„Gebt den Schulen Zeit, Reformen umzusetzen“

Hans-Josef Wessel vom Schulamt (links) überreicht Fritz Gräbener seine Entlassungsurkunde.
Hans-Josef Wessel vom Schulamt (links) überreicht Fritz Gräbener seine Entlassungsurkunde.
Foto: Frank Selter
Was wir bereits wissen
Die Esloher Raphael-Grundschule hat gestern in einer rührenden Feierstunde ihren Schulleiter Fritz Gräbener verabschiedet.

Eslohe..  Wenn heute der Schulgong die großen Ferien einläutet, beginnt für Gräbener der Ruhestand.

Sie waren 15 Jahre Grundschul-Rektor. Haben sich die Schüler in dieser Zeit verändert?

Fritz Gräbener: Ja, die heutige Generation wächst mit ganz anderen Kommunikationsmöglichkeiten auf und auch die Generation in 15 Jahren wird sich wieder von der heutigen unterscheiden. Was bleibt: Kinder sind wissbegierig und wollen lernen. Diesen Prozess müssen wir mit all unseren Kräften unterstützen.

Der letzte Tanz mit den Schülern

Inwiefern hat sich für Sie und ihre Kollegen die Arbeit gewandelt?

Die Grundschullandschaft ist in den letzten zehn Jahren dramatisch umgebaut worden. Neben den neuen Richtlinien und Lehrplänen, die kompetenzorientiert aufgebaut sind, haben vor allem die Schulrechtsänderungsgesetze 8 und 9 tiefe Spuren hinterlassen. Das Thema Inklusion ist in aller Munde, aber viele Kolleginnen und Kollegen fühlen sich allein gelassen und auch überfordert.

Wie hat sich der Grundschulverbund mit Wenholthausen entwickelt?

Da alle Beteiligten mit einer positiven Einstellung an die Sache heran gegangen sind: wirklich gut. Die einfachste Lösung wäre natürlich die Zusammenlegung an einem Standort gewesen. Aber gerade die Elternschaft in Wenholthausen, wie auch eigentlich das gesamte Dorf, haben vehement für den Erhalt ihrer Schule gekämpft. Mit großem Einsatz und vielen innovativen Ideen hat man die Attraktivität des Standortes gesteigert und man kann nur hoffen, dass diese Arbeit Früchte trägt.

Haben Sie als scheidender Rektor einen Wunsch an die Politik?

1. Investiert in die Bildung, hier ist jeder Euro gut angelegt für die Zukunft des Standortes Deutschland. 2. Gebt den Schulen Zeit, die vielen Reformen der letzten Jahre mit Augenmaß umzusetzen.

Woran erinnern Sie sich rückblickend besonders gern?

An unsere letzten beiden Schulfeste. Wir haben 2008 als eine der ersten Schulen im HSK ein Zirkusprojekt mit Aufführungen auf die Beine gestellt, von dem noch heute alle Beteiligten schwärmen. 2012 haben wir innerhalb weniger Tagen unter Anleitung der Fa. „Trommelzauber“ ein Musical einstudiert und aufgeführt. Gerade bei diesen Projekten konnte man deutlich spüren, wie begeisterungsfähig und einsatzbereit Kinder sind.

Haben Sie sich auch mal besonders geärgert?

Ja, als mit der Einführung der neuen Schuleingangsphase die Schulkindergärten aufgelöst wurden. Hier hat man den Kindern, die eine behutsame Hinführung in den Schulalltag benötigten, eine hervorragende Möglichkeit genommen.

Wie sehen Sie die Esloher Schullandschaft langfristig?

Es gibt in Eslohe - auch bedingt durch die positive Einstellung des Schulträgers zu seinen Schulen - eine intakte Schullandschaft. Aber der demografische Wandel macht natürlich keinen Bogen um Eslohe. Die Grundschulsituation wird vermutlich zu einem Dreierverbund Eslohe-Wenholthausen-Reiste führen. Die beiden Schulen der Sekundarstufe I leisten hervorragende Arbeit und werden dadurch auch zunehmend von Eltern aus Nachbarkommunen für ihre Kinder gewählt. Ob sie einmal zu einer Einheit verschmolzen werden (müssen), wird die Zukunft zeigen.

Wie werden Sie den Ruhestand verbringen?

Meine Frau und ich verlegen im Sommer unseren Wohnsitz in die Holsteinische Schweiz, wo wir uns 2001 einen Resthof gekauft und diesen in den letzten Jahren nach unseren Vorstellungen um- und ausgebaut haben. Natürlich werden wir immer wieder ins Sauerland zurückkehren, denn hier leben unsere drei Kinder mit ihren Familien und unseren Enkelkindern.