Kaplan Fischer - ein starker Charakter

Meschede..  Die Geschichte unserer Stadt lebt auch von Persönlichkeiten mit starkem Charakter. So jemand war Kaplan Norbert Fischer. 1824 in Balve geboren, wurde er 1848 zum Priester geweiht. Im selben Jahr erhielt er eine Anstellung als Schulvikar und Kaplan von Meschede.

Abgesehen von seinem wirklich seelsorgerischen Beruf, seinem geraden und einfachen Wesen, zeichnete ihn auch die Natur- und Heimatverbundenheit aus. Immer wieder sehnte er sich in seiner Verfolgungszeit nach Meschede zurück. Auf seinen Pilgerfahrten vergleicht er die orientalischen Landschaften mit den schönen Idyllen des Sauerlandes.

Kaplan Fischer hat in seiner Zeit an allen Entwicklungen in Meschede regen Anteil genommen. Er half mit bei der Gründung des Krankenhauses 1852, ließ in den Jahren 1868/69 den Kreuzweg zur Klause erneuern und 1870 die Oelbergkapelle, am Anfang des Kreuzweges, erbauen.

Was ihn zur geschichtlichen Persönlichkeit gestempelt hat, was ihn besonders an Meschede und die Mescheder Bürger an ihn gebunden hat, was ihn als Charakter voll­endete, das war die Zeit des Kulturkampfes. Kaplan Fischer kam, wie viele katholische Geistliche, mit den Maigesetzen in Konflikt und wurde 1874 zweimal mit Gewalt aus Meschede fortgebracht. Die letzte Ausweisung dauerte bis 1880.

Kaplan Fischer trat eine Pilgerreise nach Palästina und Rom an. Nach seiner geheimen Rückkehr wanderte er, mal als Reisender, mal als Vieh- oder Holzhändler verkleidet von Ort zu Ort, um in den verwaisten Gemeinden den Gläubigen Hilfe und Priester zu sein. Die Lebensgeschichte, die am 19. Mai 1900 endete, ist die Wiedergabe eines aufregenden Priesterlebens.
Archiv Bernd Schulte