Jäger und Naturschützer sind uneinig über den Wolf

Kommt der Wolf zurück in die Region?
Kommt der Wolf zurück in die Region?
Foto: Getty Images
Menschen müssen keine Angst vor dem Wolf haben, sagen Sauerländer Jäger und Naturschützer. Da hört die Gemeinsamkeit aber schon auf.

Meschede.. Der Wolf ist in NRW angekommen. Er wurde vor kurzem im ostwestfälischen Lübbecke gesichtet und wird früher oder später auch das Sauerland erreichen. Da sind sich die Experten einig. Doch Freude darüber, dass das Raubtier in heimische Wälder zurückkehrt, empfinden längst nicht alle. Christoph Bernholz, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Hochsauerlandkreis, bemängelt vor allem die unzureichende Aufklärung der Bevölkerung. Werner Schubert, Leiter der Biologischen Station in Bödefeld und Wolfsberater, sieht hingegen aktuell keinen Bedarf.

„Da wir nicht wissen, ob der Wolf morgen oder in drei Jahren im Sauerland ankommt, müssen wir jetzt wohl noch nicht großflächig informieren“, findet Schubert. Er ist ausgebildeter Wolfsberater und somit vor Ort Ansprechpartner, insbesondere für möglicherweise besorgte Schafhalter. „Wir haben ein Herdenschutz-Set mit hohen, stabilen Schafsnetzen, einer Kamera, Batterien und einem Schlaggerät. Sollte ein Wolf in der Nähe gesichtet werden oder bereits nachweislich ein Schaf gerissen haben, kommt dieses Set sofort zum Einsatz und der finanzielle Verlust wird von der Landesregierung ersetzt“, erklärt Schubert.

Masterplan gefordert

Bernholz reichen diese praktischen Vorkehrungen nicht. „Wir brauchen einen Masterplan. Damit können wir nicht erst anfangen, wenn der Wolf da ist. Man darf sich nicht blauäugig darüber freuen, dass ein wildes Raubtier zurückkehrt. Der Wolf im heimischen Wald wird einige Veränderungen mit sich bringen, auf die die Gesellschaft nicht vorbereitet ist“, sagt er. Bernholz befürchtet, dass der Wolf im eng besiedelten NRW seine Scheu vor dem Menschen gänzlich verlieren und sich auch in Siedlungen bewegen könnte. „Problematisch wird es dann, wenn Haus- und Nutztiere gerissen werden: ein Hund, der sich im Wald verlaufen hat, eine Katze, die zu große Kreise zieht, oder ein junges Pferd – um mal nicht von den Schafen zu sprechen, die bekanntermaßen im Beuteschema des Wolfs liegen“, beschreibt er.

Dass der Wolf dem Menschen selbst gefährlich werden könnte, glauben Schubert und Bernholz beide nicht. „Wir sind für den Wolf gefährlicher als er für uns. Es gibt keinen ernstzunehmenden Nachweis darüber, dass ein Wolf einen Menschen angegriffen hat. Er ist an sich hochgradig scheu und könnte höchstens, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt, wie ein Hund, verteidigend agieren“, beschreibt Schubert das Verhalten. Er befürchtet eher, dass der Wolf es schwer haben könnte sich auszubreiten, da er überfahren oder doch erschossen werden könnte, obwohl er gar nicht im Jagdrecht steht.

Unmut der Jäger

Dass er dort aufgenommen wird, dafür hatten sich Jäger eingesetzt. „Ich habe schon von Jägern gehört: ,Mitfresser, die nicht zahlen, brauchen wir hier nicht’. Dabei sollten die Jäger, die sich gern als Ersatz für Wolf, Luchs und Bär sehen, doch froh sein, dass sie wieder weniger arbeiten müssen“, sagt Schubert.

Allerdings vermutet er, dass die Rehe sich weiter zurückziehen und dann für die Jäger schwieriger zu schießen wären. Darin könne ein gewisser Unmut der Jäger begründet liegen. Schubert ist sich jedoch sicher, dass der Wolf „wie jeder Beutegreifer auch seine Nahrungstiere nicht ausrotten wird. Er wird natürlich einige Tiere aus der großen Population nutzen - so wie der Jäger übrigens auch.“

Bernholz hingegen fürchtet um die Mufflons, die evolutionsbedingt keinen Fluchtinstinkt vor Wölfen hätten und deshalb sogar ausgerottet werden könnten, da der Wald auch nicht unbegrenzt viele Wölfe vertrage. „Deshalb brauchen wir ein Konzept, und es muss eindeutig mehr Aufklärungsarbeit betrieben werden, damit die Menschen sich selbst eine Meinung darüber bilden können“, fordert Bernholz.

Bislang ist von der Landesregierung keine aufklärende Kampagne geplant. Es gibt jedoch vereinzelte Gruppierungen, die Ideen zum Umgang mit dem Wolf entwickeln.

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