Kurtaxe ist für Südwestfalens Kommunen unverzichtbar

Für solche Anblicke sind Gäste gern bereit, etwas zu bezahlen, auch eine höhere Kurtaxe, glaubt man zumindest im Schmallenberger Sauerland und in der Ferienregion Eslohe.
Für solche Anblicke sind Gäste gern bereit, etwas zu bezahlen, auch eine höhere Kurtaxe, glaubt man zumindest im Schmallenberger Sauerland und in der Ferienregion Eslohe.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Viele Gemeinden verteidigen die Erhebung der Abgabe mit Investitionen in die Qualität des Tourismus. Einige verzichten aber längst auf die Kurtaxe.

Schmallenberg.. Horst Böttcher ist überrascht. „Sie sind seit langem der Erste, der nach der Kurtaxe fragt“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Damp am Telefon. Das Ostseebad ist auch dadurch bekannt, weil es auf eine Kurtaxe verzichtet. Für andere Kommunen ist diese Gästeabgabe unverzichtbar. Im Schmallenberger Sauerland und in der Ferienregion Eslohe z.B. wird die Kurtaxe zum 1. Juli von 1,25 auf 2 Euro pro Tag erhöht.

1893 wurde die Kurtaxe in Deutschland eingeführt. Und seit gefühlten 122 Jahren hält sich die Frage, ob sie noch zeitgemäß ist. „Sie ist so zeitgemäß wie andere Steuern und Abgaben“, sagt Hubertus Schmidt, Geschäftsführer der Kur- & Freizeit GmbH Schmallenberger Sauerland. „Es geht darum, die Qualität anzubieten, die die Gäste für kurörtliche- und Freizeiteinrichtungen, für Infrastruktur und Dienstleistung erwarten.“

Das Schmallenberger Sauerland liegt mit 2 Euro auf einer Stufe mit Orten wie Garmisch-Partenkirchen, Konstanz und Tegernsee. Liegt aber deutlich unter dem deutschen Spitzenwert von 3,50 Euro.

Hubertus Schmidt weiß, dass eine Erhöhung der Kurtaxe offensiv verkauft werden muss. „Das Geld geht 1:1 in den Tourismus, für Investitionen in Qualität, Mobilität, Ökologie und Ökonomie“, stellt er klar. Es gehe nicht darum, den Stadtsäckel zu füllen oder „einen Büroapparat zu stützen“.

Marktvorteil verschaffen

Mit der Kurtaxe, so Schmidt, könne man die Leistungen der Gästekarte deutlich aufwerten – und sich so einen Marktvorteil verschaffen. Mit der Karte fahren Urlauber gratis Bus und Bahn durch die Region und genießen „Vorteile und Ermäßigungen“ beim Eintritt in Freizeitparks, Bäder und Museen. Und man will eigene Wander- und Sightseeing-Buslinien einrichten, damit Gäste nicht von den festen Zeiten des Linienverkehrs abhängig sind.

Eine Karte, deren Angebote bundesweit fast einmalig sind, findet Hubertus Schmidt. Er glaubt, dass die Gäste Verständnis für die Erhöhung haben: „Sie sind gerne bereit, etwas mehr zu zahlen, wenn sie mehr Leistungen erhalten.“

Dass eine Kurtaxe grundsätzlich auf Gegenliebe stößt, daran glaubt Volker Böttcher nicht. „Aus Kundenperspektive ist eine Kurtaxe immer ärgerlich“, sagt der Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz. Schließlich trügen die Gäste mit ihren Ausgaben schon dazu bei, dass in den Urlaubsregionen zusätzliche Umsätze und damit Steuern generiert werden. „Gerade im Vergleich zu ausländischen Zielgebieten ist dies unerfreulich.“

Finanzielle Not der Kommunen

Aus der Perspektive der Kommunen sehe dies anders aus: „Sie benötigen diese Steuer, um bestimmte Dienstleistungen für ihre Gäste zu erbringen.“ Alles in allem: Zeitgemäß findet Böttcher die Sonderabgabe nicht mehr. Aber dies gelte auch für so manche andere Steuer in Deutschland.

Auch wenn das Ostseebad Damp 2000 noch nie eine Kurtaxe erhoben hat, beschäftigt das Thema Bürgermeister Horst Böttcher seit langem. „Vor 30 Jahren bin ich von Ort zu Ort in Schleswig-Holstein gezogen und habe Vorträge darüber gehalten, warum es bei uns keine Kurtaxe gibt.“ Warum eigentlich? „Wir haben uns vor der Eröffnung des Ferienzentrums Damp 1973 gesagt, dass ein 800-Seelen-Dorf nicht alles alleine stemmen kann und die Unterhaltung der touristischen Infrastruktur in die Hände eines Betreibers gegeben“, schwärmt der Bürgermeister von den „tollen Verträgen“.

Sprachen noch vor 20 Jahren, so Böttcher, Urlauber immer wieder Stadtvertreter freudestrahlend darauf an, dass sie keine Kurtaxe entrichten müssen, ist es heute eher eine stille Übereinkunft. „Aber die Gäste bekommen schon mit, dass sie in Nachbargemeinden am Strand ein Ticket ziehen müssen.“