„Es gibt oft Interessenkonflikte“

Die meisten Schäden auf Feldern verursachen Wildschwein
Die meisten Schäden auf Feldern verursachen Wildschwein
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wildschadensschätzer Martin Roß vermittelt zwischen Landwirten und Jägern. Nach zehn Jahren will er sein Ehrenamt weitergeben.

Schmallenberg..  Wenn Landwirte morgens aufstehen und feststellen, dass über Nacht ihr Feld verwüstet wurde, dann wird oft Martin Roß gerufen. Seit zehn Jahren ist der 36-jährige Werntroper ehrenamtlicher Wildschadensschätzer für die Stadt Schmallenberg. Nun will er das Amt aus privaten Gründen an einen Nachfolger weitergeben. Im Interview mit dieser Zeitung erklärt Roß, mit welchen Fällen er es während seiner Amtszeit zu tun hatte.

Frage: Was ist die Aufgabe eines Wildschadensschätzers?

Martin Roß: Der Begriff ist weit gefast – ich selbst habe Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen geschätzt. Zum Einsatz bin ich immer dann gekommen, wenn sich der Geschädigte und derjenige, der den Schaden begleichen muss – meistens sind das die Pächter eines Jagdreviers – nicht einig werden. Da gibt es natürlich oft Interessenkonflikte.

Wie oft gibt es solche Fälle?

Das ist sehr unterschiedlich gewesen. In manchen Jahren hatte ich gar nichts zu tun, in anderen hatte ich zehn Einsätze.

Welche Tiere verursachen die meisten Schäden?

In fast 90 Prozent der Fälle geht es um Wildschweine. Entweder sie wühlen auf der Suche nach Engerlingen die Erde auf oder sie fressen den Futtermais von den Feldern. Über Getreide und Kartoffeln fallen sie auch gerne her. Wenn eine ganze Rotte unterwegs ist, kann sie in wenigen Nächten ziemlich viele Hektar platt machen. Das sind dann keine Schäden mehr, die man mit einer Kiste Bier wieder gut machen könnte.

Wie bewerten Sie die Schäden dann?

Ich treffe mich mit dem Geschädigten, einer der Personen, die den Schaden begleichen müssen, und einem Mitarbeiter des Ordnungsamts zum Ortstermin. Zur Orientierung habe ich Schätzerlisten von der Landwirtschaftskammer, die ständig aktualisiert werden. Aber trotzdem ist es oft so, dass ich mitten zwischen den Interessen stehe

Was passiert, wenn Ihr Vermittlungsversuch scheitert?

Wenn eine der beiden Parteien die Schätzung nicht akzeptiert, geht der Fall an die nächst höhere Instanz, dann ist nicht mehr die Kommune zuständig. Aber das ist in meiner gesamten Amtszeit kein einziges Mal vorgekommen.

Sie sind ja selbst Landwirt – wären Sie manchmal lieber Jäger?

Ich gehe in meiner Freizeit sogar manchmal selbst zur Jagd, deshalb kann ich beide Seiten gut verstehen. Wir hatten selbst schon Schäden auf unseren Feldern, aber ich konnte mich immer direkt mit der Jagdgenossenschaft einigen. Eine Kooperation zwischen Landwirten und Jägern ist sowieso der ideale Fall.