„Hier in Eslohe ist die Welt noch in Ordnung“

Rüdiger Haertel ist neuer Leiter der  Hauptschule Eslohe.
Rüdiger Haertel ist neuer Leiter der Hauptschule Eslohe.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
An der Esloher Hauptschule ist vieles anders als an anderen Hauptschulen. Seit einigen Wochen ist Rüdiger Haertel neuer Schulleiter. Immer wieder ist er seitdem positiv überrascht. Wir haben mit dem 52-Jährigen gesprochen.

Eslohe.. Frage: Herr Haertel, haben Sie sich an der Schule schon eingelebt?

Rüdiger Haertel: Sagen wir, ich bin gerade dabei, mich einzuleben. Momentan befinde ich mich noch in der Orientierungsphase. Ich habe mich inzwischen in fast allen Klassen persönlich vorgestellt. Eingelebt habe ich mich zu etwa 80 Prozent.

Wie würden Sie Ihre ersten Eindrücke schildern?

Ich bin absolut positiv überrascht von der Schülerschaft. Die Esloher Hauptschüler sind die leistungsstärksten, die ich in den vergangenen Jahrzehnten kennen gelernt habe. Der Bezirksgeschäftsführer der Barmer-GEK, Peter Gersthagen, der mit unseren Schülern das Bewerbungstraining macht und Einblicke in viele andere Schulen bekommt, hat zuletzt von Realschulniveau gesprochen. Ich habe hier in Eslohe in den vergangenen Wochen viele wissbegierige, interessierte und freundliche Schüler kennen gelernt.

Was glauben Sie? Woran mag der Unterschied zu Hauptschülern anderer Orte liegen?

Hier in Eslohe ist die Welt noch in Ordnung. Viele der Kinder kommen aus einem gesicherten sozialen Umfeld und sind gut erzogen. Das habe ich zum Beispiel an meiner Schule in Hemer völlig anders erlebt. In Eslohe wird sehr deutlich, dass die Hauptschule keineswegs eine „Resteschule“ ist. Hier im Ort ist die Hauptschule akzeptiert - von der Bevölkerung, der Gemeindeverwaltung und der Politik. Und das finde ich sehr erfreulich. Meines Erachtens ist die Hauptschule im Schulsystem wichtig und notwendig. Sekundarschulen und die Gesamtschulen sind auch nicht immer das einzig Wahre.

Wo sehen Sie denn die Vorteile der traditionellen Hauptschule gegenüber den neuen Schulformen?

Ganz klar in den kleineren Lerngruppen und in der Dimension der Schule insgesamt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen der Hauptschule ist es wichtig, verstärkt einen Blick auf jeden einzelnen Schüler zu haben. Das ist bei einer Klassenstärke von 30 Schülern an einer Gesamtschule kaum möglich. Ich bin kein Freund dieser großen Systeme und überzeugt, dass es in ein paar Jahren wieder einen Run auf die traditionellen Schulen geben wird. Eine kleinere Schule sorgt bei den Kindern und Jugendlichen für eine größere Identifizierung. Die Bindung ist viel enger.

Die Hauptschule Eslohe ist mit 260 Schülern und 17 Kollegen ziemlich klein. Hat das auch Nachteile?

Die Aufgaben sind an jeder Schule die gleichen. Wenn ich an einer kleinen Schule bin, habe ich weniger Schultern, auf die diese Aufgaben verteilt werden müssen. Das ist natürlich ein Nachteil. Ich habe hier bislang aber ausschließlich sehr offene und engagierte Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Wir sind hier so eine Art Familienunternehmen, das empfinde ich als sehr positiv, weil sehr viel miteinander gesprochen wird. Zudem ist auch der Kontakt zur Schulleitung der Realschule hervorzuheben. Hier wird untereinander gut zusammengearbeitet. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass sich die beiden Schulformen auf Augenhöhe begegnen. Auch das habe ich schon anders erlebt.

Was werden Ihre Aufgaben in der nächsten Zeit sein? Haben Sie Veränderungen geplant?

Wie gesagt, ich befinde mich zurzeit noch in der Orientierungsphase. Ausbaufähig ist sicherlich noch die individuelle Förderung der einzelnen Schüler und auch im Bereich der Inklusion gibt es noch Entwicklungspotenzial. Hier fangen wir in Eslohe aber gerade erst an. Wir wollen die Schul-Homepage überarbeiten und werden uns auch mit dem Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ beschäftigen.

Beschreiben Sie die Esloher Hauptschule kurz und knapp.

Ein Traum!