„FDP steht unter dem Druck, ihr Profil aufzubessern“

Windkraft..  Obwohl die Windenergiepolitik der Landesregierung ja reichlich Angriffsfläche bietet und Kritik an dem rot-grünen Kurs verständlich und auch berechtigt ist, wirkt es auf einen Bürger mit streng ökologischer Gesinnung doch sehr befremdlich, wenn ausgerechnet eine dem Wirtschaftslobbyismus das Wort redende Partei sich zum Sprachrohr des Widerstandes gegen diese Form der Energieerzeugung macht!


Meines Erachtens tut das die FDP, weil ihr der von vielen Bürgerinitiativen getragene, voll im Trend liegende Protest gegen die Verspargelung der Landschaft opportun erscheint und sich daraus parteipolitischer Nutzen ziehen lässt. Schließlich steht die nahezu bedeutungslos gewordene FDP unter dem Druck, ihr Profil aufzubessern, um in der stets üppiger ausgestatteten Parteienlandschaft wieder ernst genommen zu werden! Und dazu eignet sich das Thema Windkraft vortrefflich, um in Gestalt des Natur- und Landschaftsschützers auf Stimmenfang zu gehen. Diese völlig unglaubwürdige ökonomisch-ökologische Kehrtwende soll jedoch nur davon ablenken, dass die Liberalen, sei es auf Bundes- oder Landesebene, ansonsten als eifrige Befürworter z. B. von überdimensionierten Straßen kreuz und quer durch die Republik in Erscheinung treten und auch bei anderen industriellen Großprojekten sich stets als die treibende Kraft hervortun. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Bürgerbeteiligung! Als seinerzeit noch eine rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf amtierte, sprach sich die FDP beispielsweise dafür aus, im Zuge der Verwirklichung von Straßenbauprojekten fachliche Einwände von Bürgern und Umweltorganisationen erst dann zuzulassen, wenn die Planungsphase schon abgeschlossen ist und mit den Baumaßnahmen bereits begonnen wurde. Das ist Industriepolitik in Reinform!


Franz-Josef Strauß, gewiss kein konservativer Bewahrer, urteilte damals über die FDP: „Das einzig berechenbare an dieser Partei ist ihre Charakterlosigkeit.“ Da hatte er ausnahmsweise recht. Ich meine, die FDP sollte nicht vergessen, wo sie herkommt!

Karl Josef Knoppik
, Stockhausen