Jetzt nur nicht in Flugangst verfallen

Mitarbeiter von Germanwings, Lufthansa, Flughafenangestellte und Passagiere gedenken am  in einer Schweigeminute den Opfern des abgestürzten Germanwing-Flugzeug.
Mitarbeiter von Germanwings, Lufthansa, Flughafenangestellte und Passagiere gedenken am in einer Schweigeminute den Opfern des abgestürzten Germanwing-Flugzeug.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Geschockt war Andreas Mieslinger, früherer Pilot bei Eurowings auch, als er vom Absturz der Germanwings-Maschine über Frankreich erfuhr. Das Fliegen hält er jedoch weiterhin für vollkommen sicher.

Meschede.. Andreas Mieslinger war bis 2004 Pilot bei der Eurowings in Dortmund, dem Mutterunternehmen von Germanwings. Seit mehr als 50 Jahren ist der gebürtige Bayer auch als Fluglehrer tätig, unter anderem seit 1969 beim Luftsportvereinigung in Schüren. Wir sprachen mit dem 75-jährigen Mescheder über den Germanwings-Absturz über Frankreich.

Es gibt ohnehin Menschen mit Flugangst. Was können Sie denen sagen, die in den nächsten Tagen, beispielsweise während der Osterferien, in den Urlaub fliegen?

Sie sollten sich keine Sorgen vor dem Flug machen, das ist vollkommen unbegründet. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass in der nächsten Zeit noch einmal so ein Unglück geschieht? Ich kenne eine Rate von 1 zu 19 Milliarden, bis ein Passagier tödlich verletzt wird. Nennen sie mir ein anderes Verkehrsmittel, das so sicher ist.

Jetzt ist aber so ein Unfall geschehen, der die Menschen verunsichert.

Ja, aber um es salopp zu formulieren: Dann müsste man sich daheim nur noch einschließen, dann würde einem nichts mehr passieren. Ein Spaziergang im Wald ist gefährlicher. Da werden Menschen regelmäßig von Ästen und Bäumen getroffen und danach wird irrational alles entbaumt. Man vergisst das Lebensrisiko und die Geschichte vom Igel und Hasen. Endgültige Sicherheit gibt es einfach nicht!

Hatten Sie während Ihrer aktiven Zeit nie brenzlige Situationen?

Keine, die nicht beherrschbar gewesen wären. Einmal ist unser Flugzeug trotz strahlenden Sonnenscheins von einem Hagelschauer getroffen worden, die Flügel waren an den Stirnflächen verbeult und wurden ausgetauscht. Meine Erfahrung war übrigens immer: Je schlimmer das Wetter, desto schöner waren unsere Landungen, weil unsere Konzentration maximal war.

Wie haben Sie persönlich die Nachricht von den Germanwings-Absturz aufgenommen?

Wenn so ein komplex und so sicher konstruiertes Flugzeug wie ein Airbus abstürzt, dann hat mich das natürlich geschockt.

Die Ursache wird untersucht. Haben Sie einen Vorstellung davon, was zum Absturz der Maschine geführt haben könne?

Zurzeit ist alles Spekulation. Man kann davon ausgehen, dass der Sinkflug bewusst eingeleitet wurde. Ein Airbus steuert nicht von allein nach unten. Gutes Wetter herrschte auch, die Piloten hätten also den Berg vor ihnen gesehen - wenn sie denn bei Sinnen waren. Es gibt diese Diskussion um verunreinigte Atemluft, die dadurch entstehen kann, wenn Öl in den Triebwerken verdampft und Dichtungen defekt sind. Dadurch kann CO2 in die Atemluft gelangen und zu einer Vergiftung führen. Es ist aber auch ein hinterhältiger Sabotage-Anschlag mittels Chlorgas denkbar. Aber: Noch ist der Fall rätselhaft. Er wird sich aber aufklären.