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„Keine weiteren Altenheime“

31.01.2012 | 18:10 Uhr
„Keine weiteren Altenheime“
Die meisten alten Menschen wollen in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben. Der Seniorenbeirat Meschede will sich dafür einsetzen.

Meschede.Pflege und Wohnen im Alter - das waren die bestimmenden Themen des Seniorenbeirats in den vergangenen Jahren. Jetzt steht ein großes Projekt vor der Umsetzung, das beide Themen vereint: der Bau von barrierefreien Wohnungen mit der Siedlungs- und Baugenossenschaft im Rinschen Park.

„Alte Menschen haben grundsätzlich keine anderen Wohnbedürfnisse als junge, aber sie verbringen eben viel mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden - rund 80 Prozent“, erläutert Hermann Werthmann vom Vorstand des Seniorenbeirats. „Auch wenn sie gebrechlich werden, wollen sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben.“

Ein wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel müsse es sein, die Pflegekosten für die Kommunen so niedrig wie möglich zu halten, argumentiert Manfred Breider, der Vorsitzende des Seniorenbeirats. „In der Vergangenheit hat man sich stets für den Bau von Alten- und Pflegeheimen entschieden“, sagt er energisch. „Wir treten mit dem Ziel an, dass hier kein Altenheim mehr gebaut wird.“

Hermann Werthmann ist dazu aufs Bielefelder Modell gestoßen. Ein Konzept, das sich der Seniorenbeirat auch hier vorstellen kann. „Dort leben alte und junge Menschen zusammen.“ Das Besondere: Der Träger bietet Versorgungssicherheit, ohne von seinen Mietern eine Betreuungspauschale zu verlangen. Und das zu bezahlbaren Preisen.

Ein weiteres Thema zum Wohnen im Alter ist der Rückbau: Der Seniorenbeirat hat die Stadtverwaltung aufgefordert ein Kataster zu erstellen, das zeigt, welche Häuser in den kommenden zehn Jahren leer stehen werden. Auch für deren Abwicklung müsse es Pläne geben. Breider: „Nach dem Krieg haben wir sozialen Wohnungsbau betrieben. Jetzt brauchen wir einen sozialverträglichen Rückbau.“ Viele Alte blieben allein in ihren Häusern übrig. Man müsse ihnen helfen, die Immobilie zu veräußern und Alternativen zu finden. „Wir können diese Menschen doch nicht allein lassen!“

Die Entscheidung des Stadtrats, Rinschen Park nicht meistbietend zu veräußern, sondern dort ein Wohnprojekt zu realisieren, bezeichnet Breider in diesem Zusammenhang als „wegweisend“. Und die Siedlungs- und Baugenossenschaft, in der alle Genossen ein lebenslanges Mietrecht genießen, wäre für ihn ein idealer Partner. „Die Verträge sind aber noch nicht geschlossen“, schränkt er ein.

Ein paar Fakten sind schon bekannt: So rechnet der Seniorenbeirat mit 30 bis maximal 40 Mietwohnungen, die 45 bis 65 Quadratmeter groß sein werden. Ihr Mietpreis soll zwischen 4 und 8 Euro liegen, es wird nicht über drei Geschosse gebaut und es sollen drei Gruppen dort einziehen: Senioren, Frauen (Beginenhof) und Studenten. Man müsse nun, so Breider, einen Verein gründen, der das Belegungsrecht und die gegenseitigen Hilfen organisiert.

Langsam müsse sich dann auch herauskristallisieren, wer dort wirklich einziehen will. Breider: „Der Zug fährt vor und man wird einmal gebeten einzusteigen.“ Breider vermutet, dass schon Ende 2013 alle Wohnungen vermietet sind, „auch wenn bis dahin noch kein Stein verbaut sein sollte.“ Manfred Breider wirkt zufrieden: „Wir sind alle sehr gespannt, wo wir landen, aber wir haben den Ehrgeiz, etwas Anspruchsvolles auf die Beine zu stellen.“

Der Seniorenbeirat der Stadt Meschede lädt ein zu einem Auftaktgespräch zur Bildung einer Interessengemeinschaft Wohnanlage Rinschen Park. Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 2. Februar, um 19 Uhr im „Bürgerzentrum Alte Synagoge“ (Kampstraße).

Ute Tolksdorf

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