Hoffnung für Notruf-Spezialisten

Sie wollen sich nicht ihren Stuhl vor die Tür setzen lassen: Protest der Telekom-Mitarbeiter in Meschede.
Sie wollen sich nicht ihren Stuhl vor die Tür setzen lassen: Protest der Telekom-Mitarbeiter in Meschede.
Foto: Privat
Die Deutsche Telekom versucht erneut Arbeitsplätze in Ballungszentren zu konzentrieren. In Meschede sind 50 Stellen von Verlagerung bedroht, darunter eine bundesweit einzigartige Spezial-Abteilung für Notrufe.

Meschede.. Bei der Telekom in Meschede droht der Verlust von 50 Arbeitsplätzen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen an andere Standorte versetzt werden. Einen Großteil versucht die Gewerkschaft zu halten – sie sieht Chancen dafür.

Bundesweit einzigartige Abteilung

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit befindet sich bei der Telekom in Meschede eine Abteilung, die bundesweit einzigartig ist: der Leitstellen-Service. Egal, ob Anrufe aus Bayern oder Schleswig-Holstein bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr eingehen – die Truppe kümmert sich nur darum, dass 110 und 112 erreichbar sind.

Mehr noch: Liegt ein Hilfesuchender nur noch röchelnd am Boden, kann die Abteilung im Auftrag der Behörden blitzschnell feststellen, wo genau sich der Anrufer befindet, damit Hilfe dorthin geschickt werden kann. Auch bei Kapitalverbrechen wird der Leitstellenservice mitunter eingeschaltet, zum Beispiel bei der Frage, von wo ein Erpresser angerufen hat. Mit der Technik aus Meschede sind bereits prominente Kriminalfälle aufgeklärt worden.

24 Stunden an 365 Tagen in der Woche ist der Leitstellen-Service in besonders abgeschirmten und abgesicherten Räumen bereit. Zwei Teams mit 40 speziell ausgebildeten Mitarbeitern arbeiten dort. Auch ihre Arbeitsplätze sollen nach den Plänen der Deutschen Telekom verlagert werden.

Damit würden sie am Rande das Opfer eines großen Plans. Der Konzern will die Innendienste des Technischen Service zusammengelegen, statt 153 soll es ihn nur noch an 23 Standorten geben. So sollen Kosten gespart werden und die größeren Einheiten sollen schlagkräftiger sein, heißt es. Aus Sicht von Dirk Bösterling von der Gewerkschaft Verdi machen diese Pläne insbesondere beim Leitstellen-Service überhaupt keinen Sinn: Die Abteilung befinde sich zwar unter dem Dach des Technischen Service, aber sie sei einzigartig und unabhängig.

„Sie würde schlicht in eine andere Stadt verlegt und möglicherweise würde man unterwegs viele kompetente, langjährige Mitarbeiter verlieren“: Diese Gefahr sieht Bösterling insbesondere mit Blick auf den Standort Meschede: Mitarbeiter kommen aus allen Teilen des Hochsauerlandkreis, nächstes Einsatzgebiet wäre bestenfalls Dortmund.

Noch, so Bösterling, weigere sich die Telekom über „Einzelfälle“ wie den Leitstellen-Service zu reden. Doch er hofft, dass im Rahmen der Verhandlungen „der gesunde Menschenverstand auf der Sachebene“ geweckt werden könne. Die Telekom möchte vor allem den klassischen Innendienst des Technischen Service zusammenfassen, wie Pressesprecher Peter Kespohl erläuterte, dabei handele es sich beispielsweise um Disponenten, die Aufträge für den Außendienst vergeben.

Verhandlungen dauern an

Die Verhandlungen dauern an. Telekom und Gewerkschaft schließen nicht aus, dass die Zahl der Standorte noch weiter aufgestockt wird und der Zeitplan bis zur Umsetzung verlängert wird. „So haben Mitarbeiter höhere Chancen, sich auf eine andere Stelle vor Ort zu bewerben oder haben das Alter, um in den Ruhestand zu gehen“, so Kespohl.