Kringel am Spieß sind Karnevalstradition

Eversberg. Kringel sind eine Konstante in ihrem Leben: Sabine Dreier-Batroff aus Eversberg ist Konditorin im „Knusperhaus“ in Oberkirchen. Bereits als Kind ist sie singend mit einem Spieß durch die Dorfstraßen gezogen und hat Kringel eingesammelt, heute backt sie zu Karneval selber die süßen Teigwaren.

In Eversberg ist es Tradition, dass die Kinder an Weiberfastnacht singend durchs Dorf gehen. Mit Spießen. Darauf stecken die Eversberger Kringel, als Gegenleistung sozusagen. „Unsere Spieße waren immer richtig voll – zwischendurch mussten wir sie wieder leer essen, damit neue Kringel drauf passten“, erinnert sich Dreier-Batroff. Wenn das nicht reichte, haben die Leute die Süßigkeiten auch mit Bändern befestigt, um sie an die kleinen Holzlanzen hängen zu können.

Die Spieße sind inzwischen weitgehend durch Tüten abgelöst worden, nur wenige Kinder haben noch die dünnen Stöcke, die ein bisschen aussehen wie ein Holzschwert. Meist sind es die Kinder, deren Eltern die Tradition von früher kennen. Dreier-Batroff erklärt: „Ich habe selbst zwei Kinder. Mein Jüngerer ist jetzt acht, er war letztes Jahr mit Spieß unterwegs.“ Selbstgebaut natürlich. „Mein Opa hat mir damals einen gebastelt, heute macht das mein Mann für unsere Kinder.“

Die Spieße verschwinden langsam, aber Kringel gibt es in Eversberg an Weiberfastnacht in Hülle und Fülle, nach traditionellem Karnevalsrezept (siehe Infobox). Konditorin Dreier-Batroff backt immer eine Woche vor Karneval. Einmal für die Kinder an der Haustür – und weil sie einfach zu Karneval dazugehören.

„Ich kenne das nur so. Außerdem schmecken die Kringel ja“, sagt die 44-Jährige. Dafür müssen sie nicht auf einem Spieß stecken, leckeres Gebäck geht immer. Die Tradition geht also weiter: Die Kinder singen in Eversberg nämlich immer noch auf Plattdeutsch.

Bäckereien haben eigene Bräuche

Auch in einigen Mescheder Bäckereien werden die Kringel verkauft. Aus Tradition, zum Beispiel bei Monika Schröjahr. In ihrer Bäckerei an der Hennestraße ist die Nachfrage nach dem besonderen Gebäck groß und das nicht nur zu Karneval: Auch in den Wochen danach kaufen die Leute gern süße Kringel. Zusätzlich gibt es sie hier in Brezelform.

Jede Bäckerei hat ihre eigene kleine Tradition. Bei Schrage an der Briloner Straße werden die Kringel zum Beispiel zusätzlich mit Schokolade bestrichen. Allerdings sei die Nachfrage hier nicht mehr sehr groß, sagt Gabi Schrage. Genauso bei der Bäckerei Polle am Ruhrplatz. In der Bäckerei Sommer wird das Gebäck deshalb gar nicht mehr angeboten. „Das war damals einfach eine ganz andere Zeit“, meint Verkäuferin Sarah Spieß.

Nachfrage hin oder her – Kringel gehören für viele Sauerländer einfach zum Karneval dazu. Im Café Frings bekommen singende Kinder sofort das Gebäck. Chefin Petra Dahmen sagt: „Leider haben die Kinder heute meistens Taschen.“ Vom Spieß gegessen schmecken Kringel nämlich einfach besser.