Landrat in Meschede: „Wir schaffen das nicht“

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft: Zahlreiche Besucher waren gestern Abend zum Neujahrsempfang ins Foyer der Stadthalle gekommen.
Politik, Wirtschaft, Gesellschaft: Zahlreiche Besucher waren gestern Abend zum Neujahrsempfang ins Foyer der Stadthalle gekommen.
Foto: Nadja Homann
Was wir bereits wissen
Beim Neujahrsempfang der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft (IMW) und der Stadt Meschede stand am Freitagabend ein Thema immer wieder im Vordergrund: die Asylpolitik.

Meschede..  Die heimischen Unternehmen haben beim Neujahrsempfang von IMW und Stadt Meschede angekündigt, sich um die berufliche Integration von Flüchtlingen mit Bleiberecht oder positiver Bleibeprognose kümmern zu wollen. Landrat Dr. Karl Schneider richtete den Blick auf die Bundespolitik. Er sagte: „Nein, wir schaffen das auf Dauer und in der Anzahl nicht.“

Meinolf Ewers stand zum ersten Mal als neuer Vorsitzender IMW vorn auf der Bühne. Er blickte in ein prall gefülltes Foyer der Stadthalle: Vertreter von Unternehmen, Politik, Kirchen, Gesellschaft und Vereinen waren gekommen - die Liste der Ehrengäste war ungewöhnlich lang. Ewers gab seinen Zuhörern folgenden Leitsatz mit auf den Weg: „Wenn man eine unerwünschte Veränderung nicht verhindern kann, dann muss man sich an die Spitze der Bewegung stellen und die Richtung mitbestimmen.“ Er präsentierte mehrere Beispiele, wie IMW das Schicksal beeinflussen möchte.

Praktikum nach den Osterferien

Dazu ist zum Beispiel das Projekt „Arbeitwelt 4.0“: Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung wird versucht, junge Menschen als künftige Fach- und Führungskräfte in der Region zu halten. 14 Unternehmen und drei Schulen wirken bereits daran mit. Das Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gestalten die heimischen Betriebe ebenfalls mit: Nach den Osterferien sollen bis zu 200 Schülerinnen und Schüler an drei Tagen eine Firma oder Institution besuchen und dort ein Eintagespraktikum absolvieren.

Der große Schwerpunkt in diesem Jahr sind die Flüchtlinge. „Integration in unsere Gesellschaft heißt nicht nur, sondern insbesondere auch: Integration in unsere Arbeitswelt“, sagte Ewers. Er plädierte dafür, denjenigen mit Bleibeperspektive eine Ausbildung anzubieten. „Wir nehmen ja nicht nur Jugendliche, sondern auch ältere Abiturienten und noch ältere Studienabbrecher in die Lehre auf, daher kommen für diesen Weg auch Flüchtlinge bis 25 oder sogar 30 Jahre in Frage.“ Wer Bedenken als Ausbilder habe, könne zudem eine von der Agentur für Arbeit bezahlte Einstiegsqualifizierungsmaßnahme vorschalten.

Arbeitsgruppe entwirft Checkliste

Ewers kündigte eine Arbeitsgruppe aus IMW, Stadt Meschede, Agentur für Arbeit, Flüchtlingshilfe und Ehrenamtlichen an. Sie sollen beispielsweise eine Checkliste erarbeiten, welche Voraussetzungen ein Flüchtling erfüllen sollte, bevor es Sinn macht, Kontakt mit Mescheder Firmen aufzunehmen.

Auch Bürgermeister Christoph Weber plädierte dafür, „Veränderung als Chance zu begreifen – das gilt auch beim Thema Zuwanderung.“ Nach der Phase der Willkommenskultur stehe nun die nächste Phase an: die sprachliche, gesellschaftliche und psychosoziale Betreuung und Integration. Da brauche es Offenheit und Bereitschaft zu Veränderung.

Den politischen Part übernahm Landrat Dr. Karl Schneider - er nutzte die Gelegenheit zu einer Abrechnung mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ein Kurswechsel ist dringend erforderlich und geboten“, mahnte er. „Der ungezügelte Zugang zu uns nach Deutschland ist zu reglementieren und ein ‘Weiter so’ völlig inakzeptabel.“Das Einreisetempo dürfe nicht das Integrationstempo übersteigen.