„Es herrscht Goldgräberstimmung“

Auf so hohe Windräder müssen sich langfristig auch die Esloher einstellen - 180 bis 200 Meter hoch sind moderne  Windanlagen. Bislang steht im Gemeindegebiet noch gar keine.
Auf so hohe Windräder müssen sich langfristig auch die Esloher einstellen - 180 bis 200 Meter hoch sind moderne Windanlagen. Bislang steht im Gemeindegebiet noch gar keine.
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Was wir bereits wissen
Bürgermeister Stephan Kersting erläutert im Interview, warum es bislang keine Proteste in Eslohe zum Thema Windkraft gibt. Er kritisiert die Planung des Landes auf 18 000 Hektar an Vorrangfläche für die Windenergie.

Eslohe..  Bisher steht im Esloher Gemeindegebiet noch kein einziges Windrad. Die Planung der Bezirksregierung Arnsberg hält aber acht potenzielle Gebiete für tauglich. In Arnsberg wird gerade untersucht, welche Flächen für die Windkraft im neuen Regionalplan aufgenommen werden sollen. Bürgermeister Stephan Kersting erläutert im Interview den aktuellen Stand des Verfahrens.

In Grevenstein gründet sich eine Bürgerinitiative gegen Windkraft, aus dem Schmallenberger Raum kommen Proteste. Gibt es in Eslohe keinen Unmut über mögliche Windkraftpläne?

Stephan Kersting: Natürlich haben wir auch dieses Spannungsfeld zwischen denen, die mögliche Flächen für Windräder besitzen und die den Ausbau toll finden, und jenen, die dort wohnen und das nicht wollen. Es ist aber nicht so lautstark bei uns wie in Schmallenberg. Es gab zum Beispiel Anrufe aus dem südlichen Bereich von Eslohe, wo an der Sange vielleicht etwas entwickelt werden könnte. Aber die Leute haben nachvollzogen, dass sie noch nicht gegen etwas mobil machen müssen, was sich übermorgen möglicherweise als substanzlos erweist.

Sie raten zur Zurückhaltung?

Wir müssen doch die Ergebnisse der Regionalplanung abwarten. Vorher sehe ich keinerlei Bewegung. Und auch dann wird es noch dauern.

Wie kommen Sie darauf? Eigentlich sollte doch Klarheit herrschen, wenn der Regionalplan vorgelegt wird.

Ich rechne aber fest mit einem zweiten Beteiligungsverfahren, wenn erst einmal die ganzen Erkenntnisse und Eingaben aus dem ersten Beteiligungsverfahren in dem Plan eingearbeitet sind. Das ist für mich ziemlich sicher.

Sollten dann nicht Eigentümer von Grundstücken, die vielleicht für Windräder geeignet sind, auch zurückhaltend sein?

Unbedingt. Ich kann nur davon abraten, Vorverträge abzuschließen. Wir wissen von Fällen, in denen Projektentwickler einen Fuß in die Tür bekommen wollen. Da werden mündlich mögliche Pachtzahlungen genannt und die Eigentümer sollen ihre Rechte übertragen. Es herrscht ein bisschen Goldgräberstimmung. Jeder Eigentümer kann sich gerne bei uns über das Verfahren erkundigen oder auch bei der Landwirtschaftskammer nachfragen. Planungssicherheit haben Investoren ohnehin erst ganz am Ende des Prozesses, wenn der Gemeinderat die Konzentrationsflächen festlegt.

Macht es aus Ihrer Sicht eigentlich Sinn, wenn die Regionalplanung in allen Gemeinden Flächen für Windräder vorsieht?

Natürlich ist die Energiewende politisch gewollt. Das dürfen wir nicht vergessen. Aber nennen wir es höflich eine „spannende Vorgehensweise“, was bei uns passiert. Hier wird von oben ein Plan gemacht, der 18 000 Hektar an Vorrangfläche für die Windkraft vorgibt – und dann lasst uns mal schauen, was dabei herauskommt. Das ist sehr ungewöhnlich. Ich habe meine Probleme damit, dass beispielsweise Medebach keine Windräder bekommen soll, unter anderem wegen des Wollgrases dort. Wird das Wollgras nicht zu hoch bewertet? Für mich genießt der Mensch die höchste Schutzbedürftigkeit. In Bayern wird dies höher bewertet als in NRW. Dieses Ungleichgewicht verstehe ich nicht.

Nehmen Sie auch eine Tendenz wahr, dass Windräder künftig vor allem an den Gemeindegrenzen geplant sind?

Ich sehe zwar, dass die Entwürfe zum Beispiel für Schmallenberg oder Sundern Windräder an den Grenzen vorsehen, aber daraus kann ich keinen politischen Trend ablesen. Im Gegenteil: Es gibt auch Kommunen, da sollen Windräder mittendrin im Gemeindegebiet entstehen. Es ist nun einmal so, dass Kommunalgrenzen, gerade im ländlichen Raum, nicht durch besiedelte Bereiche führen: Das sind häufig Höhenzüge, wo eben der entsprechende Wind weht. Man kann diese Flächen an den Grenzen durchaus fachlich begründen.