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Interview

Mais darf Wiesen in der Landwirtschaft nicht verdrängen

28.09.2012 | 15:00 Uhr
Mais darf Wiesen in der Landwirtschaft nicht verdrängen
Rindviehhalter konkurrieren mittlerweile auch im Sauerland mit den Biogasanlagen um den Mais. Doch seit 2011 dürfen Landwirte ihre Ackerbauflächen nicht einfach zu Lasten der Wiesen ausweiten.Foto: Mathias Schumacher

Meschede.  Mais ist ein begehrter Rohstoff - als Futtermittel und für die Biogasanlagen. Doch insgesamt darf die Anbaufläche die Wiesen nicht verdrängen. Ein Aspekt im Interview mit Dr. Christian Mohr von der Landwirtschaftskammer zum Erntejahr.

Der Winter war kalt und schneearm, der Sommer zu nass und die globale Konkurrenz mächtig. Auf den ersten Blick hört es sich an, als wenn die heimischen Landwirte nicht viel zu lachen hätten. Doch Dr. Christian Mohr, Chef der Landwirtschaftskammer in Meschede, ist trotzdem zuversichtlich: „Gut ausgebildete Landwirte werden auch weiter am Markt bestehen.“

Wie waren denn das Frühjahr und der Sommer aus Sicht der Landwirtschaft?

Mohr: Wenn man über Frühjahr und Sommer reden will, muss man erstmal mit dem Winter anfangen. Der war nämlich schwierig, weil viel Getreide erfroren ist. Die Landwirte mussten die Flächen im Frühjahr neu bestellen und hatten dadurch doppelte Kosten.

Doch dann haben sich die Bestände noch ganz gut entwickelt?

Durchschnittlich. Wir können zufrieden sein. Die Preise für Getreide sind zurzeit relativ hoch. Sie fangen einen Teil der höheren Kosten wieder auf.

Wie sah es beim Grünland aus?

Dort hatten wir gute Erntemassen, allerdings fehlte die Sonne und deshalb der Zucker.

Die Milchbauern haben sich in den vergangenen Monaten ja schon mal zu Wort gemeldet, weil die Preise wieder eingebrochen waren.

Für die Milchbauern gibt es schon seit einigen Jahren nur noch relativ wenig Außenhandelsschutz. Das heißt, dass alle Schwankungen auf dem Weltmarkt direkt auf unseren Binnenmarkt durchschlagen. Doch zurzeit gibt es Signale, dass die Preise wieder etwas anziehen. Wir hoffen, dass sich das auch bei den Verhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel bemerkbar macht.

Doch insgesamt sind sie mit der Landwirtschaft im Kreis gar nicht so unzufrieden?

Wir haben hier an der Fachschule für Agrarwirtschaft eine super Ausbildung und die Spezialberatung der Landwirtschaftskammer, die sehr gut angenommen wird. Ich bin sicher: Gut ausgebildete Landwirte werden auch weiter am Markt bestehen.

Wer mit wachen Augen durchs Sauerland fährt, muss den Eindruck gewinnen, dass überall vermehrt Mais angebaut wird. Stimmt das?

Das Thema Mais wird viel diskutiert. Aktuelle Zahlen aus diesem Jahr habe ich nicht, aber die letzte Landwirtschaftszählung aus dem Jahr 2010 nennt für den HSK 2800 Hektar Mais auf 16 565 Hektar Ackerfläche, also rund 16,7 Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Gebieten relativ wenig. Man muss wissen, dass mittlerweile Rindviehhalter und Biogasanlagenbetreiber um den Mais konkurrieren, einmal dient er als Futtermittel und dann auch als Energielieferant für die Anlagen. Deshalb kann es schon sein, dass der Maisanbau zugenommen hat. Seit Februar 2011 haben wir allerdings das so genannte Grünlanderhaltungsgebot. Das bedeutet, dass die Landwirte Grasflächen nicht einfach in Ackerflächen umwandeln dürfen. Dafür müssen im Verhältnis 1:1 andere Ackerflächen in Grünland umgewandelt werden.

Die Grasflächen - so hat es den Anschein - leiden aber auch, weil Landwirte sie immer häufiger nicht mehr umbrechen, sondern mit Roundup den Pflanzenbestand „abspritzen“. Das vernichtet auch viele wildblühende Wiesenpflanzen und Blumen.

Einerseits stimmt das, andererseits leidet die Wiese nicht so, wie es den Anschein hat. Wenn die Pflanzenzusammensetzung der Grünlandnarbe sich stark verschlechtert hat und ein hoher Besatz mit schwer zu regulierenden Wurzelgräsern und Kräutern vorhanden ist, ist eine Erneuerung auch aus Gründen der bedarfsgerechten, qualitativ hochwertigen Tierernährung angezeigt. Das Abspritzen der Altnarbe mit Roundup hat im Rahmen der umbruchlosen Grünlanderneuerung den Vorteil, dass das Bodengefüge, was die Grünlandnarbe braucht, nicht durch massive Bodenbearbeitung zerstört wird. Auch aus Gründen des Erosionsschutzes hat das Verfahren Vorteile.

Ute Tolksdorf



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