Fräulein Pfeil aus der Volksküche

Schmallenberg..  Von November 1944 bis August 1956 gab es in Schmallenberg eine sogenannte Gemeinschaftsküche. Man nannte sie auch „Volksküche“.

Die Gemeinschaftsküche für Arbeiter, Schüler, Flüchtlinge, Vertriebene und andere befand sich ab 1944 zunächst in der Baracke der Firma Falke-Rohen, In der Tränke, die im Sommer 1944 errichtet wurde. Nach kurzer Zeit ging es von hieraus in das alte Schützenzelt.

Erfindung in der Not

In der Pfarrchronik von 1944 ist zu lesen, dass für die Flüchtlinge aus der Aachener Gegend im Schützenzelt eine Gemeinschaftsküche eingerichtet wurde. Für Schmallenberg war es ein Glücksfall, dass Fräulein Pfeil mit Sachverstand, Freude und viel Liebe couragiert an die Arbeit ging.

Verwertet wurden auch Lebensmittel, die man heute nicht einmal ansehen würde. „Es hängt immer davon ab, wie die Zeiten sind“, pflegte Fräulein Pfeil zu sagen. Sicher werden sich noch viele Schmallenberger an ihre humorvolle Art erinnern. Wenn sie sagte: „Ich bin eine doppelkohlensaure Jungfrau“, spielte sie auf ihren Geburtsort Gerolstein an.

Fräulein Pfeil verstand es, unter den Vertriebenen Hilfskräfte zu mobilisieren, die ihr zur Seite standen. Unvergessen ist hier Fräulein Bittner, eine Schlesierin, mit der sie später befreundet war. Rasch wusste sie auch die Schmallenberger Handwerker für ihre Arbeit zu interessieren. Die Späne und Holzabfälle für den vorsintflutlichen Herd kamen aus der Schreinerei Hardebusch am Selbend.

Essen für 1,50 D-Mark

1947 gab es in Schmallenberg 363 hilfsbedürftige Familien und Einzelpersonen. Es herrschte also eine große Not. Die Gemeinschaftsküche erfreute sich großer Beliebtheit, weil es dort stets ein gutes Essen für einen Preis von 1,50 D-Mark gab, der auch für sozial schlecht gestellte Leute erschwinglich war. Das war auch auf das Entgegenkommen der Schützengesellschaft zurückzuführen, die keine Miete erhob und auf die Zahlung der Nebenkosten verzichtete.

In dem kleinen sauberen Speiseraum der Gemeinschaftsküche im Schützenzelt wurde jeden Tag das Essen zubereitet und ausgeteilt. Ein heimatvertriebener Witwer und Invalide, der seit den Anfängen dort „Stammkunde“ war, führte einmal aus, dass es ihm in der Gemeinschaftsküche immer gut geschmeckt habe, „Gott sei Dank – ein Gasthausessen können wir uns nicht leisten.“

Abbruch des Schützenzelts

Mit dem Abbruch des alten Schützenzeltes im Jahre 1954/55 wurde allerdings auch der darin eingerichteten Gemeinschaftsküche das Dach über dem Kopf weggenommen. Zum 10. August 1954 kündigte die Schützengesellschaft die Räumlichkeiten für die Gemeinschaftsküche.

Den Fortbestand dieser Einrichtung in anderer Form (etwa „Volksspeisehaus“) zu sichern, dafür bestand keine rechtliche und formelle Verpflichtung der öffentlichen Hand. Hierin liegt gewiss etwas Tragik für die wirklich Betroffenen. Für sie war es ein schwacher Trost, zu argumentieren, dass die Aufgabe der Gemeinschaftsküche schon zur Währungsumstellung hätte erfolgen können., ein Akt, der zu jener Zeit der „Normalisierung“ vielleicht weniger bedeutungsvoll empfunden worden wäre als 1954.

Was auch immer zu diesem Problem zu sagen war – es wurde bald Tatsache: Mit dem Abbruch der alten Schützenhalle ist das Schicksal der Gemeinschaftsküche besiegelt.

Aber die Schmallenberger hatten einen Ausweg, und zwar wurde die Gemeinschaftsküche in den Nebengebäuden der Drogerie Bergenthal, Weststraße 20, weitergeführt. Man kann davon ausgehen, dass die Gemeinschaftsküche in dem Nebengebäude der Drogerie Bergenthal gegen Ende 1956 endgültig geschlossen wurde.

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