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Immer mehr Altenpfleger arbeiten freiberuflich

08.10.2012 | 21:00 Uhr
Immer mehr Altenpfleger arbeiten freiberuflich
Immer mehr Altenpfleger arbeiten freiberuflich. Vor allem, weil sie dann zufriedener sind.Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd

Meschede.  Freiberufliche Altenpflegerinnen? Ein Trend in der Branche: Seniorenheime buchen Springer, um bei dünner Personaldecke Ausfälle zu kompensieren. Auf der anderen Seite sind viele freiberuflichen Pfleger zufriedener mit ihrer Arbeit - weil sie bei den Bedingungen mitreden können. Ein Beispiel aus Meschede.

Nur 20 Stunden pro Woche. Oder eine Vollzeitstelle voller Nachtschichten, Wochenenddienste für einen Hungerlohn. Etwas anderes fand Ute Greffenius-Harm nicht, als die Altenpflegerin vor eineinhalb Jahren Bewerbungen schrieb. Eine Vollzeitstelle zum Tarifgehalt mit Zuschlägen für die Nächte, für Sonn- und Feiertage gab es in ihrer Heimat, dem Großraum Berlin, nicht.

Für so wenig Geld machte ihr die Arbeit keinen Spaß mehr. „Ich habe schon überlegt, ob ich überhaupt noch in der Altenpflege bleiben will“, erzählt die 47-Jährige. Bis sie eines Tages Kollegen kennen lernte, die freiberuflich arbeiteten. Als Springer, die immer dann von den Altenheimen gebucht werden, wenn ein Mitarbeiter für ein paar Wochen krank ausfällt. In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Die Häuser seien mittlerweile so knapp besetzt, dass sie solche Ausfälle nicht mehr mit ihrem Stammpersonal ausgleichen könnten, erzählt Patricia Drube vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.

„Ich hatte nichts zu verlieren“, erklärt Ute Greffenius-Harm, warum auch sie den Schritt gewagt hat und nun als Freiberufler in ganz Deutschland arbeitet. Mal für vier Wochen in Hannover, mal für zwei Monate in Heiligenhafen. Und derzeit für einen Monat in Meschede, im Bernhard-Salzmann-Haus.

300 Euro mehr im Portemonnaie

„Ich bin nun ein ganzes Stück zufriedener.“ Zum einen, weil sie besser verdient: 300 Euro mehr als zuvor als angestellte Pflegefachkraft habe sie am Monatsende im Portemonnaie, rechnet sie vor.

Zum anderen, weil sie über ihre Dienstpläne mitentscheiden kann. Acht Tage mit 10 Arbeitsstunden, danach vier Tage am Stück frei, höchstens zwei Wochenenden im Monat Dienst, das sind ihre Bedingungen an die Auftraggeber. Sonst nimmt Ute Greffenius-Harm den Auftrag gar nicht an. Schließlich will sie ihren Mann und den 15-jährigen Sohn, die fast 600 Kilometer von Meschede entfernt leben, auch noch sehen. „Die Arbeitgeber gehen darauf ein. Das ist ein großer Vorteil“, sagt die 47-Jährige. Als sie noch fest angestellt war, da musste sie manchmal zehn Tage am Stück arbeiten, bekam danach höchstens einen Tag frei. Oder sie musste von der Spätschicht gleich in der Frühdienst wechseln.

Fünf bis zehn Anfragen pro Woche

Zum dritten aber ist Ute Greffenius-Harm nun „ein ganzes Stück glücklicher“, weil der Ärger zwischen Chefs und Kollegen, die Missstände in manchen Häusern sie nicht so stark mitnehmen, wenn sie nach wenigen Wochen im Einsatz weiterzieht. „Ich kann nun meine ganze Kraft den alten Menschen widmen“, sagt sie zufrieden. Arbeitsplätze, wo es ihrer Ansicht nach nicht ganz korrekt zugeht, meidet sie. „In Meschede ist alles gut, hier macht es richtig Spaß“, so die Brandenburgerin. Doch sie hat auch schon in Heimen gearbeitet, wo der Personalstab nur kurzfristig aufgestockt wurde, weil eine Prüfung des Medizinischen Dienstes bevorstand: „Da gehe ich nicht mehr hin.“

„Die Stimmung in den Häusern ist der meistgenannte Grund für die hohe Arbeitsunzufriedenheit unter den Pflegekräften“, bestätigt Patricia Drube. „Die Freiberufler sind dem Betriebsklima nicht so stark ausgesetzt “, erklärt sie, warum immer mehr auf Honorarbasis arbeiten wollen: „Wir sehen da einen eindeutigen Trend.“ Zahlen, wie viele Altenpfleger freiberuflich arbeiten, gibt es nicht. „Wir haben aber allein in der Regionalniederlassung Nordwest jede Woche fünf bis zehn Anfragen von Pflegern, die sich dafür interessieren“, so Drube.

Und so arbeitet auch Ute Greffenius-Harm weiter auf eigene Rechnung. Das Angebot, im Sauerland eine Stelle anzunehmen, wo es allerorten an Altenpflegern fehlt, hat sie ausgeschlagen.

Nina Grunsky



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