angekündigt. Die Richter deuteten an, dass die Klärung dieser Frage, ob ein Sozialplan nötig gewesen wäre, die Gerichte auf Jahre beschäftigen könnten.

Jürgen Kortmann


Kommentare
29.10.2012
21:30
Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen
von doddl2 | #5

Gerade wollte ich mich aufregen - aber das kann ich jetzt abkürzen:

Danke #4 - völlige Zustimmung!

Irgendwann wird vielleicht auch mal die IG Metall feststellen, dass man mit gewerkschaftlichen Steinzeitpositionen jedes Unternehmen nur einmal kaputtmachen kann - Ver.di ist hier ja schon etliche Schritte weiter.

29.10.2012
21:07
Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen
von Spatenklopper | #4

Wirklich viel Ahnung von Wirtschaft scheint bei #1 und #3 nicht vorhanden zu sein, Martinrea-Honsel ist unter anderem ein Zulieferer für die Automobilindustrie, wie es dort und in der Stahlindustrie momentan läuft scheint an Ihnen vorbei gegangen zu sein.

Sicherlich kann man 37 Azubis durchziehen, 270 Leiharbeitern eine Festanstellung geben und die Firma dann innerhalb eines Jahres in die Insolvenz bringen.
Die ARGE wird es dann schon richten....

29.10.2012
18:22
Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen
von spindoctor | #3

Es ist eine Schweinerei, mit jungen Menschen so umzugehen.

29.10.2012
17:50
Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen
von nocheindirk | #2

@hagfri. Wäre es besser gewesen wenn sie die Lehrlinge für einen Monat behalten hätten und diese dann gekündigt hätte? Dann könnte es für die neue Suche nach einer Lehrstelle zu spät sein. Und warum sollen Lehrlinge die Möglichkeit haben eine Lehrstelle erst gar nicht antreten zu müssen, aber die Frirmen müssen wenn sie es genauso machen eine Entschädigung zahlen?

29.10.2012
16:25
Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen
von hagfri | #1

Was man von der Firma zu halten hat, das kann jeder für sich ausmachen. Ich würde jeden raten, der wechseln kann, sich um eine andere Arbeitsstelle zu kümmern.

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