Kampf gegen die Drogensucht

Einen Joint wollen die beiden jungen Männer nicht mehr anrühren – auch wenn sie das nach der Entlassung aus der Klinik  womöglich viel Kraft kosten wird.
Einen Joint wollen die beiden jungen Männer nicht mehr anrühren – auch wenn sie das nach der Entlassung aus der Klinik womöglich viel Kraft kosten wird.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Patienten der Fachklinik Fredeburg erzählen von ihrer Cannabis-Abhängigkeit und warnen vor einer möglichen Legalisierung.

Bad Fredeburg..  Zigaretten, Alkohol, dann Cannabis, später sogar Amphetamine und Kokain – obwohl Luca S. und Ahmet E. erst Anfang 20 sind, haben sie schon eine lange Drogenkarriere hinter sich. Die beiden jungen Männer haben sich in der Fachklinik Fredeburg kennengelernt, wo sie momentan in Therapie sind.

Um sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und andere Jugendliche vor einem ähnlichen Weg zu warnen, haben sie gemeinsam einen mutigen Schritt gewagt: Vor einer Klasse der Erich-Kästner-Realschule haben sie über ihre Sucht berichtet.

Mittel gegen Einsamkeit

Als der Moment dann endlich gekommen ist, sitzt Luca mit unruhig wippenden Beinen vor rund 30 Jungen und Mädchen. „Bei mir fing das alles schon früh an, ungefähr in der 5. Klasse – da haben wir vor dem Unterricht oft Bier getrunken“, sagt er. Mit 13 hat er dann zum ersten Mal Cannabis konsumiert und ist nicht mehr davon losgekommen. Während der restlichen Schulzeit und auch während seiner Ausbildung zum Werkzeugmechaniker hat er fast jeden Tag zum Joint gegriffen.

Stolz ist er darauf längst nicht mehr. Er hat oft die Schule geschwänzt, später seine Freundin verloren und die Ausbildung abgebrochen. Und nicht nur das: Um seinen Cannabiskonsum zu finanzieren, hat er seine Eltern beklaut und noch dazu rund 15 000 Euro an Schulden angehäuft. „Ich konnte nicht mit Stress und Enttäuschungen umgehen und habe alle Probleme in mich hineingefressen“, sagt er. „Auch zu Hause habe ich mich nicht mehr wohl gefühlt . Als sich dann auch noch meine Freundin von mir getrennt hat, blieb mir in der Einsamkeit nur das Cannabis.“ Irgendwann habe der Drogenkonsum dann seinen gesamten Alltag bestimmt.

„Irgendwann kam meine jüngere Schwester nachts weinend in mein Zimmer und hat gesagt, dass sie sich Sorgen um mich macht“, erzählt Luca. Erst danach habe er eingesehen, dass er ein Drogenproblem habe und sich an einen Arzt gewandt. Es folgten eine Entgiftung und die Einweisung in die Fachklinik. Dort lebt er seit 18 Wochen, in fünf Wochen steht die Entlassung an.

In der Abwärtsspirale

In der Klinik hat Luca den 21-jährigen Ahmet kennengelernt. Beide teilen eine ähnliche Geschichte. Ahmets Drogenkarriere begann allerdings erst mit 16 und führte vom Cannabis schnell zu Kokain. „Es hat mir so gut gefallen, weil ich so Probleme verdrängen konnte“, sagt er. Allerdings nur scheinbar – die Probleme und es kamen neue hinzu. Auch er hat mehr als 10 000 Euro an Schulden gemacht und ist in die Beschaffungskriminalität abgerutscht. Einige Verfahren gegen ihn laufen noch.

Während der Therapie versuchen Beide, den Weg zurück in einen geregelten Alltag ohne Drogen zu finden. Im Sommer wollen sie ihre Ausbildungen beginnen beziehungsweise abschließen. Von einer möglichen Legalisierung von Cannabis halten sie nichts. „Das wäre für mich das Schlimmste, weil ich wahrscheinlich schnell wieder in alte Muster verfallen würde“, sagt Luca.