Familienstreit – Mann (51) bedroht Bruder mit Kettensäge

„Ich konnte nichts anderes machen“: Mit einer Motorsäge bedrohte in Bestwig ein Mann seinen Bruder.
„Ich konnte nichts anderes machen“: Mit einer Motorsäge bedrohte in Bestwig ein Mann seinen Bruder.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Mit seiner Motorsäge hat ein Mann in Bestwig die Eingangstür seines Bruders zersägt. Jetzt musste er sich im Mescheder Amtsgericht verantworten.

Bestwig.. Trautes Heim, Glück allein? Aber nicht bei diesen beiden Brüdern in Bestwig. Der eine stand plötzlich vor der Wohnungstür des anderen, bewaffnet mit einer Kettensäge – und sägte ihm damit die Eingangstür kurz und klein: „Du fettes Schwein, jetzt bist du dran!“, soll er dabei gerufen haben.

Der Bedrohte rief die Polizei. Sein 51 Jahre alter Bruder fand sich in der Psychiatrie in Warstein wieder, für 14 Stunden. Das juristische Nachspiel gab es jetzt vor dem Mescheder Amtsgericht, wo sich der Kettensäger wegen Bedrohung und Beleidigung verantworten musste.

„Terror“ im Elternhaus

Nein, diese Brüder, die inzwischen eine Erbengemeinschaft bilden, mögen sich nicht. Da wurde vor Gericht viel schmutzige Wäsche gewaschen. Erst kurz vor dem Tod des Vaters, den der Angeklagte pflegte, sei der Jüngere wieder zuhause aufgetaucht und im Elternhaus eingezogen. Sein Bruder habe ihn „terrorisiert“, sagte der Angeklagte, außerdem die Eltern immer „angepumpt“.

Einen konkreten Anlass, ausgerechnet an jenem Juni-Tag im letzten Jahr die Säge anzuwerfen, gab es nicht, nur wieder: „Der hat Terror gemacht.“ Und die Gelegenheit war günstig: „Die Motorsäge sprang sofort an. Da habe ich die Tür klein gesägt. Ich konnte nichts anderes machen“ – er habe eben einfach „Brass“ auf den Bruder gehabt.

Der arbeitslose Handwerker bezeichnet sich selbst als seit zwei Jahren trockener Alkoholiker – gerade deswegen sei er aber in seinem gelernten Beruf nicht mehr so sicher: „Ich bin nicht mehr richtig eingestellt. Seit ich nicht mehr trinke, bin ich schlapp geworden“, glaubt er. Der Angeklagte steht unter Betreuung seines Verteidigers, der seinen Mandanten als psychisch labil bezeichnete.

Auflage sind 75 Sozialstunden

Richter Philipp Weidlich wollte dem Angeklagten ins Gewissen reden: „Auch wenn man noch so Brass auf jemanden hat: Man darf doch nicht mit einer Kettensäge kommen. Das ist nicht ohne!“ „Der sollte doch Angst bekommen“, entgegnete ihm der Säger. Am Ende gewann er dann doch die Einsicht, falsch gehandelt zu haben. Inzwischen ist der Kettensäger, nach 42 Jahren, auch aus dem Elternhaus ausgezogen: So wird ein erneutes Zusammentreffen vermieden.

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Als Auflage muss der 51-Jährige innerhalb von vier Monaten 75 Sozialstunden ableisten. Als Wunschort dafür äußerte der Angeklagte das Bergwerk in Ramsbeck: Da sei er schließlich vor 30 Jahren mal schwarz gefahren...