Hilfe im Familienbetrieb

Bei der Spendenübergabe: Koch Marco Lilienthal, Sithamparapillai Lingam, Partyservice-Inhaber Marcus Mues, SG-Leiter Burkhard Rumphorst (von links).
Bei der Spendenübergabe: Koch Marco Lilienthal, Sithamparapillai Lingam, Partyservice-Inhaber Marcus Mues, SG-Leiter Burkhard Rumphorst (von links).
Foto: Jürgen Kortmann
Was wir bereits wissen
Auch aus Wallen kommt Hilfe für Erdbebenopfer in Nepal. Dafür setzt sich ein tamilischer Koch aus Sri Lanka ein. Er überzeugte Menschen im Dorf dafür.

Wallen..  Sind 400 Euro als Hilfe nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Sicherlich, angesichts des Ausmaßes der Erdbebenkatastrophe in Nepal. Aber dennoch werden sie für wenigstens eine Familie ein Hoffnungsschimmer sein. Für dieses Geld kann in Nepal ein Haus gebaut werden. Das Geld kam in Wallen zusammen.

Sithamparapillai Lingam arbeitet in Wallen als Koch für Marcus Mues, Inhaber des gleichnamigen Partyservices. Lingam wird er hier genannt, seinen Vornamen, gesteht er den Deutschen zu, könne ja kaum jemand aussprechen. Für den Tamilen aus Sri Lanka, gläubiger Hindu, war sofort klar, irgendwie helfen zu wollen: „Unsere Kultur ist doch auch nebenan.“ Nepal hat viele heilige Stätten des Hinduismus, Lingam war 1999 selbst in der Hauptstadt Kathmandu, um von dort aus in die Region um den Mount Everest zu gelangen, wo die Gottheit Shiva geboren sein soll – damals verhinderte Regen seinen Traum, alles war unpassierbar.

Und das Leid wurde auch konkret. Der 51-Jährige erhielt direkt nach dem Erdbeben den Anruf eines Freundes aus Kathmandu – „der war traurig und fassungslos“. Der berichtete über das Haus einer Tante in einem Dorf bei Kathmandu, das durch das Erdbeben abgerutscht sei. Die Tante wird auch heute noch immer vermisst: „Mein Freund weiß nicht weiter.“

Auch Sportler spenden

In der Küche erzählte der Tamile davon. Und dort entstand spontan der Entschluss, irgendwie helfen zu wollen: „Wir sind ein Familienbetrieb, wir halten zusammen“, sagt Marcus Mues: „Wenn er Probleme hat, dann lösen wir die gemeinsam.“ Natürlich gebe es auch viel Leid vor der eigenen Haustür, meint Mues: „Aber man muss auch über den Tellerrand hinausschauen.“ Gemeinsam legte man erst im Betrieb zusammen, dann erfuhren auch die Besucher im Gasthof Mues davon. Da dieser wiederum das Stammlokal der Spielgemeinschaft Calle-Wallen ist, warb SG-Vorsitzender Burkhard Rumphorst auch unter den Sportlern um Mithilfe. So kamen die 400 Euro zusammen – dafür soll in Nepal für eine Familie ein Haus gebaut werden, so der Wunsch aus Wallen. Das Geld soll dem Fleckenberger Johannes Börger mitgegeben werden, der – wie berichtet – demnächst mit anderen Hilfsgeldern nach Nepal fliegt.

Bruder starb bei Bombenanschlag

Sithamparapillai Lingam sorgt sich insbesondere, weil in sechs Monaten in Nepal die Regenzeit anfängt – dann muss Hilfe eigentlich erfolgt sein. Gerade erfuhr er aber von seinem Freund, dass sich schon jetzt Unwetter ereigneten, die die Straßen aufweichten. Es sei schwer, die Hilfsbedürftigen außerhalb der Hauptstadt zu erreichen.

Für den heute 51-Jährigen ist es ein weiter Weg bis nach Wallen gewesen. Er arbeitete schon als Koch im „Taj Mahal“-Hotel in Singapur und im „Intercontinental“ in Sri Lankas Hauptstadt Colombo. Nach Deutschland kam er als Bürgerkriegsflüchtling aus Sri Lanka. Sein Bruder war dort bei einem Bombenanschlag getötet worden. Mues und Lingam lernten sich 2002 in der „Hennesee-Residenz“ in Meschede kennen, wo Lingam arbeitete und Mues seine Ausbildung machte. Lingam folgte ihm dann später nach Wallen, erst als Aushilfe, dann als Aushilfskoch. Heute ist er festangestellter Koch. Zu helfen, das ist übrigens nicht nur Wohlhabenden vorbehalten – Sithamparapillai Lingam spendet seit 26 Jahren von seinem Geld jeden Monat zehn Euro für arme Kinder, „wo ihnen geholfen wird, ist egal; Hauptsache, es wird geholfen“.