„Made in Bestwig“: Schüler entwerfen Auto

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Was wir bereits wissen
Georg Fuhs schmunzelt: „Das ist Deutschlands einziger Kunstraum, in dem ein Auto entsteht.“ Gemeinsam mit 15 Schülern und Schülerinnen der Fachoberschule für Gestaltung am Berufskolleg Bergkloster Bestwig verwirklicht der Lehrer einen Sportwagen in Originalgröße – mit einer Karosserie aus Holz. Das Design entwickeln die jungen Leute selbst.

Bestwig..  „Nein, auf dem Lehrplan steht das nicht“, sagt der Lehrer für Kunst und Gestaltung. Er überzeugte seine Schulleitung, das ungewöhnliche Projekt anzugehen: Schüler ohne handwerkliche Ausbildung, die später einmal im breiten Berufsspektrum Design arbeiten möchten, praktisch und mit Fantasie arbeiten zu lassen.

Schüler bringen ihre Ideen ein

Früher fuhr Fuhs selbst Rallyecross auf Straße, Matsch und Schotter. Die Leidenschaft für den Motorsport hat er sich erhalten. Für ein paar hundert Euro kaufte er ein Chassis eines Pontiac „Fiero“ auf und entfernte dessen komplette Kunststoff-Karosserie. Das war die Ausgangsbasis. Die Schüler sind frei in ihrer Gestaltung: „Ich will die Schüler nicht in eine bestimmte Richtung drängen. Die Schüler sollen nicht mein Traumauto bauen.“

Im letzten Jahr hat Georg Fuhs mit dem Projekt begonnen. Die ersten Schüler sind, nach bestandenem Fachabitur, ausgeschieden. An Nachfolgern war kein Mangel: 15 neue junge Autobauer arbeiten jetzt in zwei Gruppen mit — in ihrer Freizeit nach der Schule. Eine Gruppe arbeitet mit Biegesperrholz und glasfaserverstärktem Kunststoff an der Außenhaut, die zweite am Innendesign. Die Entwürfe für die Anbauteile werden aus Papier und Pappe entworfen. „Das Projekt ist toll“, meint zum Beispiel Sarah Wefing: „Wir können alle Ideen einfach ausprobieren.“

Materiell und ideell wird das Projekt von heimischen Unternehmen gefördert. Der für Europa zuständige Vertriebschef von Aston Martin war schon in Bestwig und erläuterte das Zusammenspiel, wie die Technik und die Wirtschaftlichkeit eines Autos den Verkauf bestimmen.

Die Schüler werden nicht nur mit praktischen Erfahrungen belohnt. Sie erhalten auch ein Zertifikat über die Teilnahme: Ein Vorteil für den Start ins Berufsleben – den Bau eines Autos kann schließlich nicht jeder in seiner Bewerbungsmappe nachweisen.

TÜV will Auto als Blickfang nutzen

In diesem Schuljahr soll das Auto vollendet werden. Es wird ein Cabrio werden, samt Überschlagbügel. Es gibt schon Anfragen vom TÜV, das Schülerauto als Blickfang an Messeständen einsetzen zu dürfen. Apropos TÜV: Motor und Bremsen sind ja noch erhalten, das Schülerauto ist also grundsätzlich fahrfähig. Eine Straßenzulassung kann es aber nicht erhalten: Denn Autos mit Holzkarosserie sind aus Sicherheitsgründen auf öffentlichen Straßen verboten – ihnen fehlt die Knautschzone.