„Letzte Ausfahrt Sauerland“ mit Lauterbach - Kein Heimatfilm

"Letzte Ausfahrt Sauerland": Heiner  Lauterbach (l.) und Friedrich von Thun spielen die Hauptrollen.
"Letzte Ausfahrt Sauerland": Heiner Lauterbach (l.) und Friedrich von Thun spielen die Hauptrollen.
Foto: Kai Kitschenberg/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
„Letzte Ausfahrt Sauerland“ wird am Freitag um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Heiner Lauterbach und Friedrich von Thun spielen in dem Roadmovie die Hauptrollen. Wir konnten uns den Film vorab anschauen - und aus Sauerländer Sicht bewerten.

Meschede. „66 - Alter Sack“ steht in bunten Buchstaben auf einer etwas missratenen Geburtstagstorte, serviert auf einem winzigen Klapptisch am Ufer des schönen Möhnesees. Nicht weit entfernt sind eine kleine Hütte und ein alter Wohnwagen. Horst und Johann verbringen hier ihren bescheidenen Lebensabend.

„Letzte Ausfahrt Sauerland“ wird dieser Ort beschrieben und so lautet auch der Titel des neuen Films mit Heiner Lauterbach und Friedrich von Thun. Im vergangenen Jahr konnten die Sauerländer die Filmcrew an einigen heimischen Orten beobachten. So gab es Drehtage in Eversberg. Meschede-Nord wurde ebenfalls Schauplatz, die Hochhäuser dort sollen Frankfurt darstellen. Nun wird „Letzte Ausfahrt Sauerland“ ausgestrahlt - am Freitag, 15. Mai, um 20.15 Uhr in der ARD. Wir konnten uns den Film vorab anschauen - und aus Sauerländer Sicht bewerten.

ARD Der Inhalt: Es geht um die beiden Freunde Horst (Lauterbach) und Johann (von Thun), die am Möhnesee ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben führen, gekleidet in Holzfällerhemden und mit Schirmmützen auf dem Kopf. Hoffentlich soll das nicht den Eindruck vermitteln, dass alle Sauerländer so leben...

Horst hat vor vielen Jahren seine Frau verloren, wenig Kontakt zu seiner Tochter und verachtet seinen halbtürkischen Enkel. Trotzdem wird er von beiden unter falschem Vorwand in ein Krankenhaus nach Frankfurt gelockt (leider in der Szene doch nicht Meschede-Nord, sondern tatsächlich Frankfurt) und bekommt dort eine tödliche Krebsdiagnose. Kurzerhand rettet ihn sein bester Kumpel Johann aus dem Krankenhaus.

"Kaff" oder "Dorf" - da schütteln Sauerländer den Kopf

So wie jeder echte Sauerländer natürlich für seinen besten Freund auf einem klapprigen Mofa bis nach Frankfurt fahren würde. Die Aktion endet damit, dass Horst und Johann einen Leichenwagen stehlen, um damit nach Hause zu fahren - mitsamt Enkel Elyas im Kofferraum. Er hatte das Sauerland eigentlich immer wieder als „Kaff“ oder „Dorf“ bezeichnet und keinen Grund darin gesehen, in so einer Gegend leben zu wollen. Sauerländer schütteln natürlich den Kopf über solche Städter-Aussagen.

Roadtrip mit Leichenwagen und Nacht am Lagerfeuer

Elyas merkt schnell, dass er irgendwie auch keine Lust mehr auf Großstadt hat und so beschließt das Trio, einen Roadtrip mit ihrem geklauten Leichenwagen zu unternehmen. Da schlägt doch das Sauerländer-Herz höher! Eine Reise durch viele Dörfer und jeder sieht sein eigenes im Fernsehen.

Dreharbeiten Leider ist es nicht ganz so: Der Roadtrip besteht fast nur aus einer Nacht unter einer Brücke am Lagerfeuer, in der sehr emotional über Horsts Krankheit diskutiert wird, außerdem ist da noch eine kurze Flucht vor der Polizei über die Felder.

In Eversberg nur das "Drogenhaus" zu sehen

Die tagelangen Dreharbeiten in Eversberg hätten eine große Präsenz des Ortes erwarten lassen, tatsächlich ist nur das „Drogenhaus“ kurz von Relevanz. Zum Hintergrund: Nach dem Dreh in Eversberg wurde das bis dahin leerstehende Haus verkauft, vor drei Wochen entdeckte die Polizei dort eine riesige Marihuana-Plantage.

Das schöne Sauerland spielt keine große Rolle im Film

Bekannte Dörfer im Sauerland und ihre Fachwerkhäuser sind im Film leider eher Seltenheit. An landschaftlichen Szenen wurde dagegen nicht gespart. Während Horst, Johann und Elyas mit ihrem geklauten Leichenwagen über die Landstraßen fahren, läuft sogar „Sauerland“ von der Band „Zoff“ im Radio.

ARD-Komödie Generell werden die Sauerländer aber eher enttäuscht sein, denn die schöne Region spielt keine allzu große Rolle in diesem Film, auch wenn der Titel das eigentlich erwarten lässt. Es geht vielmehr ausschließlich um Horsts verkorkstes Leben (hoffentlich nicht, weil er im Sauerland gelandet ist) und sein schlechtes Verhältnis zu Tochter und Enkel. Das lässt die Story sehr rührselig wirken und sie kommt nur schleppend voran.

Schützenfest ist Wendepunkt

Aber was gehört unweigerlich zum Sauerland? Natürlich das Schützenfest! Gegen Ende wird diese Tradition zur Filmkulisse, auch wenn es eher eine Miniaturausgabe geworden ist. Trotzdem ist das Schützenfest der Wendepunkt des gesamten Films - vielleicht stimmt das vor allem die heimischen Zuschauer versöhnlich. Der Großstadtenkel kann über diese Tradition natürlich nur schmunzeln. „Ist ja schon schön hier - irgendwie“, lautet sein letzter Kommentar.