Haus mit wechselvoller Geschichte

Schmallenberg..  Lange Zeit gehörte das Haus an der Weststraße 1 der jüdischen Familie Stern. 1938 wohnten dort Besitzerin Anna Stern, ihre Söhne Max und Emil Stern mit Familie sowie die Schwiegermutter von Max Stern, die Witwe Bertha Mansbach.

1941/42 erhielt ein nichtjüdischer Schmallenberger die Eigentumsrechte, die er aber nach dem Krieg durch Gerichtsbeschluss wieder verlor. Emil Friedrich beantragte 1948 eine Baugenehmigung für die Instandsetzung eines Stallgebäudes und die Einrichtung einer Speisewirtschaft.

In der Baubeschreibung heißt es unter anderem, dass das Haus an der Weststraße 1 eines der ältesten Gebäude in Schmallenberg sei. Nach der genehmigten Bauzeichnung wurde an der Straße zum Schützenplatz eine neue Eingangstür gebrochen. Über die gelangte man unmittelbar in den neuen Speise- und Ausgaberaum.

Die erste Eisdiele der Stadt

Ferner war die Einrichtung eines Ladens mit zwei Räumen an der Weststraße geplant, der aber zunächst abgelehnt wurde. Man muss aber davon ausgehen, dass er 1949 doch noch genehmigt wurde, denn am 3. Dezember 1949 mietete die Firma Wilhelm Föster aus Fredeburg zwei Räumlichkeiten an der rechten Seite des Gebäudes für ein Elektrogeschäftes an. Der Eingang befand sich an der Weststraße.

Die Speise- und Gastwirtschaft am Schützenplatz wurde bis 1954 von Emil Friedrich betrieben. Ab 1952 befand sich in diesen Räumen auch die erste Eisdiele Schmallenbergs.

1950 wurde das einzige Familienmitglied, das den Holocaust überlebt hatte, Erna Seite, geb. Stern, die in Iserlohn lebte, als Eigentümerin in das Grundbuch eingetragen.

Das Anwesen wurde 1954 geteilt. Den Gebäudeteil an der Weststraße kaufte der Elektromeister Wilhelm Föster aus Fredeburg. Das Wirtschaftsgebäude am Schützenplatz 5/7 ging in den Besitz des Kaufmanns Emil Friedrich über.

In einem Zeitungsartikel wird am 18. August 1954 berichtet, dass das Eiscafé im Vorderteil des Hauses am Schützenplatz bis zum Ausbau durch die Elektrofirma W. Föster erhalten bleibt. Aus diesem Grund wurde das Eiscafé 1954 umgestaltet und erweitert. Man gelangte zu den neuen Räumen über einen „Rundbogeneingang mit roter Polsterung und Vorhang.“

Nach der Umgestaltung war in der Tageszeitung zu lesen, dass das neueinrichtete „Eiscafé Friedrich“ in seiner Art mehr als eine örtlich begrenzte Sensation sei. Nach wie vor gehörte hierzu auch noch die Speise- und Gastwirtschaft.

Radio- und Fernsehgeschäft

Ab 1957 wird das Lokal unter dem Namen „Parkcafé Friedrich“ geführt. Emil Friedrich gab es aber zum 31. Dezember 1959 auf und verkaufte 1960 den Gebäudekomplex an Wilhelm Föster.

Noch im gleichen Jahr ließ Wilhelm Föster den gesamten Gebäudekomplex an der Weststraße 1 abreißen und errichtete einen Neubau für ein Radio- und Fernsehgeschäft.

Während der Bauzeit 1960/61 befand sich das Elektrogeschäft in unmittelbarer Nähe in einer angemieteten Garagen der Drogerie Bergenthal an der Weststraße 20. Die Räumlichkeiten des Eiscafés am Schützenplatz wurden verpachtet.

Legendäre „Parkklause“

Danach wurde das Lokal unter dem Namen „Parkklause“ von Heinrich Roger betrieben. Das Café wurde aufgegeben und das Lokal als Gastwirtschaft weitergeführt. Roger war in Fachkreisen besonders unter dem Namen „Heini vom Pferdemarkt“, ein Hamburger Original, bekannt. Er hatte bis dahin ein bunt schillerndes Leben hinter sich. Er filmte zusammen mit Hans Albers in den Filmen „Herz auf St. Pauli“ und „Bomben auf Monte Carlo“ und kannte viele berühmten Leute wie Max Schmeling, Ivan Desny, Magda Schneider und viele andere. Mit 61 Jahren suchte er etwas Ruhigeres und fand es in Schmallenberg.

1969 erfolgte ein Umbau und die Außenfront wurde renoviert. Mit diesem Umbau wurde auch das alte Fachwerkgebäude am Schützenplatz 7 abrissen und in den 1960/61 errichteten Neubau an der Weststraße 1 integriert. Zuvor hatte Roger die Parkklause aufgegeben.