„Lehrer sollten bei Facebook sein“

Gestartet ist das Bildungsprojekt „Social Network Training - Web 2.0“ des Ensible e.V. Ende 2011 in Brilon.
Gestartet ist das Bildungsprojekt „Social Network Training - Web 2.0“ des Ensible e.V. Ende 2011 in Brilon.
Foto: WP

Bad Fredeburg.. Der Verein Ensible ist in der Öffentlichkeit vor allem durch das Festival der Kulturen und die Jugendkunstgalerie, die aktuell in den Schaufenstern in Schmallenberg gezeigt wird, bekannt. Neben den Schwerpunkten Kultur und Kreativität gibt es aber noch einen dritten Bereich: die Bildungsprojekte des Vereins.

Mit dem Projekt „Social Network Training - Web 2.0“ ist der Ensible-Verein im Oktober die „Empfehlung des Monats“ im Medienpädagogischen Atlas NRW. „Das ist auf jeden Fall eine besondere Auszeichnung für uns“, sagt Vereins-Mitbegründer Yao Houphouet.

Das Projekt richtet sich an Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8. Ziel ist der bewusste, umsichtige Umgang mit sozialen Netzwerken. „In dem Projektzeitraum von sechs Wochen findet zunächst eine Vorstellung statt, darauf folgen drei Workshop-Einheiten“, erklärt Yao Houphouet. „Das findet alles freiwillig nach dem Unterricht statt.“

Sorge bereitet dem Verein vor allem der naive Umgang der Schüler mit den sozialen Netzwerken – „und Facebook zum Beispiel begleitet die Kinder von morgens bis abends“, sagt Houphouet. „Wir machen den Schülern zunächst bewusst, dass Inhalte wie Bilder nicht mehr ihnen gehören. Die Facebook-Richtlinien sind länger als die amerikanische Verfassung.“

Mobbing, das mit dem Web 2.0 eine ganz neue Dimension erreicht hat, ist ein weiteres wichtiges Thema des Workshops. Anonym und ohne großen Aufwand können Beleidigungen im Sozialen Netzwerk schnell verbreitet werden.

Gestartet ist das Bildungsprojekt Ende 2011 in Brilon. „Die Idee hatten wir schon länger, aber uns fehlten die Kapazitäten.“ Hintergrund dieser Idee ist auch, dass Eltern und Lehrer beim Thema Web 2.0 an ihre Grenzen geraten. „Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Houphouet. „Wir empfehlen zum Beispiel, dass Lehrer auch bei Facebook sein sollten, um zu wissen, was da los ist.“ Gleichzeitig sei den Schulen aber auch großer Respekt auszusprechen, da sie sich der Problematik bewusst sind und sich Hilfe holen.

Ergänzt wird das Social-Network-Training für Schüler durch Eltern- und Lehrerworkshops, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern. Ermöglicht wird das dem Ensible-Verein durch eine Kooperation mit der Europainitiative „Klicksafe“. „Wir arbeiten außerdem mit dem Landesjugendamt und dem Bildungsbüro Olpe zusammen“, erklärt der Bad Fredeburger. Und dank der Unterstützung der Bürgerstiftung der Sparkasse finden an den Schmallenberger Schulen – Gymnasium, Hauptschule und Valentinschule – die ersten Kurse nach den Herbstferien statt.

Kürzlich wurde der Ensible e.V. außerdem von der Uni Köln angesprochen. Dort soll er das Projekt den Lehramtsstudenten vorstellen.

Hintergrund:

- Der Medienpädagogische Atlas NRW (MPA) bietet eine Orientierungshilfe, die über Anbieter, Angebote und Ansprechpartner für Medienpädagogik in NRW informiert.

- Das Grimme-Institut ist für die Redaktion zuständig und aktualisiert die Daten im Auftrag der Landesanstalt für Medien.

- Kern und Herzstück des MPA ist eine komfortable Online-Suche für die wichtigsten medienpädagogischen Einrichtungen und Projekte.