„Es sollte überhaupt kein Armer unter euch sein“

Meschede..  Mit einer Online-Umfrage „Die Bibel und das Sein“ hatte der Arbeitskreis gegen Armut im HSK von Januar bis Mai 2014 die Einstellung der Hochsauerländer zu einigen Grundaussagen der Bibel rund um das Thema Armut erhoben. Viele Menschen aus der Region haben sich nach Angaben der Organisatoren an der Befragung, die in Zusammenarbeit zwischen DGB, katholischer Arbeitnehmerbewegung, evangelischer Kirche und der Diakonie Ruhr-Hellweg durchgeführt wurde, beteiligt.

„Natürlich sind unsere Ergebnisse bei knapp 300 auswertbaren Fragebögen nicht repräsentativ, aber wir sehen doch recht deutliche Tendenzen“, so der Diakoniepfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Arnsberg, Peter Sinn. Susanne Schulze von der Evangelischen Erwachsenenbildung macht es konkret: „Die Angst, künftig selbst von Armut betroffen zu sein, scheint auch bei denen eine Rolle zu spielen, die sich heute materiell gut abgesichert sehen.“ Wolfgang Zeh vom Deutschen Gewerkschaftsbund ergänzt: „Und die Zukunftsangst ist bei den Älteren besonders stark ausgeprägt.“

Gerd Heiler-Schwarz, Leiter der Wohnungslosenberatung der Diakonie Ruhr-Hellweg, ist überrascht, „wie viele der Befragten Armut eher als schicksalsgegeben hinzunehmen bereit sind – nach dem Motto ‚Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen‘. Wer nicht betroffen ist, fragt, wie jemand in Armut geraten ist. Und denen, die scheinbar schuldlos sind, wird auch gern geholfen. Ich bin allerdings unsicher, ob die Frage der Schuld überhaupt eine Rolle spielen kann.“

Keine „heile Welt“ mehr im HSK

Auch im Hochsauerland gebe es keine heile Welt mehr. „Die Spaltung der Gesellschaft wird deutlich gesehen. Und es wundert mich nicht, dass Menschen sich der Armut schämen und sie zu verstecken versuchen. Viele fühlen sich völlig machtlos. Sie hoffen noch nicht einmal mehr auf politische Lösungen.“ Das ist für Bernhard Pohl von der katholischen Arbeitnehmerbewegung auch in der Befragung zum Ausdruck gekommen.

„Armut macht einsam, sie isoliert. Viele, die arm sind, sehen keine Perspektive. Das habe ich schon oft gehört. Es jetzt aber von denen zu hören und zu lesen, die hier im HSK gleich nebenan wohnen, lässt mich noch intensiver nach Wegen suchen, wie wir Armut verhindern können“, sagt Gewerkschaftssekretärin Sandra Grimm.

Wirklich miteinander teilen

Die Idee einer Gesellschaft, in der Menschen wirklich miteinander teilen, findet nicht die ungeteilte Zustimmung der Befragten – aber die meisten finden: „Es sollte überhaupt kein Armer unter euch sein.“ Dem stimmt auch der Arbeitskreis zu.

Über die Hintergründe von Armut und über ihre Auswirkungen – für die einzelnen und für den HSK insgesamt – möchten Kirchen und Gewerkschaften ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben.