„Ich habe die Landschaft schätzen gelernt“

Das weiß blühende bittere Schaumkraut wächst vor allem entlang von Bachläufen. Astrid Völlmecke
Das weiß blühende bittere Schaumkraut wächst vor allem entlang von Bachläufen. Astrid Völlmecke
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit Astrid Völlmecke auf der Suche nach Heilpflanzen und Kräutern rund um Bad Fredeburg.

Bad Fredeburg..  Astrid Völlmecke ist Wahl-Sauerländerin aus Überzeugung und versucht ihre Begeisterung für die Natur mit Touristen und Einheimischen gleichermaßen zu teilen. Wir haben die 57-Jährige bei einer Kräuter-Wanderung rund um den Bad Fredeburger Kurpark begleitet.

Ehrlich gesagt habe ich nicht die leiseste Ahnung, welche der Pflanzen hier essbar sind.

Astrid Völlmecke: Das ging mir auch so – deshalb habe ich die Ausbildung zur Wildkräuter- und Heilpflanzenpädagogin gemacht.

Die auch Kräuterhexe genannt wird. Warum eigentlich?

Die Leute haben schon im Mittelalter versucht, Krankheiten mit Kräutern zu heilen, daher diese Verbindung. Aber natürlich hat die Phytotherapie, also die Pflanzenheilkunde, auch ihre Grenzen. Sie bietet aber viele Hausmittel. Der Breitwegerich zum Beispiel hilft bei Insektenstichen. Wenn man die Blätter zerreibt und auf den Stich legt, nimmt das die Schwellung, lindert den Juckreiz und auch den Schmerz. Der verwandte Spitzwegerich zum Beispiel eignet sich super als Hustentee und lässt auch gut trocknen. Als Faustregel gilt: Ein Teelöffel getrocknetes Kraut ergibt eine Tasse Tee. Bei frischem Kraut braucht man die doppelte Menge.

Wie lassen sich die Blätter am besten trocknen?

Am besten legt man die Blätter an einem luftigen, trockenen und schattigen Ort aus, zum Beispiel auf dem Dachboden, falls man einen hat. Fertig getrocknet sind die Blätter, wenn sie ganz leicht zerbröseln, sobald man sie in den Händen zerreibt.

Wie groß ist die Gefahr, Kräuter mit giftigen Pflanzen zu verwechseln?

Grundsätzlich sollte man nur Pflanzen sammeln, die man hundertprozentig kennt. Das gilt vor allem für Bärlauch und Wiesenkerbel. Den Bärlauch zum Beispiel kann man schnell mit der Herbstzeitlosen verwechseln. Und der Wiesenkerbel sieht dem gefleckten Schierling sehr ähnlich, vor allem im jungen Wachstum. Eine Verwechslung nimmt meistens einen tödlichen Verlauf.

Und wie umgehen Sie sonstige Schadstoffe?

Als Faustregel gilt: Je weniger Wildwuchs es gibt, desto mehr wurde gedüngt. Außerdem sollte man nicht an Hauptverkehrsstraßen sammeln. Davon abgesehen sollte man alle Kräuter vor dem Verzehr natürlich gut abwaschen.

Wenn ich das nächste Mal ein Kratzen im Hals spüre, komme ich also bei Ihnen vorbei und bediene mich aus Ihrer riesigen Apotheke?

Nein. (lacht) Ich gebe gerne Tipps, aber ich habe natürlich nicht alles zu Hause vorrätig. Im Moment nutze ich die Heilpflanzen nur ab und an zum Hausgebrauch, aber wenn ich mal in Rente gehe, möchte ich mich gerne noch intensiver damit beschäftigen.

Ursprünglich kommen Sie aus Ostwestfalen – wie beeinflusst das Ihren Blick auf das Sauerland?

Ich finde die Natur hier sehr schön, weil sie so abwechslungsreich ist. Ich habe die Landschaft wirklich schätzen gelernt und durch das Kräutersammeln noch einmal einen anderen Blick dafür bekommen. Dabei finde ich auch immer wieder eine Pflanze, die ich noch nicht kannte. Das Sauerland hat eine riesige Pflanzenvielfalt zu bieten.

Als Vorsitzende des Tourismusvereins sind Sie auch am neuen Kurorte-Konzept beteiligt. Was ist der Kernpunkt dabei?

Der Schwerpunkt liegt auf Atmung und Allergien sowie Kneipp. Das bildet den roten Faden, wobei auch Einzelhandel und Gastronomie mitziehen müssen, um das Thema glaubwürdig zu bespielen. Das Thema ist für Bürger wie Gäste gleichermaßen interessant.

Wie ist der aktuelle Stand?

Das Konzept steht, jetzt geht es darum, es in die Realität umzusetzen. Hier gilt es, step by step vorzugehen. Alles auf einmal ist nicht machbar.

Pläne für den Umbau des Kurhauses gibt es schon. Was wird danach kommen?

Im Frettelt-Park soll das Thema Kneipp deutlicher herausgearbeitet werden. Dort ist eine Anbindung an die Akademie geplant und es soll ein Natur-Tretbecken, einen Barfußpfad, eine Kräuterspirale und anderes geben.

Ich muss das nochmal kurz sagen: Das hier ist der Wiesenkerbel – eine wirklich schöne Pflanze finde ich.

Sind die Kräuter eher Hobby oder Teil des Berufs?

Es ist tatsächlich eher ein Hobby, aber ich kann es im Beruf gut gebrauchen.

Was machen Sie ansonsten in Ihrer Freizeit?

Ich treibe viel Sport, ich fahre Inliner, gehe ins Fitnessstudio, schwimme und laufe viel. Außerdem spiele ich gerne eine Runde Doppelkopf oder lese.

Wohin geht es, wenn Sie Urlaub haben?

Ans Meer. Ich bin Wassermann, das Wasser gehört für mich einfach dazu. Ich würde auch in die Berge fahren, aber nur, wenn ein See in der Nähe ist. Zu Hause fahre ich Sommer gerne morgens zum Schwimmen an den Hennesee, wenn es noch ruhig ist.

Fühlen Sie sich hier mittlerweile heimisch?

Ja. Heimat ist für mich da, wo meine Freunde sind. Und das ist hier.