Hilfe für Familie Zimmermann aus Holthausen

Raphael, Emil, Melanie und Elena Zimmermann
Raphael, Emil, Melanie und Elena Zimmermann
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der vierjährige Emil leidet an einer Spastik und sitzt deshalb im Rollstuhl. Um seine Therapie und Hilfsmittel finanzieren zu können, sind seine Eltern auf Spenden angewiesen. Die Welle an Unterstützung, die ihnen entgegenkommt, ist riesig.

Holthausen.. Im Hause Zimmermann ist immer etwas los – kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht an der Haustür schellt oder das Telefon klingelt. Das Ungewöhnliche daran: Oft sind es weit entfernte Bekannte oder sogar wildfremde Menschen, die vorbeikommen und der jungen Familie ihre Hilfe anbieten.

Erschütternde Diagnose

Erst als Emil schon ein halbes Jahr alt war, stellten die Ärzte fest, dass er einen bleibenden Hirnschaden erlitten hat. Während der Geburt, vielleicht auch einige Tage vorher oder nachher, muss er zu wenig Sauerstoff bekommen haben. „Dadurch haben sich Zysten in seinem Kopf gebildet, die die Motorik und das Sehvermögen beeinträchtigen“, sagt Emils Mutter Melanie Zimmermann. Den Tag, an dem die Ärzte ihr die Diagnose mitteilten, wird die 34-Jährige wohl nie vergessen: „Da ist für uns erstmal eine Welt zusammengebrochen.“

Wegen seiner Spastik entwickelt sich Emil deutlich langsamer als andere Kinder in seinem Alter. Um ihn möglichst gut zu fördern, wollten Melanie und Raphael Zimmermann ihren Sohn für eine spezielle Therapie in Hamburg anmelden. Das Problem: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für diese Behandlungsform nicht. Nach einiger Bedenkzeit entschlossen sich die beiden, einen Spendenaufruf zu starten. „Es war zuerst eine Überwindung für uns, weil man ja ungern andere Leute um Geld bittet“, sagt Melanie Zimmermann. deshalb habe sie auch nicht mit so viel Resonanz gerechnet.

Emil macht große Fortschritte

Seit rund einem Jahr spenden Firmen, Vereine und Privatleute regelmäßig für Emil. Die Kosten für die Therapie in Hamburg betragen rund 9000 Euro pro Jahr. Der Kreis übernimmt 1300 Euro, den Rest finanzieren die Zimmermanns über Spenden. Außerdem mussten sie einen Rollstuhl für Emil anschaffen und einen Bulli kaufen, in dem genug Platz ist.

Bald soll außerdem ein Aufzug an das Haus der Familie in Holthausen gebaut werden, denn langsam ist Emil zu schwer, um ihn mehrmals am Tag die Treppe hoch- und runterzutragen. Laufen kann der Vierjährige zwar noch nicht, in der Therapie hat er aber trotzdem schon große Fortschritte gemacht. „Dass er sitzt und sich alleine aufrecht hält, wäre vorher gar nicht denkbar gewesen“, sagt Raphael Zimmermann.

Zweimal pro Jahr fährt die ganze Familie für mehrere Wochen nach Hamburg. Dort macht Emil eine spezielle Bewegungstherapie, bei der jeder Tag genau gleich abläuft. „Es sind immer die gleichen Bewegungen, die möglichst in dem Areal des Gehirns abgespeichert werden sollen, das noch gesund ist“, erklärt Emils Vater. Das Ziel der Therapie ist, dass Emil irgendwann möglichst viele alltägliche Dinge selbstständig erledigen kann, vom Essen bis zum Zähneputzen. Wie weit genau er kommen wird, wagt aber kein Therapeut vorauszusagen.

Leben als großer Bruder

Der Alltag bei den Zimmermanns ist durchgeplant – beide Eltern arbeiten, Emil geht vormittags in den Kindergarten. Nachmittags steht fast jeden Tag eine Therapie an, Physiotherapie, Turnen oder Reiten. Die Urlaubstage gehen für die Fahrten nach Hamburg drauf. „Natürlich ist unser Familienleben ganz anders als bei anderen, aber wir haben uns damit arrangiert – auch weil wir einfach tolle Freunde und Familien haben“, sagt Melanie Zimmermann. Emil selbst scheint auch zufrieden zu sein, die meiste Zeit des Tages strahlt er. Seit sechs Wochen hat er dazu noch einen weiteren Grund: Er ist mittlerweile zum großen Bruder geworden. Die kleine Elena ist der vierte Kopf der Familie Zimmermann.