Geschäftsmann als Drogen-Züchter erfolgreich

Freienohl..  Er ist Geschäftsmann und er handelte wie einer. Fein säuberlich vermerkte er, dass er 1392,98 Euro investiert hatte und sammelte alle Belege. Irgendwann hätten sich seine Investitionen auch rechnen sollen. Die Investition aber war illegal: Der 29-Jährige zog damit eine Cannabis-Plantage in Freienohl auf.

Das Schöffengericht Meschede verurteilte den Firmenbesitzer gestern wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu elf Monaten Haft. Die Strafe wurde für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt: Denn der 29-Jährige gestand alles ein und war bislang nicht vorbestraft. Er muss außerdem 5000 Euro Geldstrafe an einen Montessori-Kindergarten und an die Suchthilfe in Meschede zahlen.

51 Pflanzen

Die Plantage hatte die Polizei im vergangenen Juni bei einer Durchsuchung entdeckt: Vier ausgewachsene Pflanzen, dazu 23 kleine und 24 Setzlinge. Es fand sich auch eine Ecstasy-Tablette (für den Eigenbedarf) und ein Päckchen mit Cannabis-Samen, die der Mann nach Österreich schicken wollte – dazu wollte er vor Gericht aber nicht mehr verraten. Auf die Spur gekommen war man dem Freienohler durch ein ganz anderes Ermittlungsverfahren: Die Polizei hatte in Kleve bei einem Dealer Briefsendungen mit Kokain entdeckt. Ein Brief mit einem Gramm Kokain war an den Freienohler adressiert – auch das sei für seinen Eigenkonsum bestellt gewesen, räumte er ein.

Eigenbedarf weit übertroffen

Seit fünf, sechs Jahren will der Mann täglich ein halbes bis ein Gramm Cannabis selber konsumiert haben. Irgendwann kam ihm die Idee, „weil es doch sehr teuer ist“, seine Ausgaben für Drogen einsparen zu können und das Rauschgift selbst in seinem Haus anzubauen: „Das war als Vorrat gedacht, zum Eindecken. Ich wollte sehen, was daraus wird.“ Und die Rauschgift-Zucht glückte ihm besonders: 917 Gramm Hanf mit erheblichem Wirkstoff stellte die Polizei sicher. Diese Menge wiederum hätte den Eigenbedarf weit übertroffen. Der 29-Jährige räumte ein: „Wahrscheinlich hätte ich von dem Ertrag auch was verkauft. Geplant war es nicht.“

Eben wegen der Menge, wegen des langen Tatzeitraums von einem Jahr und wegen der Professionalität, die der Mann an den Tat legte, beantragte Oberstaatsanwalt Thomas Poggel eine höhere Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. „Guten Gewissens kann man nicht mehr von Cannabis als ‘weicher Droge’ sprechen“ – denn immer offensichtlicher würden die langfristigen Folgen mit psychischen Schäden nach dem Konsum. Das Schöffengericht stufte es dennoch als minderschweren Fall ein, unter anderem, weil der Angeklagte alle Vorwürfe einräumte und ein geordnetes Leben führt. Für die Verteidigung stand auch fest: Cannabis sei aktuell nun einmal eine weiche Droge, die Diskussion um seine Legalisierung werde nicht ohne Grund geführt.