„Ich will jetzt nur noch nach vorne blicken“

Silke Stepanek an der Ruhr in der Mescheder Innenstadt.Nachdem die Ärzte bei ihr Aplastische Anämie diagnostiziert hatten, genießt sie heute jeden Tag, an dem es ihr gut geht. Inzwischen geht sie sogar wieder arbeiten.
Silke Stepanek an der Ruhr in der Mescheder Innenstadt.Nachdem die Ärzte bei ihr Aplastische Anämie diagnostiziert hatten, genießt sie heute jeden Tag, an dem es ihr gut geht. Inzwischen geht sie sogar wieder arbeiten.
Foto: Frank Selter
Was wir bereits wissen
Sie kann wieder unbeschwert lachen. Sie fühlt sich wieder fit. Sie ist wieder mitten im Leben angekommen. Es sind anderthalb Jahre zwischen Hoffen und Bangen, die Silke Stepanek hinter sich hat.

Bestwig.. Noch genau kann sich die Bestwigerin an den Tag im Oktober 2013 erinnern, als die Ärzte bei ihr Aplastische Anämie - ein Versagen des Knochenmarks - diagnostiziert haben. „Mir hat es damals den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt sie.

Die 51-Jährige lächelt. Sie will jetzt nur noch nach vorne blicken. „Heute genieße ich jeden Tag, an dem es mir gut geht“, sagt sie. Und diese Tage halten nun schon eine ganze Weile an. Gelassener sei sie geworden. Das sei aber auch das einzig Positive, was sie dieser Krankheit habe abgewinnen können.

Jeder Gang eine Qual

Die Tage, die sie in der Uniklinik in Essen verbracht hat, die Blutkonserven, die man ihr dort verabreicht hat, die Tabletten, das ewige Auf und Ab der Blutwerte - irgendwann habe sie aufgehört all das zu zählen. Nein, ganz gesund sei sie immer noch nicht, sagt sie. Die Ärzte hätten gesagt, sie müsse Geduld haben. Aber sie fühle sich wieder gut. Und das ist keineswegs selbstverständlich, denn das Präparat, das ihr letztlich geholfen hat, gibt es eigentlich nur in Amerika. Für Silke Stepanek war der Bezug dieses kostspieligen Lebensretters ein Kampf mit der Krankenkasse (wir berichteten). „Die Krankheit ist einfach zu unbekannt“, sagt sie. Das müsse anders werden.

Sehr seltene Krankheit

Anämie bedeutet Blutarmut. Von Aplastischer Anämie sprechen die Mediziner, wenn eine Störung der Knochenmarksfunktion vorliegt, bei der es zu einer verminderten Bildung aller Blutzellen kommt. Es besteht ein absoluter Mangel an Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten. All das hat die 51-Jährige vor dem besagten Tag im Oktober 2013 nicht gewusst. Sie hatte nur gemerkt, dass sie immer schlapper wurde. „Ich war schon beim Spazierengehen außer Atem, konnte kaum Treppen steigen, jeder Gang war eine Qual“, erinnert sie sich. Zum Arzt gegangen war sie damals im Glauben, dass sie Eisenmangel habe. „Mit sowas rechnet doch niemand“ sagt sie.

Seit Mitte März geht Silke Stepanek nun sogar wieder Vollzeit arbeiten. Darauf hat sie lange gewartet. Viele ihrer Kolleginnen im Briloner Aldi-Markt seien damals ebenso geschockt gewesen wie sie selbst, sagt die Bestwigerin. Genau wie ihre Tochter hätten sie ihr in dieser schweren Zeit viel Kraft und Mut gegeben. Und das machen sie auch heute noch. „Jeder hat Verständnis dafür, dass ich die wirklich schweren Arbeiten noch nicht problemlos bewältigen kann“, ist sie dankbar.

Immer noch muss sie regelmäßig ins Krankenhaus, um ihre Blutwerte kontrollieren zu lassen - mal nach Meschede, mal zur Essener Uniklinik. Manchmal dauert es mehrere Stunden, bis sie nach der Blutentnahme das Ergebnis bekommt. „Diese Warterei ist immer besonders schlimm“, sagt Silke Stepanek. Bislang waren die Ergebnisse in der Regel aber erfreulich.

Endlich wieder tanzen

Da ist es durchaus erlaubt, nach den nächsten Zielen und den kleinen Träumen zu fragen. „Noch traue ich mich ja nicht, Urlaub im Ausland zu machen“, sagt die 51-Jährige. „Aber so ein oder zwei Wochen in einem kleinen Dörfchen in Italien oder Spanien wären schon schön“, gesteht sie. Eins ist für die 51-Jährige aber sicher: „Bei der Oldie-Night im Oktober in Ostwig, da werde ich endlich wieder tanzen. Wegen dieser Krankheit habe ich die oft genug verpasst.“ Und der Abiball mit ihrer Tochter im Juni steht auch schon fest im Kalender.