Gleichzeitig Ingenieur und Lehrer

Meschede / Paderborn..  Lehrkräfte mit gewerblich-technischen Fachrichtungen an Berufskollegs sind ein knappes Gut. Finanziell unterstützt durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen soll das Projekt „Edu-Tech Net OWL“ dem Lehrkräftemangel jetzt begegnen: Fachhochschul-Absolventen können sich durch pädagogische Zusatzkurse für den „Master of Education“ und damit für ein Lehramtsstudium qualifizieren. Die ersten Ingenieur-Studenten der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede nutzen jetzt die Chance auf diese zusätzliche Berufsperspektive.

Pädagogin betreut Studierende

„Einerseits öffnen sich für mich neue Türen, andererseits macht es mir Spaß, anderen Sachverhalte zu erklären, mit denen sie etwas anfangen können“, erklärt Mathis Rüther seine Motivation für die Zusatzausbildung. Er studiert im dritten Semester Maschinenbau in Meschede und besucht im Wintersemester 2014/15 zusätzlich die Veranstaltung „Unterricht und Allgemeine Didaktik in der beruflichen Bildung“. Mathis Rüther ist gespannt: „Ich fange meistens hinten an, wenn ich etwas erklären möchte“. Das soll sich jetzt ändern.

Den ersten Zugang zur Didaktik schafft Diplom-Pädagogin Sabine Linden. Sie koordiniert die Lehrangebote an den Standorten Meschede und Soest und betreut die Studierenden. Die meisten Teilnehmer des Projekts möchten nach dem Fachhochschul-Abschluss in den Master of Education an der Universität Paderborn einsteigen und die damit verbundene Berufsperspektive Lehrer anstreben.

Einige wollen erst ein paar Jahre in der Industrie arbeiten, sich aber die Möglichkeit offen halten, später Lehrer zu werden. „Sie haben eigentlich alle schon den Lehrerjob in der Tasche, denn die Einstellungsperspektiven sind sehr gut“, ermutigt Sabine Linden die Studierenden.

Lehrkräftemangel an Berufskollegs

Die ausgezeichneten schulischen Berufsperspektiven haben ihre Ursache im Lehrkräftemangel an Berufskollegs. In den Jahren 2008 bis 2011 konnten in der Elektrotechnik nur 45,1 Prozent der ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt werden.

Im Maschinenbau waren es sogar nur 30,4 Prozent, Tendenz fallend. Aber entzieht man durch das Projekt nicht gleichzeitig dem Arbeitsmarkt dringend benötigte Ingenieure? „Im Gegenteil“, meint Andreas Bolte von der Universität Paderborn. Er betreut das Projekt im Zentrum für Bildungsforschung und Lehrerbildung.

„Langfristig erreichen wir so eine bessere Versorgung der Industrie mit Fachkräften“, so Bolte. Zum einen benötigt diese auch Fachkräfte ohne Studium, die an Berufskollegs ausgebildet werden. Zum anderen kommen über die berufliche Bildung auch wieder Studierende an die Fachhochschulen. „Und so schließt sich der Kreis.“