Jagdfreie Zone in Eslohe

Hier soll nicht mehr geschossen werden - das will eine Esloherin auf ihren Grundstücken durchsetzen. Und das unverzüglich. Der Kreis will zumindest das Auslaufen der Jagdpachtverträge im Jahr 2020 abwarten.
Hier soll nicht mehr geschossen werden - das will eine Esloherin auf ihren Grundstücken durchsetzen. Und das unverzüglich. Der Kreis will zumindest das Auslaufen der Jagdpachtverträge im Jahr 2020 abwarten.
Foto: dpa
  • Eigentümer müssen Gewissensentscheidung belegen können
  • Ziel einer flächendeckenden Jagd in NRW darf nicht gefährdet werden
  • Erbschaften verändern das Gefüge im ländlichen Raum, so die Kreisjägerschaft

Eslohe..  Kreissprecher Jürgen Uhl spricht selbst von „einem exotischen Fall“. Um den wird sich nach den Sommerferien das Verwaltungsgericht Arnsberg kümmern müssen. Das Gericht muss dann entscheiden, ob Jäger die Grundstücke einer Esloherin weiterhin betreten dürfen oder nicht. Die Esloherin will das nicht mehr: Sie will ihre Grundstücke befriedet sehen, dort soll keine Jagd mehr stattfinden. Der Kreis dagegen sagt, sie müsse sich an geltende Verträge halten.

Moralische Fragen berücksichtigen

Es ist ein neues Phänomen, die Möglichkeit, Land zu jagdfreien Zonen zu machen. Französische Kläger hatten das 1999 durchgesetzt: Es verstoße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, wenn Grundstückseigentümer verpflichtet würden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd zuzulassen – obwohl das ihrer eigenen Ethik widerspreche. 2012 hat der Gerichtshof die Umsetzung seines Urteils in nationales Recht festgelegt. Seit 2013 greift das Bundesjagdgesetz diese Vorgaben auf. Und allmählich macht sich das jetzt vor Ort bemerkbar. Wie in Eslohe.

Bislang gilt auch in NRW grundsätzlich eine flächendeckende Jagd. Der Europäische Gerichtshof lässt aber jetzt Ausnahmen zu. Jürgen Uhl von der Kreisverwaltung bestätigt diese gewünschte Ausnahme in Eslohe: Eine Grundstückseigentümerin aus der Gemeinde möchte nicht mehr, dass Jäger ihre zehn bis zwölf Hektar großen Grundstücke betreten. Sie macht dafür ethische Gründe geltend – welche, sagt die Kreisverwaltung nicht. Der Europäische Gerichtshof legt strenge Anforderungen an die Ernsthaftigkeit dieser Gewissensentscheidung, etwa durch eidesstattliche Versicherungen oder Nachweise eines langen aktiven Engagements im Tierschutz. Durch diese gewissenhafte Prüfung soll das grundsätzliche Ziel einer flächendeckenden Jagd nicht gefährdet werden. Akzeptiert aber werden muss zum Beispiel auch, wenn ein Antragsteller ein überzeugter Veganer ist, der das Töten von Tieren ablehnt.

Gefüge ändert sich durch Erbschaften

Im Fall der Esloherin allerdings hat die Kreisverwaltung eine andere rechtliche Einschätzung: Für ihre betroffenen Flächen läuft noch bis zum Jahr 2020 der Jagdpachtvertrag. „Das Auslaufen des Vertrages ist der Esloherin zuzumuten“, sagt Jürgen Uhl. Es müssten ansonsten „unzumutbare Gründe“ vorliegen, die eine sofortige Befriedung der Grundstücke zulassen könnten. Diese Gründe sieht die Kreisverwaltung nicht. Darüber muss nun das Verwaltungsgericht entscheiden.

Die Jäger im Kreis sind über den Fall informiert, sie gehören dem Jagdbeirat an. Es habe schon einzelne Befriedungen gegeben, denen stattgegeben wurde, sagt Christoph Bernholz aus Eslohe, Vorsitzender der Kreisjägerschaft im Hochsauerlandkreis: „Die Befriedung war unkompliziert“, immer handelte es sich aber auch um sehr kleine Parzellen von wenigen Hektar. „Aus praktischer Sicht ist das eine Katastrophe“, sagt er grundsätzlich zur Befriedung von Grundstücken: Wie zum Beispiel soll ein Jagdhund bei einer Jagd begreifen, dass er bei der Verfolgung eines Tieres an einer unsichtbaren Grenzlinie Halt machen solle?

Entsteht durch die Befriedung von Grundstücken also ein Flickenteppich bei der Jagd? „Da sind wir noch lange nicht“, meint Bernholz, „im HSK schon gar nicht“. Zu den veränderten rechtlichen Grundlagen sagt er, die Jäger würden sich daran halten: „Man muss akzeptieren, wenn sich Gesellschaften ändern.“ Durch Erbschaften ändere sich das Gefüge: „Es gibt immer mehr Leute, wo die Vorfahren aus der Land- und Forstwirtschaft kamen, aber die selber keinen Bezug mehr dazu haben.“ Im Fall der Esloherin stellt er sich auf die Seite der Verwaltung: „Es gibt ja geltende Verträge.“