„Man ist als Wirt auch Psychologe“

Am Zapfhahn hat Josef „Schacka“ Mönig schon so manche Unterhaltung mit seinen Gästen geführt – und noch mehr Gläser mit frischem Pils gefüllt.
Am Zapfhahn hat Josef „Schacka“ Mönig schon so manche Unterhaltung mit seinen Gästen geführt – und noch mehr Gläser mit frischem Pils gefüllt.
Foto: WP
Gastronom und Musiker Josef Mönig ist den meisten Schmallenbergern nur als „Schacka“ bekannt.

Schmallenberg..  Hinter dem Tresen im Gasthof Mönig steht Josef Mönig, genannt „Schacka“ seit rund drei Jahren. Seine Gäste haben ihn längst ins Herz geschlossen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt der 49-Jährige, was es mit der Schweigepflicht für Wirte auf sich hat und warum er gerne mal mit Bukowski ins Bett geht.

Frage: Woher kommt der Spitzname „Schacka“?

Josef Mönig: Das weiß niemand – mein Vater wurden schon so genannt, aber warum, ist leider nicht mehr rauszufinden.

Den Namen kennt jedenfalls so gut wie jeder in Schmallenberg und im Gegensatz zu vielen anderen Kneipen, kommen Jung und Alt hierher. Woran liegt das?

Ich denke es liegt daran, dass ich gerne ein paar Sprüche klopfe und an der Musik, die hier gespielt wird. Es gibt Leute, die schon seit 60 Jahren hierherkommen, aber auch junge Leute, die vor allem am Wochenende kommen. Eben die mögen die Musik – es läuft vor allem Rock, aber auf keinen Fall Schlager, das kann ich nicht leiden. In Zukunft will ich noch mehr Live-Musik unter der Woche anbieten. Ich hoffe, dass das ankommt.

Wie sind Sie zu Ihrer Band gekommen?

Ich habe früher schon immer Musik gemacht, aber nie in einer Band. Mein erstes Konzert habe ich mit ein paar Jungs der Band „Red Dust“ gespielt, dafür bin ich ihnen noch immer dankbar. Über Gespräche mit anderen jungen Musikern hier in der Kneipe entstand irgendwann die Idee zu „Schacka und Söhne“. Weil Janis Schäfer selbst Tontechniker ist, konnten wir recht schnell unser erstes Album aufnehmen. Es heißt „Der Träumer“, weil es eben immer unser Traum war, eine eigene Platte aufzunehmen. Verdienen kann man damit nichts, es ist ein reines Hobby.

Woher kommt die Liebe zur Musik?

Hier nebenan gab es früher ein Elektrogeschäft, da habe ich mir immer Platten und Hörbücher gekauft. Obwohl ich eigentlich schon lesen konnte, bevor ich in die Schule kam. Im Laden bin ich dann irgendwann auf eine Platte von Muddy Waters gestoßen – seitdem bin ich Bluesfan. Es ist eine sehr ehrliche Musik ohne großen Schnickschnack.

Im Sauerland-Blues von „Schacka und Söhne“ heißt es „Hier geht mehr ab als du denkst“. Was denken denn die Auswärtigen?

Die Sauerländer werden immer als stur bezeichnet, was nicht stimmt, wenn man normal auf sie zugeht. Es kommen so oft Fremde hier in die Kneipe, die sofort Kontakte knüpfen.

Was glauben Sie – welche Ihrer Eigenschaften würden die Gäste überraschen?

Ich gehe auch gerne Mal um acht ins Bett und lese. Ich lese viel Dostojewski und habe so einige Gedichte von Rilke und Co im Kopf. Wenn ich hinter dem Tresen stehe und die aufsage, sind die Gäste schon perplex. Ich sitze auch gerne mal am Klavier. Aber wer mich kennt, der weiß das auch. Ich verbiege mich nicht.

Verbiegen tun sich wahrscheinlich auch viele der Gäste nicht. Welche Themen kommen auf den Tresen?

Man ist als Wirt auch Psychologe. Ich sage immer, wir haben die Wirtsschweigepflicht. Hier bekommt man Sachen mit, die manchmal schon hart sind. Wenn Leute arbeitslos werden, sich trennen oder schwer krank sind und niemanden sonst zum Reden haben, dann kommen sie hierher. Solche Geschichten trage ich nicht nach außen. Für den Job als Wirt muss man geboren sein – das kann man nicht lernen.