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Training für Soziale Netzwerke

„Lehrer sollten bei Facebook sein“

19.10.2012 | 09:00 Uhr
„Lehrer sollten bei Facebook sein“
Gestartet ist das Bildungsprojekt „Social Network Training - Web 2.0“ des Ensible e.V. Ende 2011 in Brilon.Foto: Privat

Bad Fredeburg. Der Verein Ensible ist in der Öffentlichkeit vor allem durch das Festival der Kulturen und die Jugendkunstgalerie, die aktuell in den Schaufenstern in Schmallenberg gezeigt wird, bekannt. Neben den Schwerpunkten Kultur und Kreativität gibt es aber noch einen dritten Bereich: die Bildungsprojekte des Vereins.

Mit dem Projekt „Social Network Training - Web 2.0“ ist der Ensible-Verein im Oktober die „Empfehlung des Monats“ im Medienpädagogischen Atlas NRW. „Das ist auf jeden Fall eine besondere Auszeichnung für uns“, sagt Vereins-Mitbegründer Yao Houphouet.

Das Projekt richtet sich an Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8. Ziel ist der bewusste, umsichtige Umgang mit sozialen Netzwerken. „In dem Projektzeitraum von sechs Wochen findet zunächst eine Vorstellung statt, darauf folgen drei Workshop-Einheiten“, erklärt Yao Houphouet. „Das findet alles freiwillig nach dem Unterricht statt.“

Yao Houphouet vom Verein Ensible.Foto: Privat

Sorge bereitet dem Verein vor allem der naive Umgang der Schüler mit den sozialen Netzwerken – „und Facebook zum Beispiel begleitet die Kinder von morgens bis abends“, sagt Houphouet. „Wir machen den Schülern zunächst bewusst, dass Inhalte wie Bilder nicht mehr ihnen gehören. Die Facebook-Richtlinien sind länger als die amerikanische Verfassung.“

Mobbing, das mit dem Web 2.0 eine ganz neue Dimension erreicht hat, ist ein weiteres wichtiges Thema des Workshops. Anonym und ohne großen Aufwand können Beleidigungen im Sozialen Netzwerk schnell verbreitet werden.

Gestartet ist das Bildungsprojekt Ende 2011 in Brilon. „Die Idee hatten wir schon länger, aber uns fehlten die Kapazitäten.“ Hintergrund dieser Idee ist auch, dass Eltern und Lehrer beim Thema Web 2.0 an ihre Grenzen geraten. „Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen“, sagt Houphouet. „Wir empfehlen zum Beispiel, dass Lehrer auch bei Facebook sein sollten, um zu wissen, was da los ist.“ Gleichzeitig sei den Schulen aber auch großer Respekt auszusprechen, da sie sich der Problematik bewusst sind und sich Hilfe holen.

Ergänzt wird das Social-Network-Training für Schüler durch Eltern- und Lehrerworkshops, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern. Ermöglicht wird das dem Ensible-Verein durch eine Kooperation mit der Europainitiative „Klicksafe“. „Wir arbeiten außerdem mit dem Landesjugendamt und dem Bildungsbüro Olpe zusammen“, erklärt der Bad Fredeburger. Und dank der Unterstützung der Bürgerstiftung der Sparkasse finden an den Schmallenberger Schulen – Gymnasium, Hauptschule und Valentinschule – die ersten Kurse nach den Herbstferien statt.

Kürzlich wurde der Ensible e.V. außerdem von der Uni Köln angesprochen. Dort soll er das Projekt den Lehramtsstudenten vorstellen.

 

Hintergrund:

- Der Medienpädagogische Atlas NRW (MPA) bietet eine Orientierungshilfe, die über Anbieter, Angebote und Ansprechpartner für Medienpädagogik in NRW informiert.

- Das Grimme-Institut ist für die Redaktion zuständig und aktualisiert die Daten im Auftrag der Landesanstalt für Medien.

- Kern und Herzstück des MPA ist eine komfortable Online-Suche für die wichtigsten medienpädagogischen Einrichtungen und Projekte.

Laura Mock



Kommentare
19.10.2012
13:30
„Lehrer sollten bei Facebook sein“
von WilzenbergHeinz | #2

Niemand sollte bei Facebook sein! Hier vermitteln selbst ernannte Experten gefährliches Halbwissen.

