„Es hätte Tote geben können“

Die Anspannung ist ihm ins Gesicht geschrieben: Oberfeuerwehrmann und Drehleitermaschinist Michael Siepe hat über die Drehleiter sieben Menschen gerettet.
Die Anspannung ist ihm ins Gesicht geschrieben: Oberfeuerwehrmann und Drehleitermaschinist Michael Siepe hat über die Drehleiter sieben Menschen gerettet.
Foto: WP

Rimberg.. Als der Himmel über dem Rimberg feuerrot glühte und Ralf Fischer, Pressesprecher der Schmallenberger Feuerwehr, am Samstag gegen drei Uhr erfuhr, dass sich noch 60 Menschen im Hotel Knoche befinden sollen, war er sich sicher: „Da wird es Tote geben.“

Wo lagen die Gefahren bei diesen Einsatz?

Ralf Fischer: Der Schwerpunkt lag auf der Menschenrettung. Zunächst wussten wir nicht, wie viele Gäste sich im Hotel befanden. Deshalb waren unsere Trupps bis zur kompletten Durchzündung des Großteils des Gebäudes unter schweren Atemschutz im Objekt. Dabei gerieten sie zum Teil auch selbst in Bedrängnis und mussten Leitungen und Schläuche zurück lassen, da sich das Feuer schlagartig auf das gesamte Gebäude ausdehnte.

Als Sie auf dem Weg zum Einsatz waren, haben Sie gedacht, dass es Tote und Verletzte geben wird. Wann waren Sie sich sicher, dass dies nicht der Fall war?

Fischer: Nach ungefähr 45 Minuten hatten wir die relative Sicherheit, dass sich keine Person mehr im Hotel befindet. Wir hatten in Schmallenberg schon viele Großeinsätze und Großbrände, aber dieser Einsatz lag am Rande der Katastrophenschwelle. Alle haben sehr gut zusammengearbeitet. Sieben Gäste wurden zum Beispiel über die Drehleiter gerettet. Da ging es um Sekunden. Wenn der Drehleitermaschinist nicht so gut gearbeitet hätte, hätte es Tote gegeben.

Wie verkraften die Feuerwehrleute so einen Einsatz?

Fischer: Gut, sie sind es gewohnt. Zum einen von der technischen Seite, aber auch von der psychischen Seite. Wer sich für die Feuerwehr entschließt, trägt den Piepser 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag. Er rechnet damit, morgens um drei aus dem Bett geholt zu werden. Dennoch, dieser Einsatz am Rimberg war kräftezehrend. Die Kameraden sind bis an ihr körperliches Limit gegangen und waren teilweise in zwei bis drei Schichten im Einsatz.

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit ein?

Fischer: Die erste Analyse der Feuerwehr hat ergeben, dass dieser Großbrand nur beherrschbar war, weil alle Beteiligen so hervorragend zusammengearbeitet haben. Polizei, Rettungsdienst, DRK, Mitarbeiter der RWE und insbesondere auch den Landwirten, die mit ihren Traktoren und Tankanhängern geholfen haben, dem Betreiber der Skihütte, der die Brandopfer versorgt hat, spricht die Feuerwehr Dank und Anerkennung aus. Gleiches gilt für die Unterstützung durch die Verwaltung der Stadt Schmallenberg. Neben Bürgermeister Bernhard Halbe, waren Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Wasserwerkes vor Ort, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Dazu lässt sich nur sagen: Der Einzelne ist schwach, nur gemeinsam sind wir stark.

Sie klingen auch ein wenig stolz.

Fischer: Was dort passiert ist, ist für die Familie Knoche sehr schlimm. Viele von uns kennen sie persönlich und sind dort auch schon als Gast gewesen. Ihnen gehört unser ganzes Mitgefühl. Dennoch sind wir stolz, dass wir keine Verletzten und Tote beklagen müssen.