Kein Bezug zu einem Eroberer

Namensgebung als unerhörte Provokation..  Nachdem ich den Leserbrief von Herrn Frick diagonal überflogen habe, ist mir eine Lebensweisheit von unserem ersten Bundeskanzler, Konrad Adenauer, in den Sinn gekommen. Er hatte mal gesagt: „Ich bin wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich.” Als ehrenamtlicher Dialogbeauftragter der Mescheder Moschee würde es mir in Gänze reichen, wenn ich die Wikipedia-Pauschalisierungen von Herrn Frick mit dem obigen Zitat beantworten würde.


Doch als Lehrer und Fachleiter habe ich die Verantwortung, den Behauptungen von Herrn Frick sachlich und fachlich entgegenzutreten. So erlaube ich mir an dieser Stelle ein paar Erläuterungen:
1. Der offizielle Name der Mescheder Moschee lautet seit ihrer Gründung, sprich seit 1984, „Türkisch-Islamische Gemeinde zu Meschede e.V.” (siehe dazu: Vereinsregister Amtsgericht Meschede).


2. Der Beiname der Mescheder Moschee lautet „Fatih”. Hierbei handelt es sich um ein arabisches Wort, welches im Deutschen „derjenige, der offenlegt“ bedeutet. Im originären Sinne versteht sich das Wort „Fatih“ als ein Attribut Gottes und stellt keinen Bezug zu irgendeinem Eroberer dar. Die Mescheder Muslime wollen mit diesem Beinamen lediglich ihre Offenheit darlegen (siehe dazu: Muhammad Asad; Die Botschaft des Koran, Übersetzung und Kommentar, S. 286) .


3. Der schiefe Vergleich zwischen Grundgesetz (Staatlichem Recht) und Koran (Islamischem Recht) ist unhaltbar. Schließlich ist das Grundgesetz, wie es einmal Gustav Heinemann formuliert hat, ein großes Angebot bzw. eine Aufforderung, das Gemeinwesen aktiv mitzugestalten. Im Klartext sind die Gesetze als Garant für die Legitimität und Qualität der staatlichen Ordnung zu verstehen. Der Koran, die Bibel sowie der Tanach dagegen stellen je nach religiöser Überzeugung transzendente Angebote dar, die nach Artikel 4 des GG nicht nur erlaubt, sondern auch verbrieft sind. Insofern ist es in Deutschland total legitim sowohl Bürger als auch Muslim, Christ oder Jude zu sein.
4. Die Anspielungen von Herrn Frick hinsichtlich der Existenz einer „islamischen Gerichtsbarkeit in Deutschland” sind weithergeholte Assoziationen, die es sicherlich im Bereich der Bistümer in Form kirchlicher Arbeitsgerichte schon längst gibt. Doch Muslime klären ihre juristischen Angelegenheiten prinzipiell vor gerichtlich-amtlichen Instanzen der BRD.


5. Herr Fricks Äußerungen zur Eroberung Istanbuls erwecken den Eindruck, als ob alle anderen Eroberungskriege des Mittelalters in Form einer friedlichen Übergabe stattgefunden hätten. Dem ist aber nicht so. Denn aus Standardwerken der Geschichtswissenschaften geht eindeutig hervor, dass fast jeder Eroberungszug, egal ob muslimisch oder christlich, von Gewalt und Plünderung geprägt war.


Dr. Ahmet Arslan