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Fall Dehler: „Da wird ein Schiff bewusst auf Grund gesetzt“

23.05.2012 | 05:00 Uhr
Fall Dehler: „Da wird ein Schiff bewusst auf Grund gesetzt“
Eine Dehler-Yacht in voller Fahrt. In Meschede glaubt man nicht an angebliche Synergieeffekte, die durch eine Verlagerung der Produktion von Freienohl an die Ostsee entstehen sollen.

Freienohl  Die Fassungslosigkeit dominiert am ersten Tag nach Bekanntwerden der Dehler-Schließung. Im Mescheder Rathaus bereitete Bürgermeister Uli Hess ein erstes Protestschreiben vor, dass heute an den Vorstand der „Hansegroup“ in Greifswald herausgehen soll.

. Die Fassungslosigkeit dominiert am ersten Tag nach Bekanntwerden der Dehler-Schließung. Im Mescheder Rathaus bereitete Bürgermeister Uli Hess ein erstes Protestschreiben vor, dass heute an den Vorstand der „Hansegroup“ in Greifswald herausgehen soll.

Charakterlos und niederträchtig

„Es ist der blanke Hohn, was da passiert“, sagte Hess gestern. Nicht ansatzweise sei die Werft-Schließung in Freienohl und deren Verlegung an die Ostsee zu erwarten gewesen. Um in der maritimen Sprache zu bleiben: Hess teilt den Verdacht der Gewerkschaft, „da wird ein Schiff bewusst auf Grund gesetzt“. Das teure Marktsegment von Dehler solle aufgegeben werden, damit die Aktiengesellschaft ihre Billigprodukte besser veräußern könne. Hess meint, das Unternehmen sei sich gar nicht bewusst, „was für ein Imageverlust der Gruppe droht“. Dehler sei immer ein „Flaggschiff“ in Seglerkreisen gewesen. Die Synergie-Effekte, die aus Greifswald als Erklärung für die Verlagerung an die Ostsee angegeben werden, nennt der Bürgermeister „fadenscheinig“: Nur einmal pro Woche habe es Transporte von Modulen in Richtung Greifswald gegeben – dies sei aber zum Beispiel auch in der Automobilindustrie durchaus üblich, ohne diese Just-in-time-Transporte funktioniere das ganze System gar nicht.

Beim Umgang des Arbeitgebers mit seiner Belegschaft fällt dem Bürgermeister das Wort „schofel“ ein – das ist jiddisch für „niederträchtig“ oder „charakterlos“: „Hier wird vom Grünen Tisch entschieden.“ Es sei leicht ausgesprochen, dass die 85 Beschäftigten mit an die Ostsee wechseln könnten: „Die arbeiten seit 20 Jahren und länger bei Dehler. Die Menschen sind mit Freienohl und Meschede verwurzelt. Die können doch nicht ohne Weiteres ihren Wohnstandort wechseln.“ Hess sieht dahinter die Beteiligungsgesellschaft Aurelius am Werk: „Die wollen Kasse machen und denken nicht an die Menschen. Denen geht es nur um die Kohle.“ Stillschweigend will der Bürgermeister diesen Verlust an Arbeitsplätzen nicht hinnehmen. Er erklärt sich mit der Belegschaft und der Gewerkschaft solidarisch, „notfalls fahren wir hin“. Und er setzt auf eine konzertierte Aktion aus Freienohl: „Da waren die Freienohler immer gut darin.

Ein Schlag ins Gesicht

Volker Arens, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft, war von den Dehler-Ereignissen ebenso überrascht: „Da waren keine Vorzeichen erkennbar. Das ist keine freudige Nachricht, 85 Arbeitsplätze in der Stadt zu verlieren.“ Ihm macht nur die gute Wirtschafts- und Beschäftigungssituation Hoffnung, dass die Dehler-Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz finden.

Auch Christoph Weber, Vorsitzender des Bezirksausschusses Freienohl, hat die Nachricht kalt erwischt. „Die Mitarbeiter waren immer sehr vorsichtig, doch zuletzt zuversichtlich, weil es ja stetig aufwärts ging.“ Dass die Hansegroup schon seit 2009 geplant hatte, „den Standort platt zu machen“, schockiert ihn besonders. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle.“

Jürgen Kortmann



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