Huhn als Haustier: "Junior" kommt auf Zuruf und ist handzahm

Moritz Trudewind (8) ist seit einem Jahr Besitzer eines Huhns. Die Henne "Junior" folgt dem Zweitklässler aus Eversberg überall hin.
Moritz Trudewind (8) ist seit einem Jahr Besitzer eines Huhns. Die Henne "Junior" folgt dem Zweitklässler aus Eversberg überall hin.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kann ein Huhn ein Haustier sein? Klar, der achtjährige Moritz hat ein Huhn namens "Junior". Das einst flaumige Küken und der Junge sind dicke Freunde.

Eversberg.. Einen Hasen haben viele Achtjährige als Haustier, einen Hamster, ja. Und vielleicht auch einen Hund - aber ein Huhn, das sich streicheln lässt wie ein Hase und aufs Wort kommt wie ein Hund - das ist schon was Besonderes.

Moritz Trudewind hat „Junior“, so der Name des Huhns, vor einem Jahr von seinem Opa Ferdi Trudewind geschenkt bekommen. Eine Hand voll schwarzer Flaum war das Küken damals. „Es suchte immer die Nähe und Wärme von Moritz“, berichtet Moritz’ Mutter Nadine Trudewind, „und ist ständig hinter ihm hergerannt.“

Kraulen an den Kehllappen

Noch heute bleibt es gern in seiner Nähe. Ruft der Achtjährige, kommt das Huhn angeflitzt, hüpft für Leckerlis in die Höhe und lässt sich kraulen. „Besonders gern hat Junior es, wenn ich ihn hier kraule“, sagt der Achtjährige und kitzelt das Huhn hingebungsvoll an den Kehllappen. Wie bezaubert bleibt die Dame dafür stehen.

Denn Junior ist - trotz des männlichen Namens - ein Weibchen. „Man kann bei Hühnern erst spät erkennen, welches Geschlecht sie haben“, erklärt Nadine Trudewind, die sich mittlerweile zu einer echten Hühnerexpertin entwickelt hat. Ja und Moritz hatte halt lange gehofft, dass das Küken ein Hahn wird, „um die Nachbarn zu ärgern“, wie der Grundschüler schelmisch zugibt. Doch das hätte die Mama nicht zugelassen. „Dann hätten wir es weggeben müssen“, sagt sie.

So aber ist das Huhn der Renner. „Sie glauben nicht, was hier los ist, wenn die Schule aus ist“, sagt Nadine Trudewind und lacht. Junior spaziert dann durch den kleinen eingezäunten Vorgarten während die Grundschüler auf dem Heimweg überlegen, um welchen seltsamen Vogel es sich handelt.

Zumindest die Kinder aus Moritz’ Klasse wissen mittlerweile Bescheid. Denn dorthin hat Junior jetzt schon einen Ausflug gemacht. Eine Woche stand das Thema „Huhn“ in der zweiten Klasse auf dem Unterrichtsplan - am lebenden Objekt. Auch das ließ das Federvieh problemlos über sich ergehen.

Zu Hause legt es weiterhin an jedem Tag ein Ei. Damit bedankt es sich bei Moritz seit ungefähr einem halben Jahr für die Freundschaft. „Es wird dann ganz nervös“, berichtet Nadine Trudewind, „und rast in sein Nest.“

Zu Besuch bei der Kommunion

Ansonsten trippelt Junior - wenn man nicht aufpasst - auch schon mal gern neugierig in die Wohnung. „Das ist aber nicht erlaubt“, betont die Mutter, „Junior ist ja nicht stubenrein. Was man vorne füttert, kommt hinten sofort wieder raus.“

Trotzdem durfte Junior jetzt zur Freude der Verwandtschaft bei der Kommunionfeier von Moritz’ Cousins auch einmal durch den Festsaal staksen. Moritz liebt sein Huhn, zurück in die Hühnerschar des Opas geben - das kommt nicht in Frage. „Die anderen Hühner würden es auch picken“, weiß Nadine Trudewind von einem Besuch mit Junior auf dem Flachsland, wo die anderen Hühner leben.

Der Achtjährige und Junior bleiben weiter ein besonderes Gespann: „Manchmal habe ich bis heute das Gefühl, dass ich seine Mama bin“, sagt Moritz und stöhnt ein wenig, „vor allem, wenn es sich irgendwo fremd fühlt.“ Die meisten Hühner werden das Gefühl gar nicht kennen.