Martinrea-Honsel muss gekündigtem Lehrling Entschädigung zahlen

Martinrea-Honsel hatte im Sommer seinem kompletten Ausbildungsjahrgang gekündigt. Hier im Bild sind vier der Betroffenen.
Martinrea-Honsel hatte im Sommer seinem kompletten Ausbildungsjahrgang gekündigt. Hier im Bild sind vier der Betroffenen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Mescheder Unternehmen Martinrea-Honsel soll Schadensersatz an einen der 37 jungen Leute zahlen, die zum 1. September ihre Berufsausbildung beginnen sollten. Doch noch bevor die Jugendlichen ihre Lehre antreten konnten, wurde ihnen gekündigt.

Meschede.. Martinrea-Honsel soll Schadensersatz an einen der 37 jungen Leute zahlen, die zum 1. September ihre Berufsausbildung bei dem Unternehmen beginnen sollten, denen aber alle vor Antritt der Lehre gekündigt wurde.

Diesen Vergleich haben Vertreter der IG Metall und des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte vor dem Arnsberger Arbeitsgericht geschlossen. Demnach muss Martinrea 393 Euro zahlen, ein halbes Lehrlingsgehalt: Es ist der Schadensersatz für die Aufwendungen, die der 17-Jährige hatte, um nach der Kündigung des Lehrvertrages noch kurzfristig einen neuen Ausbildungsplatz zu finden.

Der 17-Jährige (der inzwischen eine andere Lehrstelle gefunden hat) war der einzige des gesamten Jahrganges, der auch juristisch gegen seine Kündigung geklagt hatte. Sowohl er als auch sein Vater sind Mitglieder der IG Metall, die beide auch vor Gericht vertrat. Martinrea ließ sich nur von einem Juristen des Unternehmensverbandes vertreten.

Ein kleiner Erfolg für einen Auszubildenden

Die Gewerkschaft hat dem Vergleich bereits zugestimmt: „Der Vergleich ist ein kleiner Erfolg für den Auszubildenden“, so IG-Metall-Jurist Thomas Kircher. Martinrea hat noch bis Anfang November Zeit, sich zu erklären. Die anderen 36 Ex-Azubis gehen leer aus.

Zwei Positionen (die in einem Verfahren dann gründlich hätten geklärt werden müssen) standen sich gegenüber, so Thomas Kircher. Zum einen deutete das Gericht ein, dass es für das Unternehmen durchaus möglich sein könne, den Auszubildenden vor Antritt der Lehre zu kündigen – da ja diese Möglichkeit auch innerhalb einer Probezeit besteht. Zum anderen unterstrich das Gericht auch die Haltung der Gewerkschaft, wonach Martinrea möglicherweise einen Interessenausgleich, sprich Sozialplan, hätte vornehmen müssen. Zwar wurde der dafür erforderliche Schwellenwert, der bei rund 60 Kündigungen liegt, nur allein durch die 36 Azubis unterschritten. Andererseits habe sich Martinrea fast zeitgleich von seinen 270 Leiharbeitern getrennt und einen generellen Stellenabbau angekündigt. Die Richter deuteten an, dass die Klärung dieser Frage, ob ein Sozialplan nötig gewesen wäre, die Gerichte auf Jahre beschäftigen könnten.