In Moschee die Muslime in deutsche Gesellschaft einbinden

Dr. Ahmet Arslan führt regelmäßig Schüler durch die Moschee.
Dr. Ahmet Arslan führt regelmäßig Schüler durch die Moschee.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In unserer Serie „Muslime in Meschede" stellen wir vor: Die Fatih Camii Moschee der DİTİB an der Jahnstraße.

Meschede.. „Fatih“ heißt eigentlich „Eroberer“. Das ursprüngliche arabische Wort bedeutet aber auch „Öffner“ oder „öffnen“. Laut Dr. Ahmet Arslan steht der Namenszusatz vieler DİTİB-Moscheen genau dafür: Offene Moschee.

Der umtriebige Dialogbeauftragte sorgt an der Jahnstraße dafür, dass die türkisch-islamische Gemeinde, zahlenmäßig größte in Meschede, tatsächlich offen ist: Neben zahlreichen Aktivitäten wie den Adventsessen, dem öffentlichen Fastenbrechen, Autorenlesungen oder gemeinsamem Kochen bietet er unermüdlich Moscheeführungen an.

Die Geschichte

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DİTİB) ist eine Einrichtung des türkischen Staats, die in Deutschland die Hoheit über ihr angeschlossene Moscheen hat. Die Imame werden an türkischen Hochschulen ausgebildet und einige Zeit nach Deutschland entsandt.

In Meschede beteten die türkisch-sunnitischen Muslime, vorwiegend in den 1970er-Jahren eingewanderte Gastarbeiter und ihre Nachkommen, ursprünglich in einer Baracke, später in einer Garage. Der Verein wurde in den 1980er-Jahren unter dem Dach der DİTİB gegründet. Die Gemeinde mietete ein Fachwerkhaus an der Arnsberger Straße – das der Gemeinde buchstäblich nicht standhielt: „Wenn sich 200 Muslime zum Gebet niederwerfen, wackelt das ganze Haus“, sagt Arslan grinsend. Ein größeres, repräsentatives – stabileres – Gebäude sollte her.

Die Moschee

Für den Geschmack von Ahmet Arslan hätte die Moschee an der Jahnstraße durchaus etwas kleiner – und damit kostengünstiger – ausfallen dürfen. Arslan würde sich mehr Mittel für Jugend-, Frauen- und Integrationsarbeit wünschen, statt Verbindlichkeiten abzubezahlen. Von 2001 bis 2008 wurde sie errichtet, das Gebäude umfasst neben den Gebetsräumen (der Raum für Männer und die Frauenempore werden getrennt betrachtet) Verwaltungs-, Freizeit- und Konferenzzimmer, einen Speisesaal und das Büro des Imams. Die 300 Mitglieder zahlen monatlich so viel an die Moschee, wie sie sich leisten können.

Der Glaube

Arslan spricht nicht analog zum Christentum von Konfessionen, sondern von theologischen Richtungen. „Die Grundlagen des Islam sind die sechs Glaubensartikel: Der Glaube an Gott, Engel und Propheten, heilige Bücher, Auferstehung und Vorsehung.“ Schiiten, von denen es in Meschede so gut wie keine gibt, zählen zudem das Imamat und Gerechtigkeit dazu. Daraus leiten sie den Anspruch ab, dass der religiöse Führer auch politisches Oberhaupt ist – Beispiel Republik Iran. Sunniten, vor allem in der türkischen Tradition des Kemalismus, trennen Religion und Staat.

Der Dialog

„Wir brauchen keine in Deutschland ausgebildeten Imame, sondern hier ausgebildete Dialogbeauftragte“, sagt Arslan. Imame seien Pfarrern vergleichbar: Sie sind zuständig für Gebete, Seelsorge, Trauerarbeit, Koranunterricht, die Freitagspredigt, vielleicht ein paar Erwachsenenkurse – für mehr, etwa Integrationsarbeit, reiche die Zeit auch gar nicht. „Regelmäßige Jugendarbeit können sie nicht auch noch stemmen“, sagt er und fordert, dass Dialogarbeit an den Unis gelehrt wird.

In Meschede übernimmt Arslan diese Arbeit, „irgendwer muss es ja tun.“ Sonntags trifft er sich mit Jugendlichen, bespricht mit ihnen aktuelles Geschehen und Glaubensfragen. „Wir wollen die Jugendlichen vor den Rattenfängern kriegen, sie in ihrer Lebenswirklichkeit abholen“, sagt er. Die Themen koppelt er an die Biografie des Propheten Mohammed – mit einem Comicbuch über das Leben des Religionsgründers. Übrigens nach islamischer Vorschrift: Das Gesicht des Propheten ist nicht zu sehen.

„Wir müssen jetzt die Grundlagen für eine Einbindung der Muslime in die Gesellschaft schaffen“, so Arslan. Andernfalls sei man zu einer passiven Rolle verdonnert. „Wir müssen uns nicht immer wieder von IS oder den Charlie-Hebdo-Attentätern distanzieren. Unsere Haltung bringen wir zum Beispiel jedes Jahr beim Schweigemarsch zum Ausdruck.“