Das aktuelle Wetter Meschede 12°C
Medizin

Krankenhaus Meschede: „Wir arbeiten alle am Limit“

24.01.2015 | 08:00 Uhr
Krankenhaus Meschede: „Wir arbeiten alle am Limit“
Auch das St.-Walburga-Krankenhaus Meschede meldet einzelne Abteilungen regelmäßig bei der Rettungsleitstelle ab.

Meschede.   Die Krankenhäuser aus der Region melden sich regelmäßig bei der Rettungsleitstelle ab, weil in einzelnen Abteilungen alle Betten belegt sind. Für den Patienten kann die Fahrt dadurch deutlich länger werden.

Keine Intensivbetten mehr, der Computertomograph außer Betrieb oder die Innere Abteilung voll belegt – mehrmals im Monat meldet das Walburga-Krankenhaus einzelne Abteilungen bei der Rettungsleitstelle ab. Für Patienten bedeutet das: Der Krankenwagen steuert erst gar nicht das Mescheder Krankenhaus an, sondern fährt den Patienten direkt nach Arnsberg, Warstein oder Bigge. Je nachdem, welches Haus gerade noch Kapazitäten frei hat. „Davon ist aber nicht nur Meschede betroffen“, sagt Martin Reuther, Pressesprecher des Hochsauerlandkreises. „Notfälle müssen natürlich trotzdem versorgt werden. Für die Kollegen in der Rettungsleitstelle ist das Tagesgeschäft.“

Das bestätigt auch Karsten Müller, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Hochsauerlandkreis. Er hat allerdings auch beobachtet, dass sich diese Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren verstärkt hat: „Die Reserven der Krankenhäuser werden weniger.“ Der Anästhesist ist mit halber Stelle Oberarzt am Marienkrankenhaus in Lünen. Von dort fliegt er als Notarzt auch mit dem Rettungshubschrauber zu Unfällen. „Früher fuhr man mit dem Krankenwagen raus und brachte seinen Patienten zurück ins eigene Haus. Heute kann es passieren, dass man mit Blaulicht zum Patienten fährt, um wertvolle Minuten zu sparen und dann erst mal rumtelefoniert, um ein Krankenhaus zu finden, das den Patienten aufnimmt.“

Der Versuch, Kosten zu vermeiden

Als Grund sieht er neben der zunehmend geforderten Spezialisierung der Häuser vor allem den wirtschaftlichen Druck. Das unterstreicht auch Meinolf König, der stellvertretende Verwaltungsdirektor des St.-Walburga-Krankenhauses: „Um wirtschaftlich arbeiten zu können, rechnen wir alle am Limit.“ Und Karsten Müller ergänzt: „Nicht benötigte Betten und nicht benötigtes Personal verursachen Kosten. Das versuchen die Krankenhäuser natürlich zu vermeiden.“ Noch im Oktober 2013 habe die Rettungsleitstelle die Situation mit den Krankenhausverwaltungen erörtert und darauf hingewiesen, dass die Akutkrankenhäuser eine Versorgungspflicht haben.

Er betont aber auch, dass die Situation zurzeit nicht dramatisch sei. „Vor zwei Jahren war das anders, da gab es mal NRW-weit keine Intensivbetten mehr.“ Außerdem, so lobt er, laufe die Zusammenarbeit trotz des Konkurrenzkampfes unter den Häusern konstruktiv. Das habe er in anderen Regionen auch schon anders erlebt.

Ute Tolksdorf

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Bildgalerie
Fotostrecke
Stadtfest in Meschede
Bildgalerie
Diaschau
article
10267794
Krankenhaus Meschede: „Wir arbeiten alle am Limit“
Krankenhaus Meschede: „Wir arbeiten alle am Limit“
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/krankenhaus-meschede-wir-arbeiten-alle-am-limit-id10267794.html
2015-01-24 08:00
Nachrichten aus Meschede, Eslohe, Bestwig und Schmallenberg