Initiative „Spurwechsel“ hilft bei Studienabbruch

Ulrich Haselhoff (Agentur für Arbeit), Sebastian Rocholl (IHK), Meinolf Niemand (Handwerskammer Südwestfalen), Klaus Bourdick (IHK), Oliver Schmale (Agentur für Arbeit) und Verena Kurth wollen Studienabbrecher unterstützen.
Ulrich Haselhoff (Agentur für Arbeit), Sebastian Rocholl (IHK), Meinolf Niemand (Handwerskammer Südwestfalen), Klaus Bourdick (IHK), Oliver Schmale (Agentur für Arbeit) und Verena Kurth wollen Studienabbrecher unterstützen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
IHK, Handwerkskammer und Agentur für Arbeit: Karriere anders denken.

Meschede..  Bologna-Reform und demografischer Wandel: Die Zahl der Fachkräfte in der Region ist in zweifacher Hinsicht betroffen. Es gibt immer weniger junge Menschen pro Jahrgang und davon beginnen immer mehr ein Hochschulstudium – über die Hälfte. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Studienabbrecher:

Mehr als jeder vierte Bachelorstudent verlässt Uni oder FH ohne Abschluss. Besonders betroffen sind Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Beinahe jeder Dritte gibt in diesen Fächern laut einer Studie des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung auf. Im Hochsauerland wird nun ein Netz gespannt, um diese jungen Menschen aufzufangen.

Die beteiligten Partner: Industrie- und Handelskammer (IHK) Arnsberg Hellweg-Sauerland, Handwerkskammer Südwestfalen und Agentur für Arbeit Meschede-Soest. „Wir schaffen ein vernetztes Beratungsangebot für Studienabbrecher und zeigen sämtliche Alternativen zu akademischen Berufen in der Region auf“, sagt Oliver Schmale, Leiter der Agentur für Arbeit. „Es gibt einen zentralen Einstiegspunkt“, präzisiert Klaus Bourdick (IHK): Die jungen Leute müssen nicht mehr überlegen, welche Institution für sie die richtige ist – egal zu welchem der Partner sie gehen, es wird ihnen weitergeholfen.

Hotline in der ersten Ferienwoche


Die Zielgruppe: Studienabbruch ist nicht gleich Studienabbruch. Wer von Mathe zu Chemie wechselt, fällt genauso darunter wie ein Student, der von Siegen n natürlich nicht gemeint. Sondach Paderborn geht – die sindern diejenigen, die ohne Immatrikulation, ohne Abschluss oder Ausbildung dastehen.

Aber: „Ein Studienabbruch ist nie nur Scheitern“, sagt Berufsberater Ulrich Haselhoff. „Sondern Chance auf einen Neuanfang. Viele Wege führen zum Erfolg“, bestätigt Klaus Bourdick, eben eine andere Spur. Eine Karriere führe nicht zwangsläufig über einen akademischen Grad. Das suggeriere das allgemeine Bildungsideal zwar, „aber es kann nicht jeder Chef werden.“ Für eine Voll-Akademisierung sei der Arbeitsmarkt nicht aufgestellt. Und es werden nach wie vor beispielsweise handwerkliche Qualitäten gesucht.

Die Ursachen: Sind individuell und vielschichtig. Manche ergreifen einen Beruf wegen der Chancen auf eine Stelle, ohne fachlich versiert zu sein. Andere sind schlecht informiert über Anforderungen eines Studiums, hatten zu schlechte Noten in einem Fach, können sich nicht motivieren oder bekommen während des Studiums finanzielle Probleme. All dies soll in der Beratung und Profilbildung der Initiative berücksichtigt werden. Schmale: „Wir holen die Betroffenen da ab, wo sie sind und geleiten sie in ein anderes System.“ Damit schließe die Initiative Lücken im Ausbildungssystem.

Die Unternehmen: Die Phase der Unsicherheit soll möglichst kurz gehalten werden, der Neueinstieg zügig erfolgen. Die Kammer-Vertreter geben sich optimistisch, dass die Betriebe Interesse an Studienabbrechern haben – denn sie suchten händeringend Fachkräfte. Und: „Eine Prüfung nicht geschafft zu haben heißt nicht, dass man nichts kann“, sagt Haselhoff. „Außerdem sind das erwachsene, reife Menschen – die aus Fehlern gelernt haben und nach unserer Beratung wissen, was sie wollen“, so Meinolf Niemand.