„Manchmal muss ich eben springen“

Trapezkünstler leben gefährlich. Von daher nutzen sie ein Netz, aus Sicherheitsgründen. So ein Netz verhindert im Notfall das Schlimmste. So ein Netz ist wie eine Lebensversicherung.


Wer eventuell an diesem Wochenende in der Kirche das Evangelium hört, der hört die Berufungsgeschichte der ersten Jünger: „Jesus sagt nur: Kommt und folgt mir nach. Und die Jünger ließen ihre Netze liegen und folgten Jesus.“ Das war damals ziemlich unvernünftig, etwa so als würde heute ein Trapezkünstler ohne Netz auftreten.


Das Fischernetz war wie eine Lebensversicherung für den Fischer: Ohne Netz keine Fische, ohne Fische keine finanzielle Absicherung, ohne Absicherung wird das ganze Leben unsicher(er). Und die Jünger setzen noch einen drauf: Sie lassen auch den Vater sitzen – und damit so viel wie den familiären Halt, sozusagen die Sozialversicherung in biblischer Zeit.


Kann man denn so unvernünftig sein und alle Sicherheiten hinter sich lassen? Wir heute leben da lieber mit unseren Sicherheiten und Netzen, die wir uns geschaffen haben – die Zukunft ist geplant, alles durchorganisiert, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Aber geht dann Nachfolge und Berufung heute eigentlich noch?


Jesus sagt uns heute: All deine Absicherungen und Vorsichtsmaßnahmen sind schön und gut. Aber sie taugen nur bis zu einem bestimmten Punkt. Es gilt immer wieder den Sprung aus der Zirkuskuppel zu wagen, auch wenn kein Netz zu sehen ist. Manchmal musst du einfach springen. Das gilt für jeden Lebensabschnitt. Kein Jugendlicher weiß, ob seine Berufswahl in 20 Jahren noch trägt. Keiner weiß, ob die eingegangene Ehe immer halten wird. Und Jesus gibt seinen Jüngern zu verstehen, dass man es tun kann im Vertrauen darauf, dass Gott mich auffängt.
Hubertus Feldmann, Gemeindereferent Pastoraler Raum Meschede-Bestwig