IG Metall rät zur Klage gegen den Arbeitgeber

Ein Mann sitzt noch zu später Stunde in einem Büroan seinem Computer-Arbeitsplatz.Überstunden sind in vielen Betrieben die Regel.
Ein Mann sitzt noch zu später Stunde in einem Büroan seinem Computer-Arbeitsplatz.Überstunden sind in vielen Betrieben die Regel.
Foto: Oliver Berg
Was wir bereits wissen
Wie handeln, wenn der Arbeitgeber geleistete Überstunden einfach nicht anerkennt? Die IG Metall rät zur Klage. Auch im heimischen Raum sind Überstunden ein großes Thema.

Meschede.. Die Deutschen leisten in der EU-Zone die meisten Überstunden. Durchschnittlich arbeitet jeder Arbeitnehmer drei Stunden pro Woche mehr als es im Arbeitsvertrag eigentlich festgehalten ist. Und nur jeder zweite bekommt seine Überstunden laut Studien in irgendeiner Form vergütet. Das gilt nach Ansicht der Gewerkschaften grundsätzlich auch im heimischen Raum. Wolfgang Werth, erster Bevollmächtigter der IG Metall Arnsberg, erklärt in unserem Interview mit unserer Zeitung, worauf Arbeitnehmer bei ihren Überstunden achten müssen.

Frage: Wie sollte sich ein Arbeitnehmer bei wöchentlicher Mehrarbeit verhalten?

Wolfgang Werth: Der Arbeitnehmer muss seine geleisteten Überstunden nachweisen können. Entweder über eine elektronische Zeiterfassung oder eine schriftliche oder mündliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber. Eine mündliche Vereinbarung bedarf aber eines Zeugen. Nur so kann der Arbeitnehmer darauf bestehen, dass Überstunden bezahlt werden. Er sollte sie zunächst schriftlich geltend machen und dabei gegebenenfalls die jeweiligen tarifvertraglichen Ausschlussfristen beachten. Bei Nichtzahlung besteht die Möglichkeit, das Geld einzuklagen. Bei manchem Arbeitgeber schlägt das Stimmungsbarometer dann schon mal gegen null, aber dadurch sollte man sich meiner Meinung nach nicht einschüchtern lassen!

Müssen Arbeitnehmer denn dauerhaft mehr arbeiten?

Ja, wenn der Arbeitgeber diese angeordnet hat und solange sich die Überstunden im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes bewegen. Manche Arbeitgeber nehmen auch auf die persönlichen Belange der Beschäftigten Rücksicht. Besser sieht es da aus, wo tarifvertragliche Regelungen zum Beispiel mit einer 35-Stunden-Woche zur Anwendung kommen. Den besten Schutz für die Arbeitnehmer bietet aber ein Betriebsrat, von dem die Überstunden im Vorhinein genehmigt werden müssen.

Ist es rechtlich wirksam, wenn ein Vertrag vorgibt, keine Überstunden auszuzahlen?

Das wäre rechtlich nicht wirksam, weil gerichtliche Entscheidungen festgelegt haben, dass jede geleistete Arbeitsstunde bezahlt werden muss. Allerdings gibt es verschiedene Regelungen, wie die Überstunden vergütet werden bzw. in Freizeit abgewickelt werden. Es gibt allerdings auch Arbeitsverträge, wo eine unbestimmte Anzahl von Überstunden mit dem Monatsgehalt abgegolten sein soll.

Wie lässt man sich als Arbeitnehmer Überstunden am besten vergüten?

Durch Flexi-Regelungen werden die Mehrstunden auf einem Zeitkonto gutgeschrieben und können individuell durch Freizeit ausgeglichen werden oder im Betrieb für konjunkturell schlechtere Zeiten angesammelt werden. Oder sie werden für Brückentage, Karneval oder Schützenfesttage verwendet. Manche Betriebe zahlen die Überstunden auch aus (zusätzlich mit tarifvertraglichen Zuschlägen).

Macht es einen Unterschied ob man leitender Angestellte oder Auszubildender ist?

Allerdings. Bei außertariflichen Angestellten scheint es nach oben keine Grenze zu geben. Manch einer wäre dann zumindest froh, wenn sein Arbeitsverhältnis tarifvertraglich geregelt wäre. Bei Auszubildenden regelt das Berufsbildungsgesetz, dass Überstunden besonders zu vergüten sind oder durch entsprechende Freizeit auszugleichen ist.

Warum werden in Deutschland so viele Überstunden gemacht?

Das hat viel mit Geschäftsführungen und Eigentümern zu tun: Wenn ich für Krankheit und Urlaub überhaupt keine Personalreserve im Betrieb mehr vorhalte, hat das natürlich bei geringstem Auftragszuwachs oder der jährlichen Grippewelle Überstunden zur Folge. Zudem hat nach den Krisenjahren gesamtwirtschaftlich die Samstags- als auch die Sonntagsarbeit wieder zugenommen. Ein wichtiger Faktor, auch in Zukunft, wird sein, dass der Fachkräftemangel dazu führt, dass diese Beschäftigtengruppen mehr Überstunden leisten. Hier gilt zum x-ten Mal mein Hinweis an die Arbeitgeber: Ausbildung und Qualifizierung ist hierbei der beste Weg.