Experten entdecken Hohlraum unter der Erde

Projektleiter Dr. Michael Neumann an der Baustelle neben der Kreisstraße 71. Über den Trichter wird der Beton in den Hohlraum gefüllt. Für die notwendigen Bohrungen wurde ein Stück des Hangs abgetragen.
Projektleiter Dr. Michael Neumann an der Baustelle neben der Kreisstraße 71. Über den Trichter wird der Beton in den Hohlraum gefüllt. Für die notwendigen Bohrungen wurde ein Stück des Hangs abgetragen.
Foto: Frank Selter
Die Baustelle neben der Kreisstraße 71 zwischen An­dreasberg und Wasserfall ist unscheinbar. Ein bisschen Schotter am Boden, rot-weiße Warnbaken, ein paar Rohre, die senkrecht im Boden verschwinden. Und dennoch ist diese Baustelle eine ganz besondere.

Andreasberg..  Die Sachtleben Bergbau Verwaltungs GmbH verfüllt hier zurzeit einen Hohlraum, der damals beim Erzabbau entstanden ist. „Verfüll-Maßnahmen zur dauerhaften Sicherung eines tagesnahen Erzabbaus“, nennt sich das im Fachjargon.

Erkundungen untertage

Bei planmäßigen Erkundungen im Rahmen ihres Altbergbau-Risikomanagements hatte die Sachtleben Bergbau Verwaltungs GmbH den Abbau aus dem Jahre 1866 entdeckt. „Darauf gestoßen sind wir bei der Auswertung von alten Grubenkarten mit Hilfe eines Geoinformationssystems“, erklärt Diplom-Geologe und Betriebsleiter der Sachtleben Bergbau Verwaltungs- GmbH, Dr. Michael Neumann. Das Problem: Aus den Karten ging die eindeutige Lage nicht hervor. Zudem sei nicht ersichtlich gewesen, ob der Hohlraum nach dem Erzabbau verfüllt wurde. Also mussten sich die Experten untertage einen Zugang zum Abbau schaffen, um ihn erkunden und vermessen zu können.

Schwachstellen finden

„Aufgrund der Messergebnisse und der sich daraus ergebenden Nähe zur Kreisstraße haben wir aus Sicherheitsgründen entschieden, den Abbau mit Beton zu verfüllen“, so Neumann. Eine akute Gefahr, das betont er ausdrücklich, habe jedoch zu keiner Zeit bestanden. Eben dazu sei das Altbergbau-Management ja da - um Schwachstellen zu finden, bevor es akut werde.

Nach den Erkundungsarbeiten untertage ist der alte Abbau mit mehreren Bohrungen erschlossen worden. Seit Anfang April wird der Hohlraum, der laut Neumann an der tiefsten Stelle rund 16 Meter misst, mit rund 1200 Kubikmeter Beton verfüllt. Rund 150 Mal müssen also die Betonmischer anrücken. So soll die Dauerstandsicherheit der Tagesoberfläche wieder hergestellt werden. Das Verfüllen geschehe schrittweise, erläutert Neumann. Erst wenn eine Schicht Beton nach ein bis zwei Tagen ausgehärtet sei, könne die nächste Schicht über einen Trichter in die senkrechten Rohre gefüllt werden. Ende Mai, so ist es geplant, werden die Arbeiten beendet sein.

Bis zur Betriebseinstellung 1974 führte die Sachtleben Bergbau den Betrieb des ehemaligen Erzbergwerkes Ramsbeck für die Metallgesellschaft AG, Frankfurt am Main, heute GEA Group Aktiengesellschaft, Düsseldorf.
Die Sachtleben Bergbau Verwaltungs GmbH (SBV) mit Sitz in Lennestadt verwaltet den Altbergbau der GEA Group Aktiengesellschaft und übernimmt als zuständige Konzerngesellschaft die Aufgabe, für die Sicherung des Altbergbaus zu sorgen.
Die Leitung des Projektes hat der zuständige Betriebsleiter Dr. Michael Neumann, die markscheiderischen (vermessungstechnischen) Arbeiten werden geleitet von Assessor des Markscheidefachs, Dipl.-Ing. Peter Lausecker.
Als Bergbehörde ist die Bezirksregierung für diese Maßnahme zuständig.

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