„Man muss ein Auge für das Pferd haben“

Pferdezüchter Franz-Josef Gilsbach zeigt WP-Redakteurin Katrin Clemens das Fohlen, das wenige Tage vorher geboren wurde. An der Seite seiner Mutter muss es erst noch
Pferdezüchter Franz-Josef Gilsbach zeigt WP-Redakteurin Katrin Clemens das Fohlen, das wenige Tage vorher geboren wurde. An der Seite seiner Mutter muss es erst noch
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Stuten im Stall von Züchter Franz-Josef Gilsbach und seinem Sohn gehören zu den erfolgreichsten im ganzen Land.

Schmallenberg..  Noch etwas wackelig auf seinen langen Beinen stakst ein dunkelbraunes Fohlen zu seiner Mutter, um zu trinken. Es ist erst vier Tage alt und das erste Fohlen dieses Jahres auf dem Hof von Pferdezüchter Franz-Josef Gilsbach und seinem Sohn Peter. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt der 62-Jährige, warum er in der Zucht so erfolgreich ist und noch nie daran gedacht hat, aus Schmallenberg wegzuziehen.

Frage: Wie heißt das erste Fohlen des Jahres?

Franz-Josef Gilsbach: Noch hat es keinen Namen, aber er muss mit „C“ beginnen – der Anfangsbuchstabe wird immer vom Vater übernommen. Den Hengst hat Ludger Beerbaum gerade bei einem Turnier geritten.

Und das ist nicht die einzige Erfolgsgeschichte. Viele der Pferde aus Ihrem Stall haben schon internationale Preise gewonnen.

Es gibt heutzutage so viele Züchter, dass man schon Spitzenpferde braucht, um überhaupt davon leben zu können. Wenn man keine internationale Abstammung nachweisen kann, dann wird man die Pferde nicht los, außer man verschenkt sie.

Während er redet, steht Gilsbach mitten im Gang des Pferdestalls. Eine Hand steckt in der Hosentasche, mit der anderen zeigt er auf die Box des Pferdes, über das er gerade spricht.Wer zum ersten Mal an seiner Seite durch die eher unscheinbaren Stallgassen geht, würde kaum vermuten, dass hier Spitzenpferde auf dem Stroh stehen.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Man muss ein Auge für das Pferd haben. Normalerweise erkennt man erst nach drei Jahren, wie sich ein Pferd entwickelt. Es braucht also Geduld. Wir sind jahrelang bei den gleichen Zuchtfamilien geblieben. Wenn man einen guten Stutenstamm hat, dann braucht man nicht die aller teuersten Hengste. Außerdem ist auch die Natur immer noch im Spiel. Sonst könnten sich irgendwelche Millionäre ja die beste Stute und den besten Hengst der Welt kaufen und damit weiterzüchten. So einfach funktioniert es aber eben nicht.

Welche Stute ist Ihre wertvollste?

Unsere älteste Stute ist 21 Jahre alt. Von ihr können wir die Abstammung bis 1870 nachweisen – darunter waren schon viele Champions. Es ist einer der bedeutendsten Stutenstämme in ganz Nordrhein-Westfalen.

Das Pferd über das er spricht, steht ruhig neben ihm in der Box, sein Bauch ist kugelrund. Wie elf andere Pferde hier im Stall wird es in den kommenden Wochen ein Fohlen zur Welt bringen.

Wie ist die Stute in Ihren Besitz gekommen?

Die haben wir selbst gezüchtet. Wir haben 1990 mit der professionellen Zucht angefangen. Früher hatte unsere Familie vor allem Kaltblüter auf dem Hof. Sie wurden als Zugtiere eingesetzt, zum Beispiel in den alten Schmallenberger Steinbrüchen.

Wie ist Ihre Familie hier verwurzelt?

Unter dem Namen Gilsbach leben unsere Vorfahren schon seit dem 15. Jahrhundert in Schmallenberg. Damals lebten sie neben der Kirche. Später haben wir in einem alten Fachwerkhaus an der Weststraße gewohnt, Anfang der 80er Jahre haben wir den Hof hier oben gebaut.

Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, wegzugehen?

Nein. Meine beiden Geschwister sind weggezogen, aber für mich war immer klar, dass ich hier bleibe. Ich wollte die Familientradition weiterführen und mein Sohn macht jetzt das Gleiche. Er hat den Betrieb schon teilweise übernommen.

Bei diesen Worten ist Gilsbach anzusehen, dass er stolz auf seinen Familienbetrieb ist. Auch, wenn er viel Arbeit bedeutet. Gerade jetzt, wo sich mehrere Fohlen ankündigen, muss Tag und Nacht jemand in Bereitschaft sein. Im Stall gibt es mehrere Kameras, die Bild und Ton auf einen kleinen Monitor im Wohnhaus übertragen. So kann Gilsbach sofort zur Stelle sein, wenn eine Geburt losgeht. Liegt das Fohlen richtig, kann die Stute es allein zur Welt bringen. Falls nicht, muss Gilsbach Geburtshilfe leisten. Fast 200 Mal hat er schon erlebt, wie in seinem Stall ein Fohlen zur Welt kommt.

Sie haben neben den Pferden auch noch Rinder und Forstwirtschaft, aber gar keine Angestellten auf dem Hof. Wann bleibt da Zeit für Urlaub?

Wir machen immer Urlaub auf dem Bauernhof – also hier. Nein, im Ernst, wir fahren meist nur über lange Wochenenden weg. Es muss ja immer jemand hier auf dem Hof sein.

Wohin würden Sie reisen, wenn Sie mal vier Wochen am Stück frei hätten?

Dann würde ich unsere Fohlen auf der ganzen Welt besuchen. Wir bekommen so viele Einladungen, die können wir gar nicht alle wahrnehmen.