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„Ich will junge Leute motivieren“

03.10.2012 | 12:00 Uhr
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„Ich will junge Leute motivieren“
Christine Borys (30) aus Schmallenberg ist die stellvertretende Leiterin der Ortsgruppe Winterberg "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Sie möchte verstärkt junge Leute ansprechen.Foto: Laura Mock

Schmallenberg.   Die 30-jährige Christine Borys engagiert sich in der Gruppe „Frauenselbsthilfe nach Krebs“. Sie sagt: „Allein stößt man schnell an seine Grenzen“

Christine Borys ist im Juni der Winterberger Gruppe der „Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.“ beigetreten und hat direkt den Posten der stellvertretenden Gruppenleiterin übernommen. Der Schmallenbergerin war es wichtig, sich nach ihrer Krebserkrankung einer Selbsthilfegruppe anzuschließen – auch wenn die 30-Jährige dort mit Abstand die Jüngste ist.

Warum war Ihnen das so wichtig?

Christine Borys: Ein Hauptgrund für mich war die Suche nach Informationen sowie der Patientenaustausch. Auch ich habe schon viele Erfahrungen mit meiner Erkrankung gemacht, die ich weitergeben kann.

Welche Themen werden während der Treffen besprochen?

Das ist sehr vielfältig. Wie ist die erste Behandlung verlaufen? Welche sozialdienstliche Hilfe kann man in Anspruch nehmen? Welche alternativen Heilmethoden gibt es? Aber auch: Wie erkläre ich meinen Kindern die Krankheit? Wie können die Angehörigen aufgefangen werden? All das sind Fragen, mit denen sich die Gruppe befasst. Außerdem laden wir Referenten ein, die Fachvorträge halten.

Sie haben das Thema alternative Heilmethoden angesprochen. Wie stehen Sie dazu?

Der Grundsatz in der Gruppe lautet, dass die Schulmedizin das A und O ist. Wir informieren aber eben auch über Naturheilverfahren als Begleitmethoden – zum Beispiel, um das Immunsystem zu stärken.

Geht es bei den Treffen immer ernst zu?

Nein, im Gegenteil. Wir lachen auch sehr viel. Neben den thematischen und informativen Treffen gibt es auch Gruppenstunden, in denen wir Kaffeeklatsch machen, erzählen und Spaß haben. Eben weil viele einen ähnlichen Lebensweg haben, kann die Krankheit dann auch in den Hintergrund treten. Außerdem gibt es offene Treffen, zum Beispiel einen Grillabend, zu denen auch die Familien mitkommen können.

Sie haben erzählt, dass Sie mit 30 mit Abstand die Jüngste sind. Ist es schwierig, junge Frauen für eine solche Gruppe zu gewinnen?

Ja. Aber mir ist es ein Anliegen, auch junge Menschen zu motivieren, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Gerade auch, weil immer mehr junge Menschen an Krebs erkranken. Zum Teil sind allerdings schon die Uhrzeiten der Treffen abschreckend. Freitags um 14 Uhr haben Berufstätige oder auch Familien mit Kindern keine Zeit. Ein anderer Grund ist, dass Jüngere sich ihre Informationen übers Internet suchen. Das habe ich am Anfang auch gemacht. Bei der Fülle und ohne das medizinische Fachwissen stößt man da aber sehr schnell an seine Grenzen.

Was ist für Sie das Positive an einer Selbsthilfegruppe?

Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich denke aber, dass es den Lebensweg leichter macht. Indem man darüber spricht, versteht man sich selbst und die Krankheit besser. Man verliert seine Angst zwar nicht, kann aber besser damit umgehen. Außerdem haben wir viel Spaß und Lebensfreude, denn die, die teilnehmen, wollen mit der Krankheit leben. Es gibt natürlich auch mal Zeiten, da geht es einem schlecht – wenn man das allein durchmacht, verfällt man schnell in Trübsal. In der Gruppe wird man aufgefangen.

Warum haben Sie sich als Neuling direkt dazu verpflichtet, ein Amt zu übernehmen?

Ich engagiere mich gern ehrenamtlich. Ich könnte mir auch vorstellen, eine Gruppe in Schmallenberg zu eröffnen. Die Fahrerei bis Winterberg ist gerade im Winter nicht einfach, dort ist aber für mich die nächste Möglichkeit. Für eine eigene Schmallenberger Gruppe brauchen wir nur genügend Frauen und Männer aus Schmallenberg und Umgebung.

Hintergrund

Das nächste Treffen der Winterberger Gruppe „Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.“ findet am Montag, 8. Oktober, um 17 Uhr in der Cafeteria des Krankenhauses in Winterberg statt, wie an jedem zweiten Montag im Monat.

Informationen erteilt die Gruppe auch anonym. Ansprechpartner sind Martina Anthe unter  02981/6170, Christine Borys unter  02972/977178 und Annette Kordes,  02982/3560.

Der Verein „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ besteht aus mehr als 400 Ortsgruppen. Dachverband ist die Deutsche Krebshilfe. Über diese bestehen Kontakte zu Kliniken, Forschungsgruppen und Politik.

Info: www.frauenselbsthilfe.de

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