Immer mehr Lehrstellen werden besetzt

Meschede..  „Die Schere schließt sich“, stellt Rainer Langer erfreut fest, Geschäftsleiter Operativ der Agentur für Arbeit Meschede-Soest: Die Lücke zwischen offenen Lehrstellen und jungen Menschen ohne Ausbildungsvertrag wird immer kleiner: 1858 Bewerber waren im März 2015 gemeldet, 121 Jugendliche oder 6,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Zwar gibt es immer noch mehr Ausbildungssuchende als offene Stellen – auf 80 Lehrstellen kommen 100 potenzielle Bewerber, 1013 aktuell. Allerdings prägt sich dieses Verhältnis sehr unterschiedlich aus, je nach Region und Branche. Im Raum Olsberg oder Schmallenberg zum Beispiel sind es in den dort stark vertretenen Hotel- und Gastronomiebetrieben vier bis fünf offene Lehrstellen, zwischen denen sich Jugendliche potenziell entscheiden können. Laut Michaela Berkenkopf, Teamleiterin U25, biete kaum eine Branche so schnelle Aufstiegschancen. Unbesetzt blieben auch oft Stellen im Handwerk.

Alternativen zum Traumjob bedenken

Die beliebtesten Berufsbilder unter jungen Menschen sind seit Jahren relativ unverändert: Ganz oben bei Mädchen rangiert Industriekauffrau, Verkäuferin und Kauffrau für Büromanagement. Bei den männlichen Bewerbern sind Industriemechaniker und -kaufmann sowie Kfz-Mechatroniker beliebt. Entsprechend kommen in diesen Top-Berufen 100 Bewerber auf 43 Stellen.

Berkenkopf rät dazu, flexibel zu bleiben: „Man sollte offen für andere Berufsfelder sein.“ Zumal es beispielsweise dem Industriemechaniker verwandte Berufszweige wie den Verfahrenstechniker oder Metallbauer für kleinere Betriebe gebe, die ganz ähnliche Anforderungen stellten. „Das hat kaum jemand auf dem Schirm.“ Ähnliches gelte für viele Berufe.

Asylsuchende bieten Potenzial

Diese „unbekannteren“ Berufe seien es, die der Fachkräftemangel treffen werde. „Bis 2020 haben wir knapp 20 Prozent weniger Schulabsolventen“, so Tanja Schubert, Teamleiterin Arbeitgeberservices.

Potenziale für die Region sieht die Agentur für Arbeit daher neben den Studienabbrechern vor allem bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund und Asylsuchenden. „Wir dürfen diese Gruppe nicht unberücksichtigt lassen.“ Begrüßenswert sei daher die Neuregelung, dass junge Flüchtlinge unabhängig vom Asylstatus arbeiten dürfen, wenn sie eine Lehrstelle vorweisen können. Michaela Berkenkopf: „Auch von der Arbeitgeberseite her werden wir sie brauchen, der Ausbildungsmarkt wird sich von allein nicht mehr decken. Und es dient der Integration der Immigranten.“