„Ich traue der Gemeinde eine Menge zu“

Die Pfarrer Elisabeth Grube, Peter Liedtke, Christine Liedtke und Ursula Groß
Die Pfarrer Elisabeth Grube, Peter Liedtke, Christine Liedtke und Ursula Groß
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Pfarrer-Ehepaar wechselt von Schmallenberg nach Bad Berleburg.

Schmallenberg..  . Nach 22 Jahren als Pfarrer in Schmallenberg verlässt Peter Liedtke gemeinsam mit seiner Frau Christine den Ort. Es zieht sie nicht weit: In Bad Berleburg übernimmt die Schmallenberger Schulpfarrerin eine Gemeindepfarrstelle, Peter Liedtke arbeitet zur Hälfte in der Flüchtlingsarbeit und zur Hälfte für Projekte im Kirchenkreis. Peter Liedtke ist vor allem froh, dass er damit die Verwaltungsarbeit hinter sich lässt.

Frage: Mit welchen Gedanken verlassen Sie die Gemeinde?

Peter Liedtke: Ich werde sicher die Mitarbeiter vermissen und auch die Gemeindeglieder, mit denen ich in den vergangenen Jahren gut zusammengearbeitet habe. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich manches hinter mir lasse.

Wie meinen Sie das?

Nun zum Beispiel die Verwaltungsarbeit. Als ich damals nach Schmallenberg gekommen bin, habe ich gesagt, ,Ich mache alles außer Bauen.’ Das Erste, was ich begleiten musste, war der Bau der Gemeindehauses. Heute muss ich Grundstücke und Kirchen sogar verkaufen. Dafür bin ich gar nicht ausgebildet. Ich glaube, ich habe mich ein wenig überlebt.

Das reizt Sie auch an der Arbeit in Bad Berleburg?

Ja, ich habe dort in der Flüchtlingshilfe die Chance, Menschen, die zum Teil durch Krieg und Flucht traumatisiert sind zu helfen und ich begleite die ehrenamtlichen Helfer. Außerdem bin zuständig für Projekte im Kirchenkreis, wie das Reformationsjubiläum und mache Pfarrvertretungen. Sie sehen, es wird vielseitig. Aber das Beste: Mit wirtschaftlichen Dingen habe ich weniger zu tun. Das erleichtert mich.

Der Wechsel von Schmallenberg nach Bad Berleburg bedeutet auch den Wechsel von der Diaspora mitten hinein ins evangelische Kernland. Wie verändert das Ihr Leben und Ihre Arbeit?

Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht, was das verändert. So groß ist der Kirchenkreis Wittgenstein ja auch gar nicht. Wir haben nur 34 000 Gemeindeglieder. Da ist manche Kirchengemeinde im Ruhrgebiet größer. Und die Arbeit in der Diaspora war auch toll, als Minderheit hält man stärker zusammen. Leider haben die kleinen Gemeinden heute vor allem mit Geldproblemen zu kämpfen.

22 Jahre als Pfarrer in Schmallenberg - wie hat sich die Zusammenarbeit mit den katholischen Gemeinden verändert?

Heute ist das eine Selbstverständlichkeit. Damals hing es stark von Personen ab, ob Ökumene gelingen konnte.

Wie geht es in Schmallenberg weiter?

Bisher hatten wir hier anderthalb Pfarrstellen. In Zukunft wird es nur noch eine Gemeinde - Pfarrstelle geben. Der Superintendent macht sich darüber hinaus dafür stark, dass die halbe Stelle meiner Frau an der Schule wieder besetzt werden kann. Erstmal wird Ursula Groß als Pfarrerin im Entsendungsdienst Vertretungsaufgaben übernehmen und Elisabeth Grube als Gemeindepfarrerin unterstützen.

Was kann die Gemeinde allein stemmen?

Ich traue ihr eine Menge zu. Es gibt einige Leute, die Teile meiner Funktionen, zum Beispiel im Jugendbereich übernehmen können. Letztlich kommt es darauf an, wie die Gemeinde diesen Einsatz, ob als Laienprediger oder in der Jugendarbeit wertschätzt. Während meiner Zeit in Greifswald lief beispielsweise auch der Konfirmandenunterricht weiter. Wir haben in der evangelischen Kirche ja offiziell das ,Priestertum aller Gläubigen’. Nur Taufe, Abendmahl und Trauung sind laut Richtlinien der Landeskirche Aufgaben, die nur der Pfarrer wahrnehmen soll.