5 Antworten
„Lehrer sollten bei Facebook sein“
von binlehrer | #2-1

Dem ersten Satz stimme ich insofern zu, als dass die Inanspruchnahme des Angebots eines kommerziellen IT-Dienstleisters wie Facebook wohl kaum etwas ist, was man allgemein nahelegen sollte.

Aber warum es sich bei dem Verein um "selbsternannte Experten" und bei deren Inhalten um "gefährliches Halbwissen" handelt, bedürfte schon noch einer Erklärung. Ich wäre dankbar für Ihre Ergänzung!

„Lehrer sollten bei Facebook sein“
von WilzenbergHeinz | #2-2

Mir liegt es fern hier polemische Thesen aufzustellen. Aber wer die Behauptung aufstellt "Lehrer sollten bei Facebook sein", der zeigt bereits dieses gefährliche Halbwissen.
Lehrer müssen auch nicht "kiffen", um die Gefahr von Drogen besser zu vermitteln.

Primär wurde der Verein gegründet, um Fördermittel für das Festival der Kulturen abzugreifen. Da muss man Projekte finden, um an die Mittel ranzukommen.

Hilfreicher wäre tatsächlich eine viel kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema Social Networking. Ich kenne viele, die nicht bei Facebook o.ä. mitmachen und nicht im Urwald leben...

„Lehrer sollten bei Facebook sein“
von Codemancer | #2-3

Drogen mit Social Networks zu vergleichen ist gewagt. Drogen, egal welche und wie auch immer angewendet haben nie einen positiven Effekt und nicht selten einen negativen. Facebook und Konsorten haben zwar das Potenzial, dass auch etwas schlechte passieren kann, wenn man es falsch benutzt, aber ich persönliche kann fast nur positives berichten. (legale) Äpfel und (illegale) Birnen...

Gegenthese: In wie weit kann ein Lehrer etwas über die Gefahren von Facebook und Co. erzählen, ohne diese Dinge selbst einmal gesehen zu haben? Man muss ja nicht "bei Facebook sein" um sich Facebook einmal angeschaut zu haben. Wenn Jemand nun über Facebook referiert, ohne es zu kennen, dann kommt genau das zu stande, was Sie hier anprangern: Halbwissen. Und jenes hilft unserer Generation Facebook kein bisschen weiter.

„Lehrer sollten bei Facebook sein“
von binlehrer | #2-4

Natürlich muss ein Lehrer, wenn der denn unterrichtlich damit befasst ist (was weder jeder Lehrer ist noch sein muss), sich eingehend darüber informiert haben - dafür muss er aber nicht "bei Facebook sein" oder regelmäßig Facebook nutzen.

Ich bin Lehrer, nutze Facebook [und davor auch andere Soziale Netze] seit einigen Jahren - und würde dennoch sagen, dass dieses weder persönlich oder für meinen Beruf notwendig wäre noch dass ich irgendjemandem deswegen - wie in der Überschrift des Artikels nahegelegt - empfehlen würde, "bei Facebook [zu] sein".

„Lehrer sollten bei Facebook sein“
von Codemancer | #2-5

Nun ich sollte vielleicht mal erklären, warum ich "bei Facebook sein" so differenziert benenne. In meinen Augen ist man "bei Facebook", wenn man dort regelmäßig online ist und diesen "Dienst" auch entsprechend häufig nutzt. Aber man kann sich Facebook auch anschauen, ohne gleich seine halben Daten freizugeben. Fake-Daten angeben und schon kann man sich mit Facebook auseinander setzen, ohne wirklich bei Facebook zu sein.

Man sollte diese ganze Diskussion an einem anderen Punkt ansetzen: Anstatt zu Fragen, ob Lehrer bei Facebook sein sollten, sollte man lieber Fragen: Sollten Lehrer Facebook & Co zum Thema ihres unterrichts machen? Aber natürlich! Ich denke da vielleicht auch an Workshops für Eltern und Kinder um genau die beiden wesentlichen Zielgruppen zu sensibilisieren.

19.10.2012
10:41
„Lehrer sollten bei Facebook sein“ - So einfach ist das nicht
von binlehrer | #1

Eine etwas differenziertere Auseinandersetzung mit dieser Forderung fand sich kürzlich in der taz: http://www.taz.de/!93443/.

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