Krav Maga ist reine Selbstverteidigung

Daniel Bierowiec demonstriert Selbstverteidigungstechniken. Krav Maga soll im Grunde nur Zeit verschaffen, um im Falle eines Angriffes sicher flüchten zu können.
Daniel Bierowiec demonstriert Selbstverteidigungstechniken. Krav Maga soll im Grunde nur Zeit verschaffen, um im Falle eines Angriffes sicher flüchten zu können.
Foto: Verena Köster
Was wir bereits wissen
Im TuS Velmede-Bestwig wird Krav Maga praktiziert. Die Selbstverteidigungs-Technik bedient sich am Besten aus allen Kampfsportarten.

Velmede.. Männer und Frauen attackieren sich mit Gummimessern, schlagen sich mit Schaumstoffnudeln und raufen auf Judomatten. Diese Szenen spielen sich Dienstagabends in der Velmeder Sporthalle ab. „Krav Maga“ wird hier praktiziert. Ralf Bierowiec betreibt den Sport seit sechs Jahren und leitet die Gruppe im TuS Velmede-Bestwig. Sein Sohn Daniel ist seit vier Jahren dabei und steht ihm als Assistent zur Seite.

Das Beste aus allen Kampfsportarten

Der 19-Jährige kommt aus dem Kampfsport Taekwondo. „Krav Maga ist aber keine Kampfsportart“, sagt er. Es ginge nur um reine Selbstverteidigung in echten Situationen auf der Straße. Taekwondo sei sehr traditionell, die Techniken eignen sich nicht für Alltagssituationen. „Die Gewalt auf den Straßen hat sich verändert. Wir haben etwas Neues gesucht, das auf die heutige Zeit angepasst ist“, erzählt Ralf Bierowiec. Krav Maga sei ein hybrider Sport, der sich am Besten aus allen Kampfsportarten bediene.

„Kontaktkampf“ bedeutet das übersetzt. Es geht aber eigentlich gar nicht so sehr um den Kampf. „Krav Maga fängt bei mir selber an. Wir stärken im Training das eigene Selbstbewusstsein“, erklärt Daniel. Verbale Übungen seien fester Bestandteil.

Teilnehmen kann man am Training in Velmede ab 18 Jahren. Ralf Bierowiec veranstaltet aber auch Seminare an Kindergärten und Schulen. Dort geht es dann besonders um die Stärkung des Selbstbewusstseins und wie man sich zum Beispiel gegenüber Mobbing verhält: „Wir spielen klassische Schulhofsituationen nach und zeigen den Kindern, wie sie sich verhalten sollen.“ So soll es erst gar nicht zu Gewalt kommen.

„Ich bilde keine Schläger aus“

Im richtigen Training geht es darum, Techniken zur eigenen Verteidigung zu erlernen. „Ich bilde keine Schläger aus“, betont Bierowiec. Es ginge nicht ums Angreifen. Mit Krav Maga soll man sich nur ein Zeitfenster für eine sichere Flucht schaffen können. „Man bleibt vielleicht nicht unverwundet, es geht aber vielmehr ums Überleben.“

Die Techniken werden verinnerlicht, so dass sie in einer Gefahrensituation automatisch angewandt werden. Es wird zum Beispiel niemals mit der Faust geschlagen, sondern mit dem Handballen. Ralf und Daniel Bierowiec bereiten ihre Schüler besonders auf gegnerische Angriffe mit Messern, Stöcken und Fäusten vor. „Wir lehren keine tausend Techniken. Nur ein paar, und es reicht, wenn man diese gut beherrscht.“

Viele schätzen den Sport, weil man sehr schnell Erfolge erzielt. Manche kommen nur ein paar Mal, um grundlegende Techniken zu erlernen. Andere haben Krav Maga zu ihrem wöchentlichen Trainingsplan hinzugefügt und betreiben es seit Jahren.

„Die Techniken sind situationsbezogen. Diese verändern sich, und somit verändert sich der ganze Sport immer wieder“, begründet Daniel. Er möchte in ein paar Jahren auch den Krav-Maga-Instructor machen und seinem Vater weiter als Assistent zur Seite stehen.