Kirchenführung durch St. Walburga Meschede

Kirchenführung mit Wolfgang Wiese.
Kirchenführung mit Wolfgang Wiese.
Foto: Miriam Geck
Drei Samstagvormittage in den Sommerferien sind in Wolfgangs Wieses Terminkalender bereits fest terminiert. Dann führt der ehemalige Lehrer durch die Pfarrkirche St. Walburga.

Meschede..  Drei Samstagvormittage in diesen Sommerferien sind in Wolfgangs Wieses Terminkalender bereits fest terminiert. Dann führt der ehemalige Lehrer, der noch an der Franz-Stahlmecke-Schule unterrichtete, durch die Pfarrkirche St. Walburga.

Wiese fühlt sich mit der Kirche eng verbunden. Seit 70 Jahren lebt er in Meschede. „Ich bin mit der Kirche groß geworden, dort selbst 1950 zur Kommunion gegangen und habe hier später geheiratet“, berichtet der alteingesessene Mescheder.

Seine Verbundenheit und der gute Kontakt zu Pastor i.R. Robert Beule motivieren ihn, die Kirchenführungen aufrecht zu erhalten. Denn das sei immer ein großes Anliegen von Pastor Beule gewesen. „Seit 2002 habe ich ihn bei den Führungen vertreten, aber vor drei Jahren hat er die Aufgabe wegen seines Alters komplett übertragen.“

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Auch seine heutige Kirchenführung mit einer Kleingruppe beginnt Wolfgang Wiese nach Beules Traditionen draußen am „Kleinen Welttheater“. Er präsentiert das Kunstwerk: „Der Brunnen zeigt die Stationen des Lebens von der Kindheit, Jugend und bis ins hohe Alter.“ Zudem sind die Mescheder Gewässer Henne und Ruhr darauf abgebildet.

Als nächstes strecken die Teilnehmer ihren Kopf weit nach hinten in den Nacken, um zum Kirchturm hin­auf zu blicken. Der Turm ist mit den Mauern der älteste Teil der Kirche und er trägt die Aufschrift Walburgis ora pro nobis. „Das bedeutet: Walburga bitte für uns“, übersetzt Wiese.

Himmlisches Jerusalem

Allmählich begibt sich die Gruppe mit ihrem Führer aus der Sommersonne heraus in das Innere der Kirche, wo sie kühle, angenehme Luft erwartet. Teilnehmer, die erstmalig die Walburga-Kirche betreten, können die aufwändige Deckenmalerei bestaunen, die der Umbau von 2003 möglich machte.

Wolfgang Wiese erläutert: „Das ist der Verdienst eines Künstlers aus Essen und für ihn mussten die Pfeiler weiß und die Deckenmalerei bunt sein.“ Der Hintergrund: Weiße Pfeiler stehen für ein irdisches, einfaches Menschentum, das zu einem himmlischen Jerusalem führt. „Ich konnte es nach der einjährigen Schließung der Kirche damals kaum erwarten, dass sie mit dem Walburgafest wieder geöffnet wurde“, erinnert sich Wiese.

Anschließend nimmt die Gruppe die sehenswerten Elemente wie den Taufstein und das Holzmodell, das die ursprünglichen Kirche aus dem Jahr 900 zeigt, im Bereich der „Beule“ auf, um sich danach eine Etage tiefer zu begeben.

Der Besuch in der Krypta steht jetzt an, und da ist das Interesse der Teilnehmer besonders groß. „Krypta bedeutet griechisch verborgen und dadurch, dass viele Leute darüber nicht Bescheid wissen, verpassen sie das Wichtigste“, unterrichtet Wolfgang Wiese seine Gruppe. Unten in der Krypta liegt das Kultgrab der heiligen Walburga mit Ersatzreliquien und der Altar mit Reliquien von Edith von Stein und Marcel Callo.

Die Gruppe zieht weiter durch die schmalen, engen Gänge der Krypta und Wolfgang Wiese als Kenner der Kirche warnt: „Vorsicht, stoßen Sie sich nicht den Kopf, die Decken sind niedrig hier.“ Eine nächste verschlossene Tür wird von ihm mit einem Schlüssel geöffnet.

Originalkrüge 1965 entdeckt

Dahinter verbirgt sich die alte Choranlage, die 1965 freigelegt wurde. Dabei kamen Originalkrüge und der Altar zum Vorschein. Eine Treppe auf der anderen Seite der Krypta führt zurück nach oben in die Kirche und auch jetzt haben die Teilnehmer noch nicht genug gesehen, denn der krönende Abschluss ihrer Kirchenführung liegt in der Besichtigung der Schatzkammer, zurzeit befindet sie sich noch neben dem Jugendheim.

Abriss im nächsten Jahr

„Ein Abriss dieses Gebäudes ist im nächsten Jahr geplant, die Pläne liegen vor und wir hoffen, dass es nicht so aufgeschoben wird, wie die Baumaßnahme am Hertiehaus“, scherzt Wolfgang Wiese. Die Teilnehmer sind sehr gespannt, als der Gruppenleiter die schwere Eisentür zur Schatzkammer öffnet, denn es dauert, bis er das Schloss entriegelt und die Kurbel der Tür gedreht hat. In der Schatzkammer befinden sich - sicher verwahrt - die Originale der Krüge sowie das Grundkreuz vom Früchtekreuz mit den Original-Reliquien.

Kelche und Münzschätze

Des weiteren bestaunen die Teilnehmer in der Schatzkammer alte Messgewänder, eine Madonna, verschiedene Kelche und Münzschätze. Beeindruckt und mit sehr viel Wissenswertem über die Pfarrkirche verlassen alle die Schatzkammer. Wolfgang Wiese erklärt abschließend: „Durch den Abriss des Jugendheimes muss die Schatzkammer im nächsten Jahr von ihrem ursprünglichen Ort weichen.“ Es sei aber Pastor Beules Wunsch, sie weiter zusammen mit der Kirchenführungen zu zeigen. „Das wird erfüllt“ sagt Wiese. Aber der zukünftige Ort der Schatzkammer soll vorerst ein Geheimnis bleiben